Laporte-Nachfolge: Köbi Kölliker ist bereit zu helfen
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Laporte-NachfolgeKöbi Kölliker ist bereit zu helfen

Wer soll Benoit Laporte in Ambri als Trainer und/oder Sportchef ersetzen? Kein Name ist in den letzten Tagen so oft genannt worden wie jener von Köbi Källiker (57). Warum eigentlich?

von
Klaus Zaugg
Wird Köbi Kölliker Trainer bei Ambri-Piotta? (Bild: Keystone)

Wird Köbi Kölliker Trainer bei Ambri-Piotta? (Bild: Keystone)

Seit dem Davoser Beat Rüedi (er führte Ambri als Spielertrainer 1953 erstmals in die NLA) ist kein Deutschweizer in der Leventina je so verehrt worden wie Kölliker. Er ist schon 32, als er 1984 nach Ambri kommt und hat in seiner Karriere schon so viel erreicht und geleistet, wofür andere zwei Sportlerleben benötigen würden. Vom Gewinn der Meisterschaft mit Biel über Meisterehren in Südafrika mit den Swiss Bears Johannesburg und dazu so viele Spiele mit der Nationalmannschaft (213) dass er vorübergehend sogar Rekordinternationaler wird.

Warum wird er der schlaue Verteidiger so populär? Er hat ganz einfach Charisma. Der Routinier spielt oft mit dem zwölf Jahre jüngeren Brenno Celio an der blauen Linie. Köllikers Kraft, Übersicht, und Geduld, mit der Unbekümmertheit und Kreativität der Jugend gepaart. Ein Duo wie das Leben selbst. In der Leventina pflegen die Einheimischen, die «Köbi» als «Padrino» verehren, den Lauf des Mondes mit dem Spielplan zu vergleichen. Kölliker, so flüstern sie ehrfürchtig, könne bei Vollmond einfach nicht gut spielen. Ein Hockeygott kann nur durch überirdische Einflüsse in eine Formkrise geraten.

Kölliker ein Biancoblu

Fünf Jahre verteidigt Kölliker für Ambri, von 1984 bis 1989. 196 Spiele, 41 Tore, 119 Assists. Er ist eine Schlüsselfigur bei der Rückkehr in die NLA und der Etablierung in der höchsten Spielklasse. Noch heute wird er zu den Treffen der weisen Männer von Ambri eingeladen.

Es ist also kein Wunder, dass Köllikers Name in Zeiten der Krise immer und immer wieder genannt wird. Schliesslich ist er zurzeit ohne geregelte Arbeit. Beim Schweizerischen Eishockeyverband ist er das Opfer eines Neuanfangs geworden: Wie alle, die den Stallgeruch von Ralph Krueger in den Kleidern haben, Kölliker war 13 Jahre lang Kruegers Assistent, später auch erfolgreicher U 20-Nationaltrainer.

Die Frage ist geht deshalb an die Beteiligten, ob konkrete Gespräche geführt werden. Sowohl Ambris Manager Jean-Jacques Aeschlimann als auch Kölliker verneinen. Immerhin räumt «Köbi» gegenüber 20 Minuten Online ein: «Wenn ich gefragt werden, dann bin ich interessiert.» Er ist also bereit, Ambri zu helfen und dementiert auch nicht, dass er in den letzten Wochen hin und wieder mit Aeschlimann gesprochen hat. «Nicht über einen Job. Sondern über das, was man sich halt so unterhält im Eishockey...»

Das Vertrauen der Fans

Wäre Kölliker überhaupt für ein Amt in Ambri geeignet? Als Cheftrainer und Sportchef in Personalunion hat er zuletzt die SCL Tigers 1998 in die NLA geführt und dann in der ersten Saison in der Ligaqualifikation der höchsten Spielklasse gehalten. Er holte dann Bengt-Ake Gustafsson als Trainer nach Langnau und war in der ersten Saison des Schweden Sportchef (1999/2000) ehe er als Verantwortlicher für die U 20-Nationalmannschaft zum Verband wechselte.

Köbi Kölliker als Trainer in Ambri? Er hätte in einer ersten Phase zumindest einmal alle Ambri-Anhänger hinter sich und wenn es Niederlagen absetzt, so würde wohl wieder der Spielplan mit dem Mondkalender verglichen. Aber ein «Himmelfahrtskommando» wäre der Trainerjob trotzdem.

Doch eher ein Sportchef?

Eher eignet sich der Seeländer für das Amt eines Sportchefs. Er hat Beziehungen in die hintersten Winkel der Eishockeywelt, er spricht italienisch und mit ihm hätte Ambri endlich wieder einen Botschafter, der in der Leventina und in der gesamten Hockeyschweiz respektiert wird und nie für Lugano gespielt oder gearbeitet hat. Es wäre nicht die schlechteste aller Lösungen, wenn Ambri Kölliker aus dem Himmel der Legenden an die Bande oder den Schreibtisch herunterholen würde.

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