Zehn Antworten: Können mit dem «Corona-Pass» nur Geimpfte verreisen?
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Zehn AntwortenKönnen mit dem «Corona-Pass» nur Geimpfte verreisen?

Alle sprechen vom Grünen Pass, dem Corona-Impfausweis. Er soll uns nach dem harten Jahr wieder mehr Freiheiten geben. Hier findet ihr die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Der Bund arbeitet an einem Impfausweis.

Fast ein Jahr im Homeoffice, Ferien auf Balkonien, furchtbar wenig soziale Kontakte – im weltweiten Corona-Ausnahmezustand ist die Sehnsucht nach Reisefreiheit riesig. Jetzt hat die EU Details zu einem europäischen Impfpass präsentiert.

Um was geht es?

Der «Digitale Grüne Nachweis» soll sichere Ferienreisen vor allem innerhalb der EU ermöglichen. Der Name lehnt sich dabei an den «Grünen Pass» Israels an, der bereits Eingang im Alltag gefunden hat. Mit dem Ausweis will die EU-Kommission nicht nur dem generellen Reise-Bedürfnis der Leute entgegenkommen, sondern auch die Sommersaison für den Tourismus retten. Das Projekt soll zum 1. Juni fertig sein. Da die EU-Länder ihre technischen Lösungen kompatibel machen müssen, ist das Ziel, auch andere Systeme so zu entwickeln, dass sie miteinander kompatibel sind.

Was soll der Impfpass alles ermöglichen?

In erster Linie soll das Reisen in Europa wieder möglich gemacht und erleichtert werden: Quarantänevorschriften sollen aufgehoben und das Check-in an den Flughäfen erleichtert werden. Allerdings spricht sich Deutschland gegen Erleichterungen für Geimpfte aus, solange noch wenige Menschen Chancen auf die schützende Impfung haben. Griechenland, Spanien und andere Urlaubsländer hingegen drängen darauf, Reiseerleichterungen mit einem solchen Dokument zu verbinden.

Abgesehen vom übergeordneten Ziel des erleichterten Reisens soll jeder EU-Staat selbst entscheiden, was das Impf-Zertifikat sonst noch ermöglichen könnte – etwa, ob sein Vorweisen bei Sportanlässen, Restaurant- oder Konzertbesuchen obligatorisch sein wird. In der Schweiz ist man daran, dafür die Rechtsgrundlagen zu schaffen.

Wer soll den Pass erhalten?

Alle, denen ein von der EU zugelassenes Vakzin verabreicht wurde. Ob auch andere Impfstoffe wie der russische Sputnik V oder der chinesische Sinovac anerkannt werden, entscheiden die Staaten selbst.

Würden Schweizer den EU-Impfpass auch kriegen?

Ja, dieses Angebot hat die EU der Schweiz gemacht – unter der Bedingung, dass die Schweiz ihrerseits alle EU-Zertifikate akzeptiert. Noch hat der Bundesrat nicht entschieden, ob die Schweiz an Bord ist.

Was soll im Pass erfasst werden?

Die Impfung – aber auch eine überstandene Corona-Infektion sowie negative Testergebnisse. Persönliche Informationen wie Gesundheitsdaten des Passträgers bleiben beim Aussteller. Auch die Daten auf dem Impfpass selbst dürfen nur in dem Land gespeichert werden, das ihn ausstellt. An dem Zertifikat kann sich aber auch noch etwas ändern. Etwa dann, wenn etwa ein Impfstoff nicht mehr vor einer Mutationsvariante schützen sollte.

Können nur Geimpfte verreisen?

Nein. Die EU will verhindern, dass ungeimpfte Reisende diskriminiert werden. Deswegen sollen auf dem Grünen Impfpass auch negative Testergebnisse und überstandene Corona-Erkrankungen (mit Antikörpern) festgehalten werden.

Was kostet ein solcher Ausweis?

Jeder EU-Bürger soll das Zertifikat kostenlos erhalten können. Es soll abgeschafft werden, sobald die Weltgesundheitsorganisation WHO die Corona-Pandemie für beendet erklärt hat. Ausgegeben werden soll der Ausweis laut EU möglichst breitflächig, etwa in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Testzentren.

Brauche ich für den digitalen EU-Impfnachweis ein Handy?

Nein. Die Bescheinigung soll es auch auf Papier geben. Entscheidend ist dabei der QR-Code, der Daten wie Name, Geburtsdatum, Impfstoff, Datum der Impfung, Negativtest bzw. Positivtest für Corona-Genesene enthält.

Was ist mit Fälschungen?

In der Schweiz gibt es schon jetzt Betrüger, die mit gefälschten Corona-Impfpässen Geld machen wollen, ohne dass solche überhaupt existieren. Um Fälschern zuvorzukommen, soll der «Digitale Grüne Nachweis» der EU mit einem maschinenlesbaren Barcode wie dem QR-Code versehen sein, der neben den relevanten Daten auch eine digitale Signatur enthält. Grundsätzlich gibt es etliche Lösungen auf dem Markt, die das Fälschen der Impfdaten praktisch verunmöglichen. So heisst es vom BAG denn auch: «Gegenwärtig laufen intensive Abklärungen, welche technischen Lösungsansätze für einen anerkannten und fälschungssicheren Impfnachweis Erfolg versprechen».

Ist das alles überhaupt realistisch?

Naja – theoretisch schon. Nur lassen ähnliche Projekte wenig Gutes ahnen: Eine für Ende vergangenes Jahr angekündigte EU-weite Lösung zur Nachverfolgung von Reisebewegungen etwa ist bis heute nicht gekommen. Dabei ging es damals lediglich um sogenannte Aussteigerkarten, also Dokumente, in denen etwa festgehalten wird, wer wann welchen Zug genutzt hat. «Die Gefahr ist gross, dass nicht gut zusammengearbeitet wird», sagt Andrew Bud, dessen Unternehmen iProov das britische Gesundheitssystem mit digitaler Impfpass-Technik unterstützt. Die grösste Herausforderung liege dabei nicht einmal so sehr in der technischen Umsetzung, sondern in den «ethischen, sozialen, politischen und rechtlichen» Fragen, betont Bud. Es müsse zwischen «Grundrechten der Bürger» einerseits und dem «Nutzen für die Gesellschaft» andererseits abgewogen werden.

(gux/DPA)

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