St. Gallen: «Können die nicht richtig parkieren, oder was?»

Aktualisiert

St. Gallen«Können die nicht richtig parkieren, oder was?»

Verschwendete blaue Zone: Das sieht ein Leser-Reporter in St. Gallen regelmässig. Für ihn ist klar: «Das liegt auch daran, dass die Leute immer egoistischer werden.»

von
taw
So findet ein Leser-Reporter die Flurhofstrasse in St. Gallen regelmässig vor.

So findet ein Leser-Reporter die Flurhofstrasse in St. Gallen regelmässig vor.

Leser-Reporter

«Was denken sich gewisse Leute bloss? Das ist einfach mühsam und unnötig», so ein Leser-Reporter gegenüber 20 Minuten. Als er am Dienstagmorgen vergangener Woche gegen 8.30 Uhr der Flurhofstrasse in St. Gallen entlang fährt, bietet sich ihm ein schon fast gewohntes Bild. Die ganze Strasse ist erweiterte blaue Zone und wieder stehen einzelne Autos so weit auseinander, dass keine weiteren parkieren können. Würden sie näher zusammenstehen, hätte locker noch mindestens ein Auto mehr Platz. «So extrem wie am Dienstag war es noch nie.»

Laut dem Leser-Reporter hat es in der Gegend ohnehin zu wenig Parkplätze, weil die Berufsschule und diverse Firmen in der Nähe sind. Umso weniger könne er das Verhalten der Autofahrer nachvollziehen. Es sei ihm auch schon selbst passiert, dass er deswegen keinen Parkplatz mehr fand.

Polizei sind die Hände gebunden

Die Stadtpolizei St. Gallen kennt das Problem. «Solange ein Lenker sein Auto korrekt innerhalb der blauen Zone abgestellt hat, kann die Polizei ihn aber nicht büssen», sagt Sprecher Dionys Widmer. Es stehe zwar in der Verkehrsordnung Art. 19. Abs. 4, dass platzsparend parkiert werden müsse und man bei einem Verstoss Anzeige erstatten könnte. Allerdings sei dies in der Praxis sehr schwierig nachzuweisen. «Man müsste quasi dabei stehen und dem Lenker zusehen, um ihm eine Absicht unterstellen zu können», sagt Widmer. Schwierig sei es auch, weil unterschiedlich grosse Autos unterschiedlich grosse Lücken hinterlassen.

Warum unterteilt die Polizei die blaue Zone nicht einfach in fixe Parkplätze? Laut Widmer will die Polizei nicht mehr reglementieren als nötig. Eine Unterteilung sei für den Autofahrer auch eine gewisse Einschränkung. Da es unterschiedlich grosse Autos gebe, hätten ohne fixe Parkplätze teilweise sogar mehr Autos Platz.

Allgemeiner Trend?

In Parkgaragen sieht man ab und an die Situation, dass ein Auto in der Mitte von zwei Parkplätzen abgestellt wird. Weil Parkgaragen meist privat sind, müsste der Eigentümer Anzeige erstatten. Der Polizei sind die Hände gebunden. Nur bei öffentlichen Parkplätzen kann die Polizei büssen. Doch auch wenn sich hier die Situation zeigt, dass ein Auto zwei Parkplätze in Beschlag nimmt, ist der Nachweis, dass es mutwillig war, laut Polizei schwierig. «Es müsste offensichtlich sein. Bei einer Aneinanderreihung wüsste man wieder nicht, wer sein Auto zuerst falsch parkiert hat», so Widmer. Bei offensichtlichem Falschparkieren wäre eine Ordnungsbusse in Höhe von 40 Franken die Konsequenz.

Für den Leser-Reporter ist das verschwenderische Parkieren auch ein Symbol dafür, dass die Gesellschaft immer egoistischer wird. «Jeder schaut nur noch für sich, das war früher noch anders», so der Leser-Reporter. «Oder haben die Leute schlicht das Einparkieren verlernt?»

Deine Meinung