Bildung: Können Kinder richtig googeln?
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BildungKönnen Kinder richtig googeln?

Schweizer Schüler sind mit dem Web aufgewachsen und googeln, was das Zeug hält. Doch erhalten sie dafür das nötige Rüstzeug an der Schule? Wird auch ein sinnvoller Umgang mit neuen Technologien vermittelt?

von
Sandro Spaeth

An Deutschlands Schulen können die Kinder nicht mit dem Internet umgehen. Die Lehrer sind ausserstande, die Jugendlichen im sinnvollen Gebrauch von Computern zu unterrichten. Das meldet das Onlineportal «FAZ.NET». Onlinebibliotheken machen heute unzählige Informationen per Mausklick zugänglich und sorgen dafür, dass sich das klassische Lernen verändert hat. Es wird seltener stur auswendig gelernt, dafür umso mehr im Internet recherchiert. Ist es nun Aufgabe der Schule, den richtigen Umgang mit dem weltweiten Datennetz zu vermitteln oder dient die frühe Ausbildung hauptsächlich den Interessen der Wirtschaft?

Fehlende Sachkenntnis

Hauptproblem der Informationsflut im Netz ist die unterschiedliche Relevanz der Daten. Oft wird gefundenes Material ungefiltert weiterverwendet. Die Schüler sollten richtig gewichten können, wofür ihnen aber oft die Sachkenntnis fehlt. Dass die Schweizer Jugendlichen im Umgang mit neuen Medien an den Schulen bestens ausgebildet werden, darf bezweifelt werden. Laut Beat Zemp, dem Präsidenten des Dachverbandes Schweizer Lehrer (LCH), wurden bis jetzt erst alle Lehrerausbildner instruiert. «Von den 100'000 Lehrerinnen und Lehrern im Land sind noch nicht alle genügend ausgebildet.»

Keine Präsentationswut

An den Schweizer Schulen wird der Computer sehr unterschiedlich genutzt. Er dient der Recherche, wird für computergestützte Lernprogramme eingesetzt oder findet als Präsentationsmittel Verwendung. Von einer an Schulen vorhandenen Präsentationswut will Zemp aber nicht sprechen. «Die modernen Techniken sind heute weit verbreitet und Lernziel an den Schweizer Schulen. Die Jugendlichen üben damit umzugehen.» Zemp ist es wichtig zu betonen, dass elektronische Präsentationen nicht immer die beste Variante sind. «Manchmal ist ein Rollenspiel sinnvoller.»

Infos prüfen

«Lehrer sind nicht mehr die Quelle allen Wissens, sondern das Internet», sagt der Buchautor Don Tapscott (Wikinomics – die Revolution im Netz). Für Abschlussarbeiten suchen Studenten die Informationen heute vorwiegend im Netz zusammen. Es wird munter kopiert und eingesetzt, teilweise gar unter Verletzung des Urheberrechts. Dort ortet Zemp ein Problem. «Das Validieren und Verifizieren von Informationen muss gelernt sein. Bei Maturitätsschulen ist dies ein grosses Thema». Abschluss- und Diplomarbeiten müssen heute oft auch in elektronischer Form abgegeben werden, damit sie mit einem Computerprogramm auf Plagiatsverdacht überprüft werden können.

Kostenloser Zugang

Ein schneller Internetanschluss gehört – in der Schule, am Arbeitsplatz und zuhause - schon fast zur «Lebensqualität». «Schulen ans Internet», so lautet der Name eines Projekts der «Swisscom», wofür seit 2001 rund 250 Millionen Franken ausgegeben wurden. Ende 2008 erhielt die 5661. Schule einen kostenlosen Netzzugang. Natürlich verfolgt «Swisscom» eine nicht ganz uneigennützige Strategie, denn am Internet ausgebildete Schüler werden auch von zuhause aus im Web surfen. Die Nachfrage nach immer schnelleren Breitbandanschlüssen dürfte also weiterhin anhalten. Etwas anders sieht dies die «Swisscom». «Wir verstehen uns als Schweizer Unternehmen, das mit diesem Land aufs Engste verbunden ist. Dieses Engagement erachten wir als Investition in die Bildungslandschaft und den Wirtschaftsstandort Schweiz», sagt Mediensprecherin Myrjam Ziesack.

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