02.09.2019 11:36

SelbstversuchKocht diese Maschine besser als ich?

Profi-Köche schwören auf den Thermomix, doch hilft das Gerät einem Kochmuffel auf die Sprünge? 20-Minuten-Redaktorin Meret Steiger hat es ausprobiert.

von
Meret Steiger

Das Fazit zu meiner Woche mit dem Thermomix siehst du im Video!

Vom Thermomix hatte ich vorher schon viel gehört: Das Gerät sei ein Alleskönner, eine Art sehr leistungsstarker Mixer, kombiniert mit Heizplatte und einer App, die einem den grössten Teil des Kochens abnimmt. Als ich kürzlich die Gelegenheit hatte, den neusten Wurf von Vorwerk, den TM6 (ein 1599-Franken-Gerät), auszuprobieren, zögerte ich nicht lange.

Am Thermomix scheiden sich die Geister. Zwar steht so ein Geräte in fast jeder Gastroküche (Profis schwören vor allem auf den unverwüstlichen Motor), Hobby-Köchen ist der Alleskönner jedoch meist zu teuer und einige bemängeln die Konsistenz und das einheitliche Aussehen der Topfgerichte. Gleichzeitig hat der Thermomix eine glühende Anhängerschaft, die ihren Küchenhelfer nie mehr hergeben würden.

Wo liegt die Wahrheit? Für wen ist das Topmodel TM6 geeignet und für wen lohnt sich die kostspielige Anschaffung nicht? 20 Minuten hat das Gerät eine Woche lang einem Praxistest unterzogen.

Montag

Zu Beginn bin ich etwas skeptisch. Mein erstes Rezept: Poulet mit warmem Kartoffelsalat – und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das alles in einem Gerät gekocht werden soll. Der Thermomix führt mich mit dem eingebauten Bildschirm Schritt für Schritt durch das Rezept, absolut Idiotensicher.

Durch mein Zögern hat sich das Rezept aber dann doch in die Länge gezogen – und ich war am Ende so hungrig, ich habe es versäumt, ein Foto vom Ergebnis zu machen. Mein Gericht sah aber ziemlich genau so aus, wie das auf dem Foto in der App.

Dienstag

Heute gibts griechischen Eintopf. Das ist irgendwas mit Reis, Schweinefleisch und viel Paprika und Tomaten. Hier ein erster Bedienungsfehler meinerseits: Beim Reis fülle ich zu wenig Wasser in den Thermomix, nach dem Kochen ist die oberste Schicht Reis noch sehr bissfest. Das Fleisch klappt aber wunderbar. Es riecht sogar so gut, dass ich es erneut verschlungen habe, noch bevor ich die Kamera zücken konnte – für eine gute Foodbloggerin bin ich einfach zu hungrig.

Mittwoch

Es ist ungefähr 35 Grad heiss draussen und mir ist heute wirklich nicht nach kochen. Nach einigem Stöbern in der App finde ich mein heutiges Projekt: Melonen-Gonfi aus Charentais-Melonen.

Das ist einfach und geht sehr schnell. Einziger Wermutstropfen: Ich habe den Tipp aus der App ignoriert, der empfiehlt, eine Gelierprobe zu machen – um zu sehen, ob die Gonfi auch fest wird oder ob es noch mehr Zucker braucht. Ich habe nicht nur diesen Schritt übersprungen, sondern war auch beim Mischverhältnis etwas zu grosszügig mit den Melonen – entsprechend ist meine Melonengonfi jetzt ein kleines bisschen flüssig.

Donnerstag

Es ist noch immer 35 Grad heiss, aber heute gibt es etwas Kaltes zum Znacht, etwas, was ich wohl nicht mal ausprobiert hätte, wenn ich es nicht in der Showküche in Wallisellen schon hätte probieren können: Rohkost-Salat. Ja, das klingt erst mal ein bisschen langweilig. Aber glaub mir, dieser Salat war mit Abstand das Beste, was ich in diesem Gerät produziert habe. Der Zeitaufwand ist um ein Vielfaches kleiner als ohne den Thermomix und jeder, der den Salat probiert hat, war begeistert.

Hier fällt speziell auf, wie durchdacht die Rezepte sind. Ich habe beim ersten Mal vergessen, ein Foto zu machen (ihr merkt, es zieht sich durch) und habe beim zweiten Mal das Gemüse für das Foto hübsch angeordnet statt es in der Reihenfolge aus dem Rezept in den Topf zu füllen. Und siehe da: Ohne die Rezept-Reihenfolge ist das Gemüse viel weniger gleichmässig gehäckselt.

Freitag

Yay, Freitag! Wochenende! Heute probieren wir mal was mit Alkohol. Was diese Küchenmaschine nämlich auch noch von diversen anderen Mixern unterscheidet, ist die Kraft der Messer: Der Thermomix kann aus Eiswürfeln diese Slushee-Konsistenz (sehr feines Crushed Ice, fast schon sorbetmässig) zaubern. Zusammen mit ein paar gefrorenen Erdbeeren, Erdbeer- und Zuckersirup und ein bisschen Bacardi produziere ich so in unter einer Minute (!) Frozen Daiquiris. Die Gäste freuts.

Samstag

Es ist zwar noch immer warm draussen, aber wenigstens hat es ein bisschen geregnet. Grund genug, ein Herbstmenü zu kochen: Heute gibt es Kürbis-Curry-Suppe. Und glaub mir, in den Sommerferien irgendwo einen Kürbis aufzutreiben, ist gar nicht so einfach, aber mein Magen will, was mein Magen will. Und heute ist das Kürbis.

Hier noch ein kleines Missgeschick, unabhängig vom Thermomix: In diesem Rezept hat es Chili-Flocken – und ich war Anfang des Jahres in Thailand und habe Gewürze mitgebracht, darunter auch Chili. Nun bin ich ja nicht bescheuert und habe dieses rote Pulver nicht einfach auf gut Glück in den Topf gekippt, nein. Ich habe es probiert. Ganz wenig, ein kleines bisschen Chili-Staub vom Rand der Verpackung. Kurz darauf habe ich ein bisschen geweint, gehustet und anschliessend mehrere grosszügige Schlucke aus dem Milchkarton genommen. Tja.

Die Suppe war für meinen persönlichen Geschmack etwas dünn, geschmacklich aber einwandfrei. Nächstes Mal würde ich das Rezept nach meinem Gusto anpassen und weniger Wasser/mehr Kürbis benutzen.

Sonntag

Die Lust zum Kochen hielt sich an diesem warmen Sonntag erneut in Grenzen. Ein Blick in die App zeigt aber diverse Möglichkeiten für kalte Gerichte und Getränke, darunter auch mein neuester Lieblings-Sommerdrink: Zitronenlimonade. Die Umsetzung? Mega easy: Die Zitronen werden halbiert (ja, nur halbiert) und mit Zucker und Wasser in den Mixtopf gegeben.

Wenige Sekunden gemixt, voilà: Zitronenlimonade. Auch dieses Getränk habe ich nach meiner Testwoche noch zwei- oder dreimal gemacht.

Fazit

Die Alleskönner-Küchenmaschine hält, was sie verspricht: Sie ist schnell und effizient. Was ich schade finde: Die Rezepte sind immer auf vier Personen ausgelegt und lassen sich, aufgrund der eingeplanten Garzeiten, etc., nicht einfach halbieren – ich esse aber oft allein und hatte so immer zu viel.

Mir fehlt beim Thermomix und vergleichbaren Küchengeräten aber meine Lieblingsbeschäftigung beim Kochen: probieren und abschmecken. Grundsätzlich macht das Gerät mal alles allein fertig – dann kann man zwar noch nachwürzen, aber es ist nicht das Gleiche, wie wenn ich meine Gerichte von A bis Z selbst rühre, anbrate und mit viel Liebe würze.

Kauf erst nach Vorführung

Der Thermomix ist nicht im Detailhandel erhältlich. Auf der Website kann eine Vorführung gebucht werden, bei der ein Repräsentant von Thermomix das Gerät vorstellt und die Funktionen zeigt. Anschliessend kannst du die Maschine selbst ausprobieren.

Wenn du den Thermomix dann kaufst, wird er dir direkt nach Hause geliefert. Der Kostenpunkt für das neuste Modell, den TM6, liegt bei 1599 Franken.

Das Fazit

Der Thermomix übernimmt quasi alle Aufgaben in der Küche, ist dabei schnell und einfach zu bedienen. Um mit den Rezepten aus der App den persönlichen Geschmack zu treffen, braucht es aber manchmal mehrere Versuche.

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