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Knut als Steiff-Tier

Stupsnase, schwarze Knopfaugen und schneeweisses Fell. Die Firma Steiff hat sich die Rechte am Knuddel-Teddy gesichert.

Zehntausende pilgern zum kleinen Eisbären Knut in den Berliner Zoo. In den USA, Australien und Japan ist er ein Star; in der Schweiz wurde er zur Inspirationsquelle zahlreicher Aprilscherze, selbst in brasilianischen Provinzblättern blickt er vom Titelblatt. Auch die Merchandising-Maschine läuft auf Hochtouren: Stoffeisbären finden reissenden Absatz, ein Lied über ihn ist auf dem Weg in die Hitparaden. Woran das liegt? Da kommen viele Sachen zusammen, meinen Experten.

«Knut löst positive Gefühle aus»

«Natürlich spielt das Kindchen-Schema eine grosse Rolle», sagt Peter Walschburger, der als Bio-Psychologe an der Freien Universität Berlin lehrt. «Die kleinen Öhrchen, Knopfaugen, der Kontrast zwischen schwarzer Schnauze und weissem Fell, dazu die weichen, rundlichen Strukturen lösen bei Menschen immer positive Gefühle aus. Es erwacht der Beschützerinstinkt.» Über die Medien habe man aus allernächster Nähe beobachten können, wie tollpatschig und äusserst verspielt der kleine Bär sei. Und dass er dann auch noch mit einem Menschen, seinem Pfleger, herumtolle, löse bei vielen einen Zuwendungsreflex aus.

Zudem würden natürlich die meisten die Geschichte hinter Knut kennen, nämlich, dass er als Baby von seiner Mama verstossen worden sei - was das Mitleid noch verstärke. Zugleich sei da aber auch noch eine Art Angst-Lust: «Es gibt die Kontrastwirkung: Jetzt ist er der süsse niedliche Bär. Aber alle wissen, in wenigen Monaten ist er ein riesiges, bedrohliches Raubtier», erklärt Walschburger. Das reize die Menschen.

Dass tendenziell Frauen stärker als Männer auf Knut reagierten, sei auf die Evolution zurückzuführen. Frauen seien mehr auf die Betreuungsrolle festgelegt. «Und dann ist Knut auch noch weiss - und wirkt so noch unschuldiger und schutzbedürftiger. Da denkt man doch, da ist kein Falsch und kein Arg.»

Die Farbe des Fells hält auch Zoologe Heiner Klös neben dem Kindchenschema für den wichtigsten Grund. «Wir haben in einem anderen Käfig einen neu geborenen Malaienbär, der ist noch kleiner und genauso süss.» Trotzdem löse er nicht diese Hysterie aus. «Und zwar deshalb, weil sein Fell schwarz ist», erklärt Klös. Für den Trubel sei aber auch die Meldung mit ausschlaggebend gewesen, irgendein Tierschützer wolle Knut mit einer Spritze töten. Und dann könne ein weiterer Grund der herrliche Frühling sein. «Die Sonne scheint. Da fliegen die Hormone», erklärt er die «Knutmania».

Millionen verdienen mit Knut

Tierarzt André Schüle betont, dass Eisbärenbabys die ersten drei bis vier Monate eigentlich nie zu sehen seien, da sie von ihren Eltern in Höhlen versteckt aufgezogen würden. Das sei bei Knut anders gewesen. Der sei schon direkt nach seiner Geburt auf Fotos abgebildet gewesen. Die hätten dann die Welle ausgelöst, sagt Schüle, der Knut ärztlich versorgt.

Allzu lange werde die Knut-Hysterie sowieso nicht anhalten können, meint er. «Der Pfleger traut sich höchstens noch rein, bis Knut ein Jahr alt ist. Dann wiegt er ungefähr 100 Kilo.» Danach werde er durch die Gitterstäbe gefüttert und gepflegt. Momentan bringt der Eisbär zwölf Kilogramm auf die Waage. In zwei Jahren werden es dann wohl 700 Kilo sein.

Bis dahin können mit Knut wohl noch Millionen verdient werden. Der Zoo, der sich «Knut» auch als Marke schützen lassen will, erwartet bis zu 300.000 Besucher zusätzlich. Mit Fan-Artikeln wie DVDs und Schlüsselbändern, Plüschbären ist ebenfalls viel zu verdienen. Handy-Anbieter haben Knut-Logos, -Töne und -Videos im Angebot. Es sollen Gummibärchen «Knuddel-Knut'sch» auf den Markt kommen, der Spielwarenhersteller Steiff präsentiert am (morgigen) Dienstag eine eigene Sonderkollektion Knut. Und mehrere Plattenfirmen verdienen Geld mit «Knut»-Songs.

Knut selbst lässt der ganze Rummel kalt. «Der hat Internetzugang zu seinem Konto und schaut, wie es wächst», scherzt Klös. Nein, der Bär merke zwar, dass rund um ihn herum viel los sei. Das mache ihm aber nichts aus, er habe genügend Rückzugsraum. Mittlerweile ist der Bär zwei Mal täglich je eine Stunde von elf bis zwölf und 14.00 bis 15.00 Uhr zu sehen. (dapd)

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