Handelsbeziehungen: Können wir ohne Fleisch aus Brasilien auskommen?
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HandelsbeziehungenKönnen wir ohne Fleisch aus Brasilien auskommen?

Die Schweiz hat eine enge Wirtschaftsbeziehung mit Brasilien. Was wird importiert und exportiert? Die wichtigsten Antworten.

von
Dominic Benz
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Die Schweiz hat eine enge Wirtschaftsbeziehung mit Brasilien. Im letzten Jahr wurden aus Brasilien unter anderem 15'400 Tonnen Geflügelfleisch importiert.

Die Schweiz hat eine enge Wirtschaftsbeziehung mit Brasilien. Im letzten Jahr wurden aus Brasilien unter anderem 15'400 Tonnen Geflügelfleisch importiert.

Bloomberg
Beim Rindfleisch waren es aber nur 115 Tonnen. Zum Vergleich: Insgesamt hat die Schweiz im letzten Jahr 6200 Tonnen Rindfleisch aus aller Welt importiert.

Beim Rindfleisch waren es aber nur 115 Tonnen. Zum Vergleich: Insgesamt hat die Schweiz im letzten Jahr 6200 Tonnen Rindfleisch aus aller Welt importiert.

AP/Eraldo Peres
Umgekehrt exportiert die Schweiz vor allem Medikamente und andere pharmazeutische Produkte nach Brasilien.

Umgekehrt exportiert die Schweiz vor allem Medikamente und andere pharmazeutische Produkte nach Brasilien.

Keystone/Gaetan Bally

In Brasilien wüten derzeit verheerende Waldbrände. Zeitgleich hat sich die Schweiz mit dem Land auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. 20 Minuten hat sich angeschaut, wie die beiden Länder miteinander wirtschaften.

Wie eng ist die Wirtschaftsbeziehung?

Für die Schweiz ist Brasilien vor Mexiko und Argentinien der wichtigste Handelspartner in der lateinamerikanischen Region. Im Vergleich zu anderen Handelspartnern spielt Brasilien für die Schweiz aber eine eher kleine Rolle. Unter dem Strich exportiert die Schweiz deutlich mehr in das südamerikanische Land, als sie von dort importiert.

In Brasilien sind zudem etliche Schweizer Firmen ansässig, die über 65'000 Angestellte beschäftigen. Soeben hat sich die Schweiz mit den Mercosur-Staaten, zu denen auch Brasilien gehört, über ein Freihandelsabkommen grundsätzlich geeinigt. Wird das Abkommen unterschrieben, würden fast alle Schweizer Ausfuhren in die Region von Zöllen befreit.

Was wird importiert und exportiert?

Im letzten Jahr hat die Schweiz laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) Waren im Wert von 2,6 Milliarden Franken nach Brasilien exportiert. Die Importe beliefen sich auf 1,7 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum lagen die weltweiten Ausfuhren der Schweiz bei insgesamt gut 300 Milliarden Franken, die Importe hatten einen Wert von rund 270 Milliarden Franken.

Bei knapp der Hälfte der Waren, die die Schweiz aus Brasilien bezieht, handelt es sich um Edelmetalle und Edelsteine. Ein Drittel der Importe sind landwirtschaftliche Produkte wie Fleisch oder Kaffee. Umgekehrt bestehen rund die Hälfte der Exporte nach Brasilien aus Medikamenten und anderen pharmazeutischen Produkten. Der Rest sind Maschinen, Elektronik und Uhren.

Können wir auf Fleisch aus Brasilien verzichten?

Gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft hat die Schweiz im letzten Jahr weltweit 6200 Tonnen edle Rindfleischstücke wie Filets und Entrecotes sowie 25'400 Tonnen Geflügel importiert. Der Anteil aus Brasilien liegt beim Rindfleisch bei 115 Tonnen, beim Geflügel bei 15'400 Tonnen. Detailhändler Coop teilt auf Anfrage mit, dass man kein Rindfleisch aus Brasilien verkaufe. Beim Geflügelfleisch aus Brasilien handle es sich lediglich um eine geringe Menge an verarbeiteten Tiefkühlprodukten.

Die Migros betont, dass das Rindfleisch in den Supermärkten zu rund 90 Prozent aus der Schweiz komme. Aus Brasilien importiere die Migros nur in Ausnahmefällen. «Unser südamerikanisches Rindfleisch stammt fast ausschliesslich aus Uruguay und Paraguay», sagt ein Sprecher. Laut Proviande-Direktor Heinrich Bucher importiert die Schweiz das südamerikanische Rindfleisch hauptsächlich aus diesen beiden Ländern. «Wir könnten den hiesigen Fleischbedarf problemlos ohne die Importe aus Brasilien decken», sagt Bucher.

Warum gibts Kritik an den Wirtschaftsbeziehungen mit Brasilien?

Umweltschützer verurteilen die wirtschaftliche Beziehung der Schweiz mit dem Land. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro unterstütze die Abholzung des Regenwalds für landwirtschaftliche Zwecke wie etwa die Rinderzucht. Hinzu kommen noch die derzeit verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet. Dass sich die Schweiz gerade jetzt in Bezug auf das Freihandelsabkommen geeinigt hat, empfinden daher viele als Affront.

Keine Freude haben auch die Schweizer Fleischproduzenten. Der Bauernverband kritisiert, dass mit einem Abkommen ohne weitere Auflagen Fleisch aus einem Land wie Brasilien importiert werden könnte, das kein richtiges Tierschutzgesetz hat und die Nutztiere mit Antibiotika mästet. Zudem könnte die Importmenge steigen. «Es fragt sich, wie viel Geflügel aus Brasilien dann noch in die Schweiz kommt», sagt Robert Raval, Präsident der Schweizer Geflügelproduzenten (SGP). Hierzulande herrschten die weltweit strengsten Auflagen in Sachen Tierhaltung und Produktion. «Die Mercosur-Staaten kennen das nicht und können viel günstiger produzieren. Da können wir nicht mithalten», erklärt Raval.

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