Aktualisiert 08.09.2009 15:58

DeutschlandKöhler weiht Bundeswehr-Denkmal ein

Bundespräsident Horst Köhler hat das Ehrenmal der Bundeswehr eingeweiht. Das Ehrenmal sei eine Stätte der Trauer und des Gedenkens, des Dankes und der Erinnerung an «diejenigen, die im Dienst für unser Land ihr Leben gegeben haben».

Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, das Ehrenmal rufe ins Bewusstsein, wofür der Dienst der Bundeswehr stehe. Die Gedenkstätte trägt die Inschrift «Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit».

Seit Gründung der Bundeswehr 1955 kamen 3.100 Soldaten und zivile Angehörige im Dienst ums Leben. Allein 78 Soldaten starben im Auslandseinsatz. Köhler erinnerte daran, dass die Bundeswehr sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu einer Armee im Einsatz gewandelt hat.

Köhler betonte, das Ehrenmal mute den politisch Verantwortlichen zu, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass ihre Entscheidungen Menschenleben kosten können. Welch schwierige Entscheidungen dies dem Einzelnen bisweilen abverlange, zeigten die jüngsten Nachrichten aus Afghanistan. «So sehr wir erwarten, dass die Ereignisse der vergangenen Woche aufgeklärt werden, so sehr wenden wir uns auch gegen Vorverurteilungen.»

Die Bundeswehr hatte die Bombardierung von zwei Tanklastzügen angeordnet, die zuvor von Taliban gekapert worden waren. Dabei sind nach NATO-Angaben auch Zivilisten ums Leben gekommen. «Wir trauern um jeden Menschen, der in Afghanistan unschuldig zu Tode kommt», sagte Köhler. Die Luftangriffe waren im In- und Ausland scharf kritisiert worden.

Die deutsche Gesellschaft tue sich schwer mit dem Gedanken an Tod, sagte der Bundespräsident. «Deshalb mutet dieses Denkmal uns etwas zu.» Aber «alle, die in diesem Dienst ums Leben gekommen sind, haben es verdient, dass wir ihnen ein ehrendes Gedenken bewahren». Köhler unterstrich, dass das Ehrenmal den Soldatentod nicht propagandistisch überhöhe. Es «treibt keine falsche Heldenverehrung, es dient keinem Opferkult, und es verherrlicht keinen Krieg.» Die Deutschen hätten aus ihrer Geschichte auch gelernt, dass die Menschenrechte zum Handeln verpflichteten.

Auf Initiative Jungs errichtet

Köhler dankte Verteidigungsminister Franz Josef Jung dafür, dass dieser 2005 die Initiative zur Errichtung der Gedenkstätte ergriffen habe. Jung sagte: «Die Toten unserer Bundeswehr sind nicht anonym.» Hinter jedem Namen verberge sich ein persönliches Schicksal. «Wir nennen ihre Namen und zeigen damit, dass wir niemanden vergessen wollen.» Das Ehrenmal rufe ins Bewusstsein, wofür der Dienst der Bundeswehr stehe. «Und es macht uns klar, dass wir für die Verteidigung unserer Werte bisweilen einen hohen Preis zahlen müssen.»

Mit dem Bau des Ehrenmals, das von dem Münchener Architekten Andreas Meck entworfen wurde, war im Herbst vergangenen Jahres begonnen worden. Kern des quaderförmigen Baus ist der in Schwarz gehaltene «Raum der Stille» im Inneren. Die Kosten für das Projekt liegen bei vier Millionen Euro.

Streit um den Ort

Es steht im Bendlerblock, dem Sitz des Verteidigungsministeriums in Berlin. Um den Ort hatte es Streit gegeben: Die FDP hatte gefordert, das Denkmal am Bundestag zu errichten, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Der Verteidigungsexperte der Union, Bernd Siebert, nannte das Ministerium hingegen den richtigen Ort für die Gedenkstätte.

Für die Linksfraktion erklärte die Abgeordnete Inge Höger: «Das Ehrenmal ist ein Ausdruck davon, dass in Deutschland eine neue Kriegermentalität etabliert wird.» Statt Krieg als Mittel der Politik auszuschliessen, werde die Militarisierung der Gesellschaft vorangetrieben. (dapd)

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