Aktualisiert 22.03.2011 17:56

Krieg in LibyenKoalition droht «strategische Sackgasse»

Satellitenbilder liefern zentimetergenaue Aufnahmen möglicher Ziele. Die Beschränkung der Koalitionspartner auf Luftangriffe macht den Einsatz aber nicht einfacher.

Länder wie Frankreich, Grossbritannien und die USA setzen seit Jahrzehnten Spionagesatelliten ein, um allzeit aktuelle Lagebilder erstellen zu können. Die Satelliten liefern auch beim Libyen-Einsatz noch aus hunderten Kilometern Höhe bis auf wenige Zentimeter genaue, dreidimensionale Darstellungen von feindlichen Zielen wie Flugzeugen, Radaranlagen und Raketenstellungen.

Derartige Raum-Lage-Daten ergänzen die militärischen Geheimdienste standardmässig mit weiteren Aufklärungssystemen elektronischer und funktechnischer Art. Dazu gehören etwa mit Elektronik versehene Spionageschiffe, die gegnerische Funksignale aller Art auffangen und auswerten oder ihre Verbreitung stören können.

«Taub, blind und stumm»

Die Luftangriffe seit dem Wochenende sollten die libysche Verteidigung «taub, blind und stumm» machen, wie ein früherer Angehöriger eines westlichen Geheimdienstes der Nachrichtenagentur AFP sagte.

B-2-Tarnkappenbomber der US-Luftwaffe, britische Tornados und französische Rafales sowie von der im Mittelmeer stationierten US-Flotte abgefeuerte Tomahawk-Marschflugkörper sollten libysche Radareinrichtungen, Kommunikations- und Führungssysteme sowie Luftverteidigungsstellungen lähmen oder zerstören.

Präzisionsgelenkte Raketen und Marschflugkörper werden vor einem Angriff auf Luftwaffenstützpunkten oder Flugzeugträgern programmiert, indem Zielkoordinaten eingegeben werden, die den Streitkräften durch ihre Aufklärungssysteme bekannt sind.

Verfeinernd können spezielle Einheiten am Boden die Luftwaffenpiloten im Endanflug leiten, indem sie Ziele elektronisch «beleuchten» und die Piloten diese Markierungen übernehmen.

Die Wirkung der Luftangriffe ist auf Vorher-Nachher-Bildern von Aufklärungsflugzeugen und Satelliten zu sehen - beziehungsweise daran abzulesen, dass feindliche elektronische Signale verstummen.

Schwieriger Einsatz ohne Bodentruppen

Dass die Koalitionspartner in Libyen durch den jüngsten Beschluss der Vereinten Nationen an Luftangriffe gebunden sind und keine Bodentruppen nach Libyen schicken können, mache den Einsatz nicht einfacher, wurde in französischen Militärkreisen betont.

Für die Kampfpiloten sei bisweilen schwer zu entscheiden, ob sie ein vermeintliches Ziel angreifen sollten - da die libyschen Soldaten oft zivile Fahrzeuge nutzten und die Aufständischen ihren Kampf auch mit zurückgelassenem Militärgerät führten, sei die Unterscheidung bisweilen unmöglich.

«Strategische Sackgasse» befürchtet

Um Tote in der Zivilbevölkerung zu vermeiden, könnten die Piloten auch nicht bombardieren, wenn sich Zivilisten am anvisierten Ziel aufhielten.

Am Samstag zerstörten französische Kampfflugzeuge gerade einmal vier libysche Panzer und am Montag einen weiteren, wie Luftwaffensprecher Thierry Burkhard der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Die Flugzeuge könnten kaum mehr als «Kreise am Himmel ziehen», sagte ein französischer Militär, der nicht genannt werden wollte. Über kurz oder lang drohe der Koalition «eine strategische Sackgasse» - ausser es gelinge den Aufständischen, «die Sache in die Hand zu nehmen».

(sda)

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