Saudiarabien: König entlässt «einige schwache Seelen»
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SaudiarabienKönig entlässt «einige schwache Seelen»

Im Kampf gegen Korruption greift der saudische Monarch Salman hart durch.

von
roy
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König Salman trennt sich von zahlreichen Ministern: Der Monarch bei einem Treffen mit US-Aussenminister Rex Tillerson. (22. Oktober 2017)

König Salman trennt sich von zahlreichen Ministern: Der Monarch bei einem Treffen mit US-Aussenminister Rex Tillerson. (22. Oktober 2017)

Keystone/Alex Brandon/AP
Als treibende Kraft hinter den Personalentscheidungen gilt Kronprinz Mohammed bin Salman. Er hat einen Modernisierungsprozess im Land angekündigt.

Als treibende Kraft hinter den Personalentscheidungen gilt Kronprinz Mohammed bin Salman. Er hat einen Modernisierungsprozess im Land angekündigt.

Keystone/Yuri Kochetkov
So wird Frauen das Autofahren erlaubt und ...

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Keystone/STR

In Saudiarabien haben in der Nacht zum Sonntag zahlreiche Prinzen, Minister und ranghohe Militärs ihre Posten verloren. Der überwiegende Teil der Würdenträger wurde auf Anordnung von König Salman entlassen.

Unter anderem wurden der Minister für die Nationalgarde, Prinz Moteib bin Abdullah, Wirtschaftsminister Adel al-Fakieh und der Kommandeur der Marine, Abdullah al-Sultan, von ihren Aufgaben entbunden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Samstagabend.

Kronprinz als treibende Kraft

In einer offiziellen Erklärung hiess es, «einige schwache Seelen» hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, «um illegal Gelder anzuhäufen». Zugleich wurde offiziell ein Anti-Korruptions-Komitee unter der Führung von Kronprinz Mohammed bin Salman ins Leben gerufen.

Der Kronprinz, der erst vor wenigen Monaten von seinem Vater Salman zum Thronfolger ernannt wurde, gilt als treibende Kraft hinter den Personalentscheidungen in der Monarchie.

Neue Gangart

Der arabische Nachrichtenkanal al-Arabiya berichtete derweil, dass elf Prinzen, vier amtierende Minister sowie mehrere Dutzend ehemalige Minister festgenommen worden seien. Dies sei auf Anordnung des Anti-Korruptions-Komitees geschehen.

Unter den Festgenommenen soll auch der Milliardär Prinz Al-Walid bin Talal sein, der ein weltweites Geschäftsimperium führt. Bereits im September hatten die Behörden des Königreichs rund zwei dutzend Personen festgenommen – darunter einflussreiche Geistliche.

Der neue Kronprinz hatte Ende Oktober bei einem Wirtschaftsforum eine Abkehr seines Landes von ultrakonservativen Religionsprinzipien in Aussicht gestellt und eine Modernisierung des Staatsapparats propagiert.

Verschmähter Lieblingssohn

Neuer Minister der Nationalgarde wurde Chaled bin Ajjaf, der Prinz Moteib ersetzte. Dieser war der Lieblingssohn des verstorbenen Königs Abdullah. Lange galt er als führender Anwärter auf den Thron. Prinz Moteib war der letzte Vertreter des Abdullah-Zweigs der königlichen Familie, der noch einen höheren Posten in Saudi-Arabiens Machtgefüge innehatte. Wirtschaftsminister Fakieh wurde durch seinen Stellvertreter Mohammed al-Tuwaidschri ersetzt. (roy/sda)

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