14.09.2020 09:51

Thurgauer Pflanzenheilmittel Könnte Echinaforce wirklich nützen im Kampf gegen Corona?

Eine neue Studie zeigt, dass Echinaforce Coronaviren abtötet. Laut Virologen ist das Naturheilmittel kein Hokuspokus. Trotzdem sind sie skeptisch.

von
Barbara Scherer
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Ist das Naturheilmittel Echinaforce das Wundermittel gegen Corona?

Ist das Naturheilmittel Echinaforce das Wundermittel gegen Corona?

KEYSTONE
Laut einer Studie des Labors Spiez zeigten Tests, dass das Mittel das Virus abtötet.

Laut einer Studie des Labors Spiez zeigten Tests, dass das Mittel das Virus abtötet.

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Getestet wurde die Wirksamkeit an künstlichem Gewebe.

Getestet wurde die Wirksamkeit an künstlichem Gewebe.

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Darum gehts

  • Das Thurgauer Pflanzenheilmittel Echinaforce könnte gegen Corona helfen.
  • Im Labor konnte das Mittel die Viren abtöten.
  • Laut Experten braucht es Tests an Menschen, um die Wirksamkeit zu beweisen.

Das Naturheilmittel Echinaforce tötet laut einer Studie des Labors Spiez Coronaviren ab. Das berichtete am Montag der «Blick». Getestet wurde die Wirksamkeit an künstlichem Gewebe. Ist das also der Durchbruch in der Bekämpfung der Pandemie?

Nicht wirklich, sagt die Genfer Virologin Isabella Eckerle: Da die Versuche nur an Gewebezellen durchgeführt worden seien, könne man daraus noch keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Wirksamkeit im Menschen ziehen.

Daten zeigen: Es hilft gegen Grippe und Erkältung

Dass Echinaforce kein esoterischer Hokuspokus sei, sei aber bereits in mehreren Studien bewiesen worden: «Das Mittel kann vor Erkältungen schützen und hilft bei einer schnellen Genesung», erklärt Philip Tarr, Co-Chefarzt des Kantonsspitals Baselland. Auch gegen die Grippe helfe das Naturheilmittel. Es habe eine ähnliche Wirkung wie Tamiflu.

«Echinaforce könnte also gegen das Coronavirus nützen», sagt Tarr. Trotzdem zeigt sich der Chefarzt skeptisch gegenüber der neuen Studie: «Experimente im Labor können so gestaltet werden, dass sie die gewünschten Resultate zeigen.» Um sicher zu sein, ob Echinaforce gegen das Coronavirus wirke, brauche es Tests an Menschen.

Auch Konsumenten zeigen sich kritisch gegenüber der neuen Studie. Denn mehrere Autoren sind Angestellte der Echinaforce-Herstellerin A.Vogel AG. Auf Twitter ruft deshalb ein Wissenschaftler zur Skepsis auf:

Mittel schadet sicher nicht

Das sieht auch der Immunologe Beda Stadler so: Die Studie sei zwar interessant, bedeute aber nichts. «Es braucht eine Phase drei der klinischen Untersuchung, erst dann ist bewiesen, dass Echinaforce gegen das Coronavirus hilft.» Das heisst, das Medikament muss an Menschen getestet und auf Nebenwirkungen untersucht werden.

Wer jetzt zu Echinaforce greife, mache aber sicher nichts Falsches, sagt Philip Tarr. Schaden könne das Mittel der Gesundheit nicht. Allerdings kostet das Naturheilmittel nicht wenig. Wer Echinafoce prophylaktisch von November bis März einnimmt, gibt gut 20 Franken pro Monat aus. «Das kann sich natürlich nicht jeder leisten», so Tarr.

Derweil hat das Labor Spiez auf Twitter präzisiert, dass die In-Vitro-Studie noch keinesfalls ein Beweis für die Wirksamkeit bei Menschen ist.

«Wichtiger Hinweis: Die Wirkung von Echinaforce gegen das Coronavirus ist bisher nur im Labor an Zellkulturen (in-vitro) erwiesen. Dies sagt noch nichts darüber aus, ob und in welchem Ausmass das Mittel gegen das Coronavirus beim Menschen nützt. Als «Corona-Medikament» ist es ausdrücklich nicht zugelassen, wie die Heilmittelbehörde Swissmedic betont (siehe mehr unter dem folgenden Link).»

Das ist Echinaforce

Das Pflanzenheilmittel Echinaforce enthält den Wirkstoff Echinacea. Dieser wird aus dem Roten Sonnenhut, einem Korbblütler aus Nordamerika, gewonnen. Verkauft wird Echinaforce vom Naturheilmittelunternehmen A. Vogel AG in Roggwil TG. Das Mittel ist in Tabletten- und Tropfenform oder als Hot Drink rezeptfrei in Apotheken erhältlich.

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645 Kommentare
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Beobachter

15.09.2020, 12:18

Jetzt wo ein breiter Teil der Bevölkerung Echinaforce und ähnliche quasi in vivo vorbeugend regelmässig gegen normale Grippe zu sich nimmt, müsste sich eine weitergehende Wirkung eigentlich irgendwie in den Fallzahlen und Verläufen im Herbst/Winter manifestieren. Erfordert so oder so kontrollierte Studien. Jedenfalls kann es nicht schaden und ist ein interessantes Experiment.

Debbi

15.09.2020, 08:41

Nehme es schon seit Jahren Prophylaktisch im Herbst,und mache sehr gute Erfahrungen damit.Wenn es gleichzeitig noch Corona vorbeugt um so besser.

Tinu

15.09.2020, 08:15

Das Labor Spiez hat also mit einem Mittel welches aus bis zu 70% Alkohol besteht ein Virus abgetötet. Sie sagen sie hätten es verdünnt. Aber verdünnt enthält es noch immer Alkohol und es ist noch immer nicht klar was das Virus abgetötet hat (Alkohol oder der Sonnenhut). Wenn schon hätten sie den Test nur mit dem pflanzlichen Stoff durchführen müssen. So wie dieser Test durchgeführt wurde sagt er gar nichts aus. Das einzige was das Labor Spiez erreicht hat, ist dass die Apotheken leergekauft wurden. Und wenn jetzt Menschen denken sie wären mit diesem Mittel geschützt und könnten auf die sonstigen Schutzmassnahmen verzichten, hätte das Labor Spiez die Bevölkerung sogar zusätzlichen Gefahren ausgesetzt.