Gefährlicher Trend – KO-Tropfen mit Spritze verabreicht – Politik fordert Antworten von der Polizei

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Gefährlicher TrendKO-Tropfen mit Spritze verabreicht – Politik fordert Antworten von der Polizei

Unbekannte haben in England Frauen im Ausgang mit Spritzen betäubt. Mit dem sogenannten Spiking beschäftigt sich nun auch Englands Innenministerin Priti Patel.

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In England wurden in den letzten Monat vermehrt Frauen im Ausgang Drogen verabreicht.  

In England wurden in den letzten Monat vermehrt Frauen im Ausgang Drogen verabreicht.

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Sie erhielten diese nicht als Tropfen über ein Getränk, sondern wurden mit Spritzen gestochen. 

Sie erhielten diese nicht als Tropfen über ein Getränk, sondern wurden mit Spritzen gestochen.

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Frauen berichten auf Social Media von ihren Erfahrungen und zeigen Einstichstellen an ihrem Körper. 

Frauen berichten auf Social Media von ihren Erfahrungen und zeigen Einstichstellen an ihrem Körper.

Twitter/Scottutlr

Darum gehts

  • In den letzten Wochen werden vermehrt Fälle bekannt, bei denen Frauen im Ausgang «KO-Tropfen» mittels Spritzen verabreicht wurden.

  • Betroffene haben eine Kampagne lanciert. In dieser rufen sie dazu auf, dass Clubs ihre Gäste besser durchsuchen und so Waffen oder Drogen abfangen können.

  • Auch Englands Innenministerin Priti Patel fordert von der Polizei einen dringenden Bericht zu den Vorfällen.

In Grossbritannien häuften sich in der jüngeren Vergangenheit Fälle, in denen junge Clubbesucherinnen plötzlich starken Schwindel verspüren, sich kaum noch bewegen konnten und später keinerlei Erinnerungen mehr an den Ausgang hatten. So berichtet etwa Charlotte gegenüber BBC: «Ich habe vorher gearbeitet, also nicht den ganzen Abend getrunken. Ich hatte wohl nur zwei Drinks» sagt sie.

«Ich erinnere mich, einige Bekannte gesehen zu haben, an das was danach geschah habe ich keine Erinnerung mehr. Ich fand mich dann vor dem Club auf der Strasse liegend wieder vor und driftete zwischen Wachsein und Ohnmacht hin und her.» Weder der Rausschmeisser, der ihrer Freundin die Hilfe verweigerte, weil er dachte, Charlotte sei betrunken, noch der Taxifahrer, der sie ins Spital brachte, hätten sich für ihren Zustand interessiert.

Nachdem sie ihr Erlebnis auf Social Media schilderte, habe sie zahlreiche Zuschriften von Frauen bekommen, die sehr ähnliche Erfahrungen machten. So etwa Zara Owen. Sie fand nach einem «Filmriss» am nächsten Tag eine Einstichstelle an ihrem Bein und ist überzeugt, dass ihr jemand eine Spritze mit Drogen verabreicht hatte. In einem Bericht der «Daily Mail» berichten noch weitere junge Frauen von ihren Horror-Erfahrungen.

Weil sich Fälle wie diese häuften, planen Studentinnen nun Protestaktionen und einen landesweiten Boykott, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. «Ich habe das Clubbing wegen Corona so sehr vermisst», erzählt Studentin Alex Mills gegenüber Vice.com. «Ich war nun erst wieder ein paar Mal im Ausgang, aber jetzt habe ich Angst, auszugehen.»

Mehr Handlungsbefugnisse für Sicherheitspersonal gefordert

Mills engagiert sich in Nottingham für die Kampagne «Girls Night In», einen nationalen Boykott, der Ende des Monats in 43 britischen Städten durchgeführt wird. Über 130’000 Frauen haben zudem eine Petition unterzeichnet, die verlangt, dass Clubs ihre Gäste besser durchsuchen können und so Waffen oder Drogen abfangen können. Die scheint nötig zu sein: Bei einer aktuellen Umfrage unter 747 Personen antworteten auf die Frage: «Glauben Sie, dass Sie jemals einen Ihrer Getränke mit Spikes bekommen haben?» 94 mit Ja und weitere 26 mit Vielleicht.

Die öffentlich gewordenen Fälle von Spiking per Injektion führen zudem dazu, dass sich auch die Politik einschaltet. Englands Innenministerin Priti Patel habe von der Polizei einen dringenden Bericht über die Ermittlungen zum Thema angefordert, schreibt der «Guardian».

Vertreter von Polizei und Wissenschaft geben sich mit Antworten zurückhaltend. Sarah Crew, die kommissarische Polizeipräsidentin von Avon und Somerset, sagte, es sei schwierig eine Einschätzung abzugeben.

Die Professorin Fiona Measham, Inhaberin des Lehrstuhls für Kriminologie an der Universität Liverpool, sagte zu der Zeitung: «Die Ängste um die Sicherheit der Frauen sind sehr real und wir sollten alle Berichte ernst nehmen.» Die derzeitigen Diskussionen über die Sicherheit in Nachtclubs könnten zudem eine Me-Too-Bewegung für die Branche sein, so Measham.

Spiking/KO-Tropfen

Beim Spiking werden Drogen über ein Getränk oder intramuskulär mit einer Spritze verabreicht. Dabei handelt es sich um Substanzen wie GHB, GBL, BD, geläufigt als KO-Tropfen, Liquid Ecstasy oder Vergewaltigungsdroge. Bei den Substanzen handelt sich um farbloses Pulver oder um Flüssigkeiten mit salzigem oder leicht seifigen Geschmack und praktisch ohne Geruch. Sie sind gut mit Wasser mischbar und können unbemerkt in einen Drink gemixt werden. Bereits fünfzehn Minuten nach der Einnahme macht sich eine Euphorie breit, die schliesslich in Müdigkeit übergeht. Werden die Substanzen überdosiert, kommt es zu Übelkeit, Benommenheit, tiefer Bewusstlosigkeit und Atemnot. Nach dem Aufwachen können sich die Opfer an nichts mehr erinnern.

GBL und BD werden von der chemischen Industrie in riesigen Mengen produziert und für die Herstellung von zahlreichen Produkten wie z.B. Bauchemikalien oder Farben verwendet. Die Stoffe sind als gesundheitsschädlich eingestuft und gekennzeichnet. GHB und seine Ester (z.B. GBL) sind seit 2002 dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Nicht industrieller Handel und Konsum sind daher verboten.

Das Bundesamt für Gesundheit rät, keine offenen Drinks von Unbekannten anzunehmen und eigene Drinks nicht unbeaufsichtigt zu lassen. (bag)

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