Mountainbike-Soldat: Können Sie denn salutieren, Nino Schurter?

Aktualisiert

Mountainbike-SoldatKönnen Sie denn salutieren, Nino Schurter?

Mountainbiker Nino Schurter greift an Olympia nach Gold. Nun erklärt der Zeitsoldat, wie viele Freiheiten er geniesst – und wieso er das Geld von der Armee eigentlich gar nicht braucht.

von
Simon Hehli
Nino Schurter will in London Gold holen - auch für seinen Arbeitgeber, die Armee.

Nino Schurter will in London Gold holen - auch für seinen Arbeitgeber, die Armee.

Sie gelten an den Olympischen Spielen in London als eine der grossen Goldhoffnungen für die Schweiz – und sind als Zeitsoldat zu 50 Prozent von der Armee angestellt. Welchen Anteil hätte die Armee am Edelmetall?

Nino Schurter: Einen grossen. Ich bin sehr dankbar, dass mir die Armee mitgeholfen hat, meine Karriere zu bestreiten.

Zum exklusiven Kreis der 18 Sportzeitsoldaten gehören Sie seit zwei Jahren. Sind Sie denn auf die gut 2000 Franken monatlich angewiesen?

Nicht mehr! Es ist zwar schön, einen Zustupf zu bekommen. Aber ich kann als Vollprofi gut vom Sponsoring, der Entlöhnung durch mein Team und den Preisgeldern leben.

Wäre es dann nicht sinnvoller, die Armee würde das Geld in andere sportliche Hoffnungsträger investieren, die finanziell weniger gut situiert sind?

Die Verantwortlichen brauchen auch Erfolgsnachweise, um das Konzept «Zeitsoldaten» bekannter zu machen. Deshalb haben sie mich wohl als Hoffnungsträger für London verpflichtet.

Dann erfüllen Sie eine ähnliche Rolle wie Langläufer Dario Cologna, der ebenfalls Zeitsoldat ist. Haben Sie das militärische Handwerk überhaupt gelernt – etwa das Salutieren?

Ja, ich war im Winter 07/08 in der Spitzensport-RS. Die ersten fünf Wochen hatten wir eine normale Grundausbildung inklusive Schiessen. Nach der RS-Grundausbildung kamen wir nach Magglingen und hatten dort einen vierwöchigen Sportleiterkurs. Danach bestand der Dienst vorwiegend aus Training – allerdings mit der militärischen Disziplin. Das war für mich ein super Start ins Olympiajahr 2008, zumal auch noch mein Trainer ganz in der Nähe wohnt, in Biel.

Von solchen Bedingungen können normale Rekruten nur träumen.

Ich weiss, und ich schätze diese Privilegien eines Spitzensportlers. Deshalb versuche ich auch immer, die Zeit gut zu nutzen und mein Bestes zu geben.

Und heute, tragen Sie jemals eine Uniform?

Ich muss pro Jahr zwei bis drei Wochen WK leisten, gerade im Winter häufig in Magglingen. Dann rücke ich in Uniform ein. Und trainiere in einem speziellen Trainingsanzug mit dem Logo der Spitzensport-Zeitsoldaten. Aber selbst in den WKs geniesse ich einige Privilegien – und kann je nach Rennplanung zum Beispiel auch im Engadin trainieren, also meinen Dienst auswärts leisten.

Selbst im WK trainieren Sie – wo bleibt da das militärische Element?

Ich muss das Obligatorische schiessen. In diesem Jahre musste ich gut aufpassen, dass ich nicht ausgerechnet während den Olympischen Spielen aufgeboten werde (lacht).

Sonst lässt Sie das Militär, immerhin formal Ihr Arbeitgeber, aber an der langen Leine?

Es bestehen klare Regelungen, und an diese halte ich mich auch konsequent. Selbstverständlich beruht einiges auf Vertrauen, doch auch bei der Armee gilt «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser». Zudem müssen die Resultate stimmen, sonst könnte ich auch ausgemustert werden. Franz Fischer, beim Bundesamt für Sport zuständig für die Spitzensportsoldaten, schaut immer wieder bei unseren Wettkämpfen vorbei.

Spüren Sie, dass andere Sportler neidisch sind auf Sie wegen der staatlichen Unterstützung?

Bei älteren Kollegen galt früher die Devise: So schnell wie möglich weg vom Militärdienst, damit sie Zeit fürs Training hatten. Ich merke schon, dass es Athleten gibt, die es bedauern, dass es diese Form von Förderung zu ihrer Zeit noch nicht gab.

Nicht nur Ueli Maurer wird Ihnen in London die Daumen drücken. Wie laufen die Vorbereitungen für den Olympiawettkampf?

Sehr gut. Ich bin jetzt im Höhentrainingslager im Engadin und kann mich optimal vorbereiten.

Zeitsoldaten Spitzensport

Die Armee beschäftigt derzeit 14 Spitzensportler und vier Spitzensportlerinnen als Zeitsoldaten. Vier Athleten haben sich für die Olympischen Spiele in London qualifiziert, darunter auch Mountainbike-Star Nino Schurter. Die Armee bezahlt ihnen einen 50-Prozent-Lohn und lässt ihnen in der Trainingsgestaltung viele Freiheiten. Mehr zum Thema erfahren Sie hier.

Deine Meinung