06.11.2020 18:17

Nerze in DänemarkKönnen auch Tiere hierzulande Corona übertragen?

Die dänische Regierung will Millionen von Nerzen töten, die Menschen ansteckten. Virologe Christian Griot erklärt, weshalb Schweizer Marder aber wohl nicht zu Superspreadern werden.

von
Michelle Muff
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Tote Nerze im Süden von Jutland, Dänemark: Die Behörden reagieren, nachdem über 200 Personen sich mit einem Nerz-Coronavirus ansteckten.

Tote Nerze im Süden von Jutland, Dänemark: Die Behörden reagieren, nachdem über 200 Personen sich mit einem Nerz-Coronavirus ansteckten.

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Nerzbauer Thorbjoern Jepsen in seiner Nerzfarm im dänischen Gjoel.

Nerzbauer Thorbjoern Jepsen in seiner Nerzfarm im dänischen Gjoel.

KEYSTONE
Jepsen hat sich geweigert, seine Tiere dem Tode auszuliefern. 

Jepsen hat sich geweigert, seine Tiere dem Tode auszuliefern.

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Darum gehts

  • In Dänemark wurde ein mutiertes Coronavirus bei Nerzen entdeckt.

  • Im Land gibt es derzeit 15 bis 17 Millionen Nerze, diese sollen nun getötet werden.

  • In der Schweiz sind Nutztiere nicht empfänglich für das Virus.

  • Die Umstände in den Zuchtbetrieben seien zudem komplett anders als hierzulande in freier Natur.

Der weltweit grösste Produzent von Nerzfellen tötet alle seine Tiere: Die rund 15 Millionen Nerze Dänemarks sollen laut den Behörden sterben, nachdem sich über 200 Personen durch sie mit einem mutierten Coronavirus angesteckt haben.

Die Behörden fürchten, dies könne dazu führen, dass das mutierte Coronavirus die Wirkung eines künftigen Impfstoffes beeinflusse, da es allenfalls widerständiger gegenüber Antikörpern sei. «Es liegt in der Natur der Sache, dass Mutationen stattfinden. Ob sie dann immer für den Menschen gefährlich sind, ist eine andere Frage», sagt Virologe Christian Griot. «Die Mutation, die in Dänemark festgestellt wurde, deutet darauf hin, dass das Virus sich leichter übertragen lässt, aber nicht, dass es per se gefährlicher ist.»

«Hochempfindlich für das Virus»

Aber kann das Virus auch auf andere Tiere hierzulande übergreifen? Schliesslich sind Nerze den in der Schweiz lebenden Mardern nicht unähnlich. Griot beruhigt: Ein Zuchtbetrieb mit Nerzen bestehe aus rund 10’000 Tieren pro Betrieb – und sei deshalb nicht mit wild lebenden Mardern, Iltissen oder ähnlichen Tieren in der Schweiz vergleichbar, sagt der Leiter des Instituts für Virologie und Immunologie (IVI). Und: «Die Ansteckung in den Nerzbetrieben ist bisher IMMER durch Covid-positive Personen erfolgt», sagt der Virologe. Dies sei insofern nicht erstaunlich, da die Tiere hochempfänglich für das Virus seien – ganz im Gegensatz zu Nutztieren wie Schafen, Kühen und Hühnern.

Experten mahnen beim dänischen Fall grundsätzlich zur Zurückhaltung: Eine verringerte Reaktion auf Antikörper müsse nicht bedeuten, dass eine Impfung weniger wirksam sei, schreibt Emma Hodcroft, Virologin an der Universität Basel via Twitter. Bislang sei noch nichts wissenschaftlich bestätigt und «unklar, wie beunruhigend das ist». Zudem wird Dänemark auf Twitter von Fachpersonen kritisiert: Seit Monaten sitze das Land auf Infos über die Ansteckungen und habe diese nicht international geteilt, um daran forschen zu können.

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752 Kommentare
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Na klar

07.11.2020, 18:32

Klar können Tiere auch hierzulande Viren übertragen. Aber Marderkuscheln gehört ja nun nicht zu den verbreiteten Hobbies. Bei Wildtiern galt schon seit jeher Nicht anfassen, weiss doch jedes Kind.

Warum nicht Hunden und Katzen testen

07.11.2020, 18:20

Nach dem grotesken Versagen des Contact Tracings müssen die Tests wohl anderweitig Verwendung finden scheint es. Bald werden wohl noch Hunde und Katzen getestet. Diese ungezielten Massnahmen, zu denen auch Scheinmassnahmen wie Stoffmasken (statt N95 für Risikogruppen) müssen sofort gestoppt werden.

Amythis

07.11.2020, 17:32

Liverpool hat seit gestern nach Slowakei auch mit Massentest begonnen, um möglichst viele und am besten alle Einwohner in der Stadt zu testen. Die anderen Städte in UK folgen nach. Wir in der Schweiz haben leider nicht solch starke mediziniesche Mobilisierungsfähigkeit wie in anderen europäischen Ländern und muss nun wohl mit einem neuen Lockdown und einer Konkurs- und Entlassungswelle rechnen.