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Bootsplatz-PosseKönig Felix von Arbon

Es war einmal ein junger Promi namens Felix Baumgartner, der seine Heimat verliess, weil ihn der Amtsadel nicht mehr beschützte. In Arbon kann er sich auf seine Sonderrechte verlassen.

Philipp Dahm
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Philipp Dahm

Es war einmal ein kleiner Prinz aus Österreich, der sich als tapferer Tausendsassa auf Turnieren einen Namen machte. Im ganzen Land sprach das Volk voll Ehrfurcht über den «furchtlosen Felix» – auch über die Grenzen seiner Heimat hinaus war der Baumgartner ein Begriff, seit er die Grenzen der Schwerkraft neu ausgelotet hatte.

Doch eines Tages muss der kühne Recke sein Land verlassen. «Ich bin vertrieben worden. Ich habe alles aufgeben müssen», klagt der verlorene Sohn gegenüber der «Krone»-Zeitung. Kostbares liess er zurück – «eine Sekretärin, ein Haus, einen Hubschrauber».

«Aufräumen, und zwar rigoros»

Die Beamten seines Königs wollten seine Ritterspielchen nicht als Sportart anerkennen. Doch der Schatzmeister des Regenten pfiff die emsigen Steuereintreiber zurück. Doch dann wurde der Finanzstaatssekretär abberufen. «Damit war die schützende Hand wieder weg», so Flüchtling Felix. Deshalb habe er sein Ross gesattelt und sei der Eidgenossenschaft entgegengeritten, wo sein Wesen und Wirken noch geschätzt wird. «Ich finde es eine Frechheit mir gegenüber, denn ich habe sehr viel Ansehen für Österreich gebracht.»

Baumgartners Sprung aus der Stratosphäre

Heute würde er der Bürokratie deshalb am liebsten die Hände binden. «Strukturen abbauen, Dinge vereinfachen, diesen ganzen trägen Apparat, der uns so viel Geld kostet, abbauen, und zwar rigoros, ohne Wenn und Aber.» Nur so könne der «Diebstahl am Volk» beendet werden, wettert Felix. In Arbon soll nun alles anders werden.

Heldenhafter Empfang für «Stratos-Skydiver»

Was war vorher – Jacht oder Bootsplatz?

Dort will der kleine Prinz einen Bootsplatz mieten. Das dauert normalerweise fast zwei Jahre, doch der Edelmann aus Österreich musste nur gut ein Jahr warten. «Das Boot von Felix Baumgartner hat genau in einen der freien Plätze hineingepasst», erklärte Rita Fischer im «St. Galler Tagblatt». «Die restlichen Boote auf der Warteliste waren entweder zu gross oder zu klein.»

Komisch nur, dass Baumgartner der «NZZ am Sonntag» die Sachlage genau andersrum geschildert hat. «Ich habe gerade meinen Bootsplatz bekommen. Jetzt will ich einen Kahn kaufen. Keine 60-Meter-Jacht. Aber drei Familien sollten schon Platz haben.» Ja, was war denn nun zuerst? Der Platz oder das Boot? Möglicherweise hat der kleine Prinz bei Frau Fischer seinen königlichen Charme spielen lassen.

«Gewettert wird nur, wenn einer viel verdient»

Mit Blaublütern muss man nachsichtig sein. Auch beim bayrischen Erzherzog, der kürzlich aufflog, als er einige Goldtalerchen am König vorbeischmuggeln wollte. Baumgartner in der «NZZ am Sonntag» über Uli Hoeness: «Wir wollen doch alle Geld sparen, so schlimm ist das nicht. Schlimmer ist, wie das aufgebauscht wird. Da können Politiker Steuermillionen verschwenden, gewettert wird aber nur, wenn jemand viel verdient.»

Schade, dass die Eidgenossenschaft eine Machtergreifung des Adels stets verunmöglicht hat. Dank des kleinen Prinzen aus Österreich strahlt nun ein wenig von dem Glanz der Oberen Zehntausend auf uns herab. Vielleicht sollten die hiesigen Behörden auch dann fünf gerade sein lassen, wenn der berühmte Süsswassermatrose einen zweiten Bootsplatz beantragt. Nicht, dass der kostbare Baumgartner wieder zurück in die Heimat reitet.

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