Wallis: Knochen von zwei vermissten Frauen gefunden
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WallisKnochen von zwei vermissten Frauen gefunden

Grausiger Fund im Wallis: In Visp und in Turtmann sind Knochen von zwei seit vielen Jahren vermissten Frauen entdeckt worden. Sie stammen von einer seit Juli 2001 vermissten deutschen Touristin sowie von einer seit Sommer 1973 vermissten Frau aus Unterems.

Es muss ein Schock gewesen sein für den Arbeiter der Wasserwerke in Visp: Bei einer Routinekontrolle in einer Pumpstation fand der Mann einen menschlichen Knochen. Wie das Institut für Rechtsmedizin in Bern (IRM) nun feststellte, handelte es sich um einen weiblichen Oberschenkelknochen. Mittels DNA-Vergleich konnte die Frau als die deutsche Touristin Maria Theresia Dolde identifiziert werden.

Dolde war im Juli 2001 im Alter von 72 Jahren in Ausserbinn spurlos verschwunden. Sie weilte damals im Wallis in den Ferien und wurde am 2. Juli am Nordportal des Binntaltunnels das letzte Mal gesichtet, als sie sich auf dem Weg zum Einkauf befand. Jetzt, acht Jahre später, gibt es endlich Gewissheit für die Verwandten über den Verbleib von Maria Theresia Dolde.

Vermutlich Opfer eines Unfalls

«Wir gehen davon aus, dass die Verstorbene einem Unfall zum Opfer fiel», sagt Martin Rieder, Mediensprecher der Kantonspolizei Wallis. Die Frau sei wohl auf dem Weg zum Einkauf gestolpert und in den naheliegenden Bach Binn gefallen. Ihre Leiche sei anschliessend vermutlich den Bach hinuntergespült worden und letztlich der Rhône entlang nach Visp gelangt. Dort wurde aber nur noch ein Oberschenkelknochen entdeckt. «Ganz sicher sind wir uns aber nicht», so Rieder. Anzeichen für ein Verbrechen habe es jedoch nie gegeben, deshalb sei dies die wahrscheinlichste Theorie.

Einen noch grausigeren Fund machte rund drei Wochen später ein Spaziergänger in Turtmann. In einer trockenen Wasserleitung entdeckte er einen menschlichen Schädel. «Wir untersuchten daraufhin das umliegende Gebiet intensiv und fanden weitere Skelettteile und zerrissene Kleidungsstücke», so Rieder. Dank eines gefundenen Halbschuhs und des DNA-Vergleichs mit Verwandten gelang es, die Frau als die 1973 verschollene Walburga Borter zu identifizieren.

Beerdigung nach 36 Jahren

Walburga Borter war am 2. Oktober von einem Bekannten vor ihrem Wohnhaus in Unterems abgesetzt worden. Die damals 68-jährige Frau kam dort aber niemals an. Sie war am späten Nachmittag das letzte Mal in Ergisch gesehen worden und galt seither als vermisst. Die Polizei geht auch in diesem Fall nicht von einem Gewaltverbrechen aus. Jetzt – 36 Jahre nach ihrem Verschwinden – wird die Familie der gläubigen Katholikin nochmals eine Beerdigung ausrichten, wie Polizeisprecher Rieder sagt.

(amc)

Knochenfunde im Wallis

«Die beiden Knochenfunde sind nichts aussergewöhnliches», sagt Polizeisprecher Markus Rieder. Im Wallis würden immer wieder Überreste von verschollen Personen gefunden. Meistens handle es sich dabei um Bergsteiger, die in den Bergen verunfallen oder die in Gletscherspalten fallen. Ihre Überreste würden meist erst Jahre später wieder in Bächen und Flüssen entdeckt. Gemäss Vermissten-Statistik der Kantonspolizei Wallis sind immer noch 278 Personen seit 1926 verschollen.

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