Vor Australian Open: Könnte Novak Djokovic mehrere Jahre im Knast landen?
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Die wichtigsten FragenKönnte Tennis-Star Novak Djokovic mehrere Jahre im Knast landen?

Bekommt Tennis-Star Novak Djokovic ein Visum oder nicht? Australiens Regierung hält sich bedeckt und verlängert offenbar die Hängepartie. Aber auch wenn sie den Tennis-Star abschieben will, kann er Einspruch erheben.

von
Nils Hänggi

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20 Minuten

Darum gehts

  • Novak Djokovic spielt Stand jetzt am Australian Open.

  • Doch wird er das wirklich?

  • Einwanderungsminister Alex Hawke kann über die Annullierung des Visums entschieden.

  • Aber auch dann kann Djokovic noch kämpfen.

Die Entscheidung über die Ausweisung von Tennis-Profi Novak Djokovic aus Australien ist noch immer nicht gefallen. Einwanderungsminister Alex Hawke habe noch nicht über die Annullierung des Visums entschieden, sagte der australische Premierminister Scott Morrison am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Canberra. Der Serbe hofft, im Land bleiben und an dem am Montag beginnenden Australian Open teilnehmen zu können.

Doch was passiert, wenn Hawke gegen den 34-Jährigen entscheidet? Das könnte er aus zwei Gründen machen. Weil eine Infektion in den letzten sechs Monaten keine gültige Ausnahmeregelung für eine Impfbefreiung darstellt. Oder auch ganz einfach «aus charakterlichen Gründen». Sicher ist: Djokovic kann kämpfen und den Federal Circuit Court anrufen, also Berufung einlegen. Und dann? Die Antworten zu den wichtigsten Fragen:

Tagt das Gericht automatisch gleich?

Nein. Das muss nicht sein. Wenn das Gericht sich entschliesst, erst später im Jahr zu tagen und über den Fall Djokovic zu entscheiden, könnte die Weltnummer eins im Tennis wohl mit einer einstweiligen Verfügung das Turnier bestreiten.

Kann Djokovic trotz Berufung noch vor Turnierstart abgeschoben werden?

Ja, absolut. Tagt das Gericht vor dem Montag, also vor dem Tag, an dem das Australian Open startet, und entscheidet gegen den Tennis-Star, kann der Serbe schnell abgeschoben werden. Dann würde er das Turnier verpassen. Und nicht nur das: Es könnte sein, dass Djokovic für längere Zeit nicht mehr nach Australien einreisen darf. «Eine Einreisesperre von bis zu drei Jahren kann verhängt werden, wenn eine Person gegen die Visabestimmungen verstösst», heisst es auf der Regierungswebseite. Aus sportlicher Sicht droht Djokovic die Nummer eins in der Weltrangliste abgeben zu müssen, da er ohne Teilnahme am Turnier in Melbourne viele Punkte in der Rangliste verlieren würde und seine Verfolger Alexander Zverev und Daniil Medwedew aufrücken könnten.

Sollte das Gericht den Einspruch ablehnen, drohen dem Serben fünf Jahre Haft. Dies, weil er bewusst gelogen hat, was das Datum seines positiven Corona-Tests angeht.

Sollte das Gericht den Einspruch ablehnen, drohen dem Serben fünf Jahre Haft. Dies, weil er bewusst gelogen hat, was das Datum seines positiven Corona-Tests angeht.

AFP

Aber was ist, wenn der Fall während des Turniers verhandelt wird?

Dann könnte der Serbe vorsichtshalber vom Australian Open ausgeschlossen werden. Ein Lucky Loser würde für Djokovic nachrücken. Was bedeuten würde: Selbst wenn das Gericht während des Turniers sich pro Djokovic entscheiden würde, könnte er nicht mehr ins Turnier eingreifen und in der ersten Runde gegen Landsmann Miomir Kecmanovic antreten. Lucky Loser wäre ein Tennisspieler aus der Qualifikation. Wird Djokovic nicht vorsichtshalber ausgeschlossen, wird das Ausscheiden dann wie ein Forfait behandelt, sprich: der eigentliche Gegner rückt kampflos vor.

Könnte Djokovic gar im Gefängnis landen?

Ja. Sollte das Gericht den Einspruch ablehnen, drohen dem Serben bis zu mehrere Jahre Haft. Sein Einreiseformular könnte ihm zum Verhängnis werden. So gab er darauf bei seiner Einreise an, in den 14 Tagen zuvor nicht gereist zu sein. Ein Punkt, der falsch ist, weilte er doch im Dezember und über Neujahr in Spanien. Djokovic bezeichnete dies als «menschlichen Fehler» seines Agenten, «der sicher nicht absichtlich» geschehen sei. Und in Australien könnte es noch schlimmer für den Serben kommen. Abul Rizvi, ein ehemaliger stellvertretender Sekretär der Einwanderungsbehörde, behauptet nämlich gegenüber dem «Express», dass der Tennis-Star auf dem Court von schwerbewaffneten Polizisten festgenommen werden könnte.

Ihm droht aber nicht nur Ungemach in Australien – nein. Auch in seiner Heimat Serbien könnte Djokovic nicht ungeschoren davonkommen. Weil er sich nämlich nicht in Isolation nach einem positiven Corona-Test begeben hat, droht ihm auch in seinem Heimatland eine Strafe. Denn das Ignorieren der Isolation verstösst gegen das serbische Recht.

Droht ihm auch noch in einem anderen Land Ärger?

Ja, in Spanien. Alles deute darauf hin, dass der 34 Jahre alte Serbe kurz vor Silvester illegal in das EU-Land eingereist sei, wie der gewöhnlich gut informierte Radiosender Cadena Cope und auch andere spanische Medien berichteten. Bei seiner Einreise habe der Weltranglisten-Erste weder einen Impfnachweis vorgelegt noch die für ungeimpfte Serben in Spanien zwingend vorgeschriebene Sondergenehmigung beantragt, hiess es unter Berufung auf das spanische Aussenministerium in Madrid. Die Regierung in Madrid habe die Polizei mit der Einleitung einer Untersuchung beauftragt.

Nach Medienberichten unter anderem aus Spanien und Australien wurde Djokovic am 31. Dezember sowie am 2. und 3. Januar im südspanischen Nobelbadeort Marbella gesehen, fotografiert und gefilmt. Dort habe er unter anderem im Club de Tenis Puente Romano trainiert und Autogramme verteilt, wie unter anderem die renommierte spanische Zeitung «El País» berichtete. Der Serbe besitzt in Marbella in der Provinz Andalusien den Medienangaben zufolge ein Haus. Welche Strafe ihm droht? Eine happige. Wegen Nichteinhaltung der Gesundheitsvorschriften während einer Epidemie drohen ihm eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Gefängnis.

Aber bereitet er sich denn überhaupt auf einen Einspruch vor?

Ja, das macht er. Das schreibt zumindest «The Age». Seine Anwälte bereiten gemäss Bericht bereits einen möglichen Einspruch vor. Das Blatt beruft sich dabei auf eine Quelle aus dem Djokovic-Umfeld. Und das ist wohl auch wichtig – zumindest aus der Sicht des Serben. Wie «The Age» weiter aus Regierungskreisen erfahren haben soll, soll aktuell viel für die Stornierung des Visums sprechen.

Was macht Djokovic jetzt?

Die «Bild» berichtet, dass Djokovic sein Training in Australien abgebrochen habe. Der Serbe habe bloss eine halbe Stunde trainiert und sein Training beendet, als sein Fitness-Trainer Marco Panichi zu ihm hin sei und ihm eine Mitteilung auf dem Handy gezeigt habe. Der Trainingsplatz sei eigentlich für zwei Stunden reserviert gewesen, schreibt die Zeitung. Wohin Djokovic danach entschwand, sei unklar.

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