Knorrli feiert: Knorr wird 100

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Knorrli feiert: Knorr wird 100

Die mit ihren Fertigsuppen und Bouillonwürfeln bekannt gewordene Firma Knorr feiert in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum ihrer Fabrik im schaffhausischen Thayngen. Seit bald 60 Jahren ist das Wichtelmännchen «Knorrli» ihr Aushängeschild.

Die Ursprünge der Firma gehen zurück auf den Unternehmer Carl Heinrich Knorr (1800-1875) aus dem deutschen Heilbronn. Er eröffnete dort 1838 einen Gemischtwarenladen und erhielt im gleichen Jahr die Konzession für den Bau einer Fabrik für Kaffee- Ersatz aus Zichorien.

Nach Knorrs Tod führte sein Sohn Carl Heinrich Eduard (1843- 1921) das Lebenswerk des Vaters weiter - in den ersten 20 Jahren zusammen mit seinem Bruder Alfred (1846-1895). Die Firma florierte und expandierte 1885 in die Schweiz, wo in St. Margrethen SG eine Abpackstelle errichtet wurde. 1907 wurde eine leerstehende Schuhfabrik in Thayngen zur Produktionsstätte von Suppenwurst und Bouillonwürfeln.

Küchen-Revolution

Während des zweiten Weltkriegs stockten die Lieferungen von Fleischersatz aus dem Deutschen Stammwerk, das von den Allierten auf die Schwarze Liste gesetzt worden war. Die Filiale Thayngen hätte ihre Produktion einstellen müssen, wenn nicht eine Schweizer Gruppe die Firma von den deutschen Eigentümern übernommen hätte, sagte der ehemalige Firmenchef Heinrich Oswald am Dienstag vor den Medien in Zürich.

Unter eigener Leitung erfanden die Schweizer die Beutelsuppe, eine kleine Küchen-Revolution. Am 24. Mai 1949 gingen die ersten Packungen «Nudelsuppe mit Huhn» über den Ladentisch. Es war gelungen, den in den bisherigen «Suppenwürsten» üblichen Fabrikgeschmack zu verbannen. Dazu kam die ungewohnt kurze Kochzeit. Die Beutelsuppe wurde ein Renner.

Ihr folgten weitere Produkte, die teils bis heute in praktisch jedem Haushalt ihren festen Platz haben: Streuwürze, Instant- Kartoffelstock, Bratensauce in der Tube. Später folgten -immer dem Zeitgeist entsprechend - Snacks zum Anrühren mit heissem Wasser, fett- und salzarme Produkte und dergleichen mehr.

Von Thayngen aus expandierte das Unternehmen ins europäische Ausland. Der Umsatz schnellte von 8,5 Mio. Fr. im Jahre 1948 auf über 70 Mio. Fr. im Jahre 1953, wie Oswald sagte. 1958 ging Knorr in die Hände der amerikanischen Bestfoods über, die ihrerseits vor 7 Jahren vom britisch-niederländischen Konsumgüterkonzern Unilever geschluckt wurde.

Den Umsatz der Marke Knorr wollte Unilever Schweiz-Chef Alex Seidel nicht bekannt geben. Insgesamt setzte Unilever Schweiz 2005 mit 1200 Mitarbeitern 623 Mio. Fr. um und erzielte einen Betriebgewinn von 87 Mio. Franken.

Kleiner Mann - ganz gross

Dass die Knorr-Produkte so populär wurden, verdankten sie nicht zuletzt einem kleinen Männchen: Dem «Knorrli». 1948 schuf ihn der Tessiner Maler und Grafiker Hans Tomamichel (1899-1984) im Auftrag des damaligen Knorr-Direktors J. C. Weilenmann. Tomamichel definierte den Kleinen mit der roten Zipfelmütze als «freundlichen Berggeist, der den Menschen bei der Arbeit zur Hand geht.»

«Knorrli» repräsentierte die Marke Knorr, wurde im Laufe der Jahrzehnte zu ihrem Sinnbild. Seine Aufgabe, die Sympatie der potentiellen Käuferschaft zu gewinnen - und auf die Marke zu übertragen, erfüllte er all die Jahre hindurch. Noch heute ist der fröhliche Wichtel eine allgemein bekannt Figur.

(sda)

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