Deutschland machts vor: Können Schnelltests die Quarantäne verkürzen?
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Deutschland machts vorKönnen Schnelltests die Quarantäne verkürzen?

Der Flughafen Zürich prüft, Corona-Schnelltests einzuführen. In Deutschland können diese bereits dazu genutzt werden, um die Quarantäne zu umgehen.

von
Anja Zobrist
Anders als in Deutschland gibt es am Flughafen Zürich noch keine Schnelltests. Dies könnte sich bald ändern. Video: Till Burgherr

Darum gehts

  • Deutschland und Österreich ermöglichen durch Corona-Schnelltests, die Quarantäne zu umgehen.
  • Am Flughafen Zürich kann man freiwillig einen Corona-Test machen.
  • Der Flughafen Zürich prüft nun aber, auch Schnelltests anzubieten.
  • Politiker würden eine verkürzte Quarantänezeit befürworten.

Nach dem Heimflug von Amerika kurz am Flughafen einen Corona-Schnelltest machen, um die Quarantänepflicht zu umgehen: An einigen deutschen und österreichischen Flughäfen ist dies bereits möglich (siehe Box). Ist das Testergebnis negativ, kann man Quarantäne-frei ins Land einreisen.

Die Thematik gewinnt auch in der Schweiz an Relevanz, da der Bundesrat die Quarantäne-Liste jüngst um 15 Länder erweitert hat. In den nächsten Wochen werden damit viele Rückkehrer mit einer Quarantänepflicht konfrontiert.

FDP-Nationalrat Matthias Jauslin schlug deshalb vor, bei Rückkehrern einen obligatorischen Test anzuordnen, unter der Berücksichtigung der Inkubationszeit. Falle dieser negativ aus, solle die Person ohne Quarantäne an den Arbeitsplatz zurückkehren können. Dies sei eine legitime Lösung für all jene, die nun unverschuldet in Quarantäne müssten.

«Priorität hat die Zuverlässigkeit der Tests»

Verena Herzog, SVP-Nationalrätin

Auch für SVP-Nationalrätin Verena Herzog wäre eine verkürzte Quarantänezeit für Rückreisende aus neu dazugekommenen Risikoländern zu begrüssen. Das sei wichtig für «Arbeitgeber und Arbeitnehmer». Doch erste Priorität habe klar, dass die Zuverlässigkeit der Tests gewährleistet sei. Gleicher Meinung ist CVP-Nationalrat Philipp Matthias Bregy. Er begrüsse alles, «was die Quarantäne verkürzt», solange die Sicherheit gewährleistet sei.

Bisher gibt es nur den freiwilligen Test

In der Schweiz gibt es bisher nur einen normalen, freiwilligen Corona-Test am Airport Medical Center des Flughafens Zürich. Jasmin Bodmer, Mediensprecherin des Flughafens Zürich AG, erklärt, weshalb: «Bisher gibt es keine Auflage des Bundes für Corona-Schnelltests.» Der Test kostet 180 Franken. Doch auch wenn dann der Test negativ ausfällt: Reist man aus einem der 42 Risikoländer ein, muss man zehn Tage in Quarantäne. Personen, die aufgrund einer Einreise in ein anderes Land einen Corona-Test brauchen, müssen diesen selbst bezahlen. Derzeit werden täglich 30 bis 80 Tests durchgeführt.

Der Flughafen Zürich will nun aber aufrüsten. Adrian Krähenbühl, ärztlicher Leiter des Airport Medical Center am Flughafen Zürich, sagt, das Airport Medical Center prüfe gerade in Zusammenarbeit mit dem Flughafen Zürich, ebenfalls Schnelltests bereitzustellen.

«Bisher haben wir keinen Anbieter gefunden, der zuverlässige Schnelltests anbietet», erklärt Krähenbühl. Gleich äussert sich auch das Bundesamt für Gesundheit: «Diese Schnelltests sind noch nicht umfassend validiert und geprüft worden und sind zur Individualdiagnostik derzeit nicht geeignet», heisst es auf der Website. Grund dafür sei, dass die Genauigkeit der Tests derzeit noch nicht ausreichend sei. «Zurzeit werden diese Tests nicht empfohlen.»

Zwei Tests, dafür weniger Quarantäne

Marcel Tanner, Mitglied der Covid-19- Expertengruppe, erklärt: «Um sicherzugehen, dass die Tests ihren Zweck erfüllen, müssten sich die Personen direkt nach der Einreise und innerhalb von zwei Tagen nochmals testen lassen.» Dies aufgrund der Inkubationszeit. Das heisst, auch wenn jemand mit dem Virus infiziert sei, könne es sein, dass ein Test negativ ausfalle. Messbar werde es erst, wenn das Sars-CoV-2 im Körper ausbreche. «Auch Deutschland verpasst so einige Infizierte», sagt Tanner. Es sei eine «Risikoabwägung», die jedes Land zu treffen habe.

Schnelltests wären ein «ideales» Mittel im Kampf gegen die Pandemie, sagt Tanner Doch die Test seien erst noch im Validierungsprozess und müssten noch entwickelt werden. Die Quarantäne durch Schnelltests zu ersetzen oder zu kürzen, sei heikel. Sie könnten eine falsche Sicherheit vermitteln. Den Bahn- und Schienenverkehr könne man sowieso kaum kontrollieren. Tanner hofft auf die Selbstverantwortung der Bevölkerung.

Schnelltests in Deutschland und Österreich

Am Flughafen Frankfurt in Deutschland wurden Corona-Testzentren eröffnet. Alle Passagiere können sich dort auf das Coronavirus testen lassen. Innerhalb weniger Stunden wird man darüber informiert, ob man sich angesteckt hat oder nicht. Für ein Testresultat nach zwei bis drei Stunden bezahlt man 139 Euro. Hat man mehr Zeit und wartet fünf bis sechs Stunden, bezahlt man nur 59 Euro. Die Kosten muss der Reisende übernehmen.

Das Gleiche gilt in Österreich. Personen, die derzeit nach Österreich einreisen, müssen bei der Einreise entweder ein Gesundheitszeugnis mit einem negativen Covid-19-Befund vorweisen oder eine 14-tägige Quarantäne antreten. Die Kosten für den Test inklusive Befund betragen 190 Euro. Auch hier muss der Reisende die Kosten tragen.

Falls man ins Ausland reist und wissen möchte, ob man vor Ort einen Schnelltest machen kann, um die Quarantäne zu umgehen, sollte man sich frühzeitig bei den Konsulaten informieren.

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