Aktualisiert 01.02.2019 07:00

Car of the weekKnuddeliges Wirtschaftswunder

Vor zwei Jahren stellte Honda ihn vor, nun kommt der Urban EV leicht modifiziert als Serienmodell nach Genf.

von
Michael Köckritz
1.2.2019
Er sieht aus wie ein niedliches Haustier, könnte aber die die Haushaltskasse füllen. Vor zwei Jahren stellte Honda ihn vor, nun kommt der Urban EV leicht modifiziert als Serienmodell nach Genf.

Er sieht aus wie ein niedliches Haustier, könnte aber die die Haushaltskasse füllen. Vor zwei Jahren stellte Honda ihn vor, nun kommt der Urban EV leicht modifiziert als Serienmodell nach Genf.

Honda
Gestandene Männer bekamen weiche Knie, als der Honda EV Urban Concept 2017 auf der IAA in Frankfurt gezeigt wurde, Frauen kämpften gegen einen unwiderstehlichen Streichel-Impuls an, kleine Kinder wollten nur damit spielen. Die Retro-Neuauflage des legendären Civic war so knuffig, dass Honda sich einfach gezwungen sah, den Kleinen zu bauen.

Gestandene Männer bekamen weiche Knie, als der Honda EV Urban Concept 2017 auf der IAA in Frankfurt gezeigt wurde, Frauen kämpften gegen einen unwiderstehlichen Streichel-Impuls an, kleine Kinder wollten nur damit spielen. Die Retro-Neuauflage des legendären Civic war so knuffig, dass Honda sich einfach gezwungen sah, den Kleinen zu bauen.

Honda
Die Serienversion des Urban EV wird ein Viertürer sein, konventionell vorn angeschlagene Türen werden die «Suicide-Doors» (charmant, aber der Spitzname kommt nicht von ungefähr) ersetzen, die den Designern konstruktive Kopfschmerzen verursachten.

Die Serienversion des Urban EV wird ein Viertürer sein, konventionell vorn angeschlagene Türen werden die «Suicide-Doors» (charmant, aber der Spitzname kommt nicht von ungefähr) ersetzen, die den Designern konstruktive Kopfschmerzen verursachten.

Honda

Gestandene Männer bekamen weiche Knie, als der Honda EV Urban Concept 2017 auf der IAA in Frankfurt gezeigt wurde, Frauen kämpften gegen einen unwiderstehlichen Streichel-Impuls an, kleine Kinder wollten nur damit spielen. Die Retro-Neuauflage des legendären Civic war so knuffig, dass Honda sich einfach gezwungen sah, den Kleinen zu bauen.

In Genf werden die Japaner eine realistischere Version ihres Manga-Mobils zeigen, immer noch niedlich, aber diesmal ein wenig näher an der endgültigen Produktions-Version und vielleicht dann doch ein bisschen zu gross für die Kleinen – zumal der Urban EV um einiges wachsen soll. Man munkelt über eine Gesamtlänge, die in etwa der des erfolgreichen Jazz' entspricht. Das Produktionsmodell, das ab Frühjahr 2019 vorbestellt werden kann, ist auch ein wenig eckiger und markanter geworden.

Physische Spiegel sind oft noch gesetzlich vorgeschrieben

Die Serienversion des Urban EV wird ein Viertürer sein, konventionell vorn angeschlagene Türen werden die «Suicide-Doors» (charmant, aber der Spitzname kommt nicht von ungefähr) ersetzen, die den Designern konstruktive Kopfschmerzen verursachten. Die coolen Vielspeichenfelgen fallen ebenfalls weg. Ob es die Kameras in die Serie schaffen, welche die Aussenspiegel überflüssig machen, bleibt abzuwarten, denn in vielen Regionen sind physische Spiegel noch gesetzlich vorgeschrieben. (Die Technologie wäre ja da, und da sie immer erschwinglicher wird, bleibt Hoffnung.) Die Rundscheinwerfer bleiben, die Rückleuchten verlieren die eckige Form und sind jetzt ebenfalls rund.

Die Displays neben dem blassbläulich leuchtenden Honda-Logo an der Front dürfte es hingegen nicht in die Serienversion schaffen. Durch Schriftanzeigen und Emojis sollte das Fahrzeug mit seiner Umwelt kommunizieren und zum Beispiel Hinweise an andere Verkehrsteilnehmer geben - sehr charmant, aber in der Realität vielleicht mit nicht ganz so viel Begeisterung aufgenommen wie auf der IAA in Frankfurt. Auch die Reminiszenz an die Vergangenheit, die zwei durchgehenden Sitzbänke ist der Vernunft gewichen und wird in der Serienversion durch herkömmliche Sitze ersetzt. Das mit den Bänken war zwar allemal eine schicke Idee, aber damit durch den Schwarzwald zu fahren, ist vielleicht nicht sooo doll.

Im Innenraum wird der gigantische Bildschirm dominieren, der sich auch schon vor zwei Jahren in Frankfurt als Publikumsmagnet herausstellte. Der Technicolor-Monitor zieht sich vorne über die gesamte Innenbreite und ersetzt die konventionelle Instrumententafel. Der Breitband-Bildschirm informiert über Fahrzeugdaten, integriert das Navi und dient gleichzeitig als Entertainment-Zentrum, was toll kommt, sollte der Urban EV einmal autonom fahren.

Ein Gefühl des Wohlbehagens

Honda bemühte sich, im Innern des Urban ein luxuriöseres Feeling zu schaffen, als es in der Fahrzeugklasse bisher notwendig erschien. Die Haptik der verwendeten Materialien ist superangenehm, die meisten Oberflächen sind aus Holz und Hightech-Textilien gefertigt und sollen ein Gefühl des Wohlbehagens vermitteln. Trotz des Bestrebens, den Urban als Premium Car zu platzieren, wird auf Leder ausdrücklich verzichtet.

Vor einiger Zeit sagte Hondas CEO und Präsident Takahiro Hachigo, dass Honda in wenigen Jahren zwei Drittel ihrer Modelle elektrisch betrieben anbieten will und mit der Marktmacht der japanischen Hersteller Elektromobile zum Standard machen will. Technische Daten sind von Honda zwar noch nicht veröffentlicht worden (und verlieren mit zunehmender Vielfalt der Technologien beim Konsumenten immer mehr an Bedeutung), aber soviel ist bekannt: Der Urban wird über einen Elektromotor angetrieben, der in etwa dem Powerspektrum des Clarity entspricht, also über rund 160 PS und 300 Nm verfügt. Die Reichweite dürfte sich in realistischen Bereichen bewegen, vermutlich um die 250 Kilometer – eventuell auch etwas mehr, wenn man Anschluss an Konkurrenzfahrzeuge wie dem Renault Zoe halten will.

In einer Sache geht Honda jedoch noch einen Schritt weiter - zusammen mit vollelektrischen Urban EV stellte der Hersteller ein Energieversorgungs-Konzept vor, das nicht nur den privaten Haushalt des Fahrers mit einbezieht, sondern auch das öffentliche Netz. Möglich ist dies durch das Übertragungssystem «Power Manager», das Elektrofahrzeuge in intelligente Stromnetze integriert. «Wenn es angebracht ist», erklärte Philip Ross, Senior Vice Präsident für Honda Europe, «kann der Power Manager den persönlichen Strombedarf aus der EV-Batterie speisen und so den Energieverbrauch aus dem öffentlichen Netz deutlich verringern.» Was dann ebenfalls möglich ist: Die gespeicherte Energie wieder zurück ins öffentliche Netz zu verkaufen und damit zusätzlich Geld zu verdienen.

ramp begeistert seit mehr als zehn Jahren als stilprägendes, opulentes Coffeetable-Magazin, indem es die Welt des Autos mit der Liebe zum Leben und der Lust auf Mode, Kultur und Design verbindet. So wurde es auch ganz nebenbei zum meist ausgezeichneten Automagazin der Welt. ramp-Herausgeber und Chefredakteur Michael Köckritz stellt wöchentlich seinen «Car of the Week» auf 20min.ch vor. Jeden Freitag.

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