Aktualisiert 19.03.2016 04:48

Schweizer Filmpreis«Köpek» ist der beste Schweizer Spielfilm

Ein hochpolitischer Film, der die Gewalt an Minderheiten in der Türkei anprangert, ist der Gewinner der Schweizer Filmpreise.

«Köpek» von Esen Isik gewann am Freitagabend im Schiffbau in Zürich den Quartz in der Königskategorie «Bester Spielfilm». Ausgezeichnet wurde auch «Köpek«-Hauptdarstellerin Beren Tuna.

Ein Tag in Istanbul, drei Menschen, die sich aufgrund ihres Geschlechts, ihres gesellschaftlichen Status' oder ihrer sexuellen Gesinnung Gewalt ausgesetzt sehen: «Köpek» ist ein feinfühliger und dennoch schnörkelloser Episodenfilm.

Langfilmdebüt von Esen Isik

Regisseurin Esen Isik stand bereits in früheren Jahren auf der Bühne der Filmpreis-Verleihung. Zweimal gewann sie eine Trophäe für ihre Kurzfilme, «Köpek» ist nun das Langfilmdebüt der schweizerisch-türkischen Filmemacherin. Das Werk war insgesamt in fünf Kategorien für einen Quartz nominiert, einheimsen konnte er schliesslich drei Preise.

Der Film, der als einziger der Spielfilm-Kandidaten nicht in der Schweiz spielt, setzte sich unter anderen gegen das Gemeinschaftswerk «Heimatland» durch, das schon am Festival del film Locarno leer ausgegangen war.

Mit vier Nominationen war die Sterbehilfe-Komödie «La vanité» von Lionel Baier die stärkste Konkurrentin von «Köpek». Allerdings konnte der Westschweizer Film lediglich mit seinen Darstellern auftrumpfen: Patrick Lapp als Sterbewilliger David ist der «Beste Darsteller», Ivan Georgiev in seiner Rolle als russischer Prostituierter ist der «Beste Darsteller in einer Nebenrolle».

Das Jahr der Debütfilme

Es scheint das Jahr der Debütfilme zu sein: Auch in der Dokfilm-Kategorie gewinnt mit «Above and Below» ein Erstling. Nicolas Steiners bildstarkes Werk rund um fünf Aussteiger der US-amerikanischen Gesellschaft war bereits an zahlreichen Festivals auf der ganzen Welt zu Gast. «Above and Below» erhielt zudem eine Trophäe in der Kategorie «Beste Montage».

Mit Ursula Meier wurde zumindest in einer Hauptkategorie eine erfahrene Regisseurin ausgezeichnet: Die Westschweizerin ist quasi Stammgast an der Verleihung des Schweizer Filmpreises und erhielt diesmal einen Quartz für ihren Kurzfilm «Kacey Mottet Klein, naissance d'un acteur» über den von ihr entdeckten Nachwuchsdarsteller Kacey Mottet Klein.

Apropos gestanden: Mit Bruno Ganz als Alpöhi in Alain Gsponers «Heidi«-Verfilmung ging in der Kategorie «Bester Darsteller» einer der wohl besten deutschsprachigen Schauspieler leer aus.

Erstmals vergab das Bundesamt für Kultur (BAK) auch einen Quartz für den «Besten Abschlussfilm». Diese Neuerung ist eine direkte Folge der Diskussionen rund um Talkhon Hamzavis Kurzfilm «Parvaneh», der 2015 zwar für einen Oscar nominiert war, als Abschlussfilm aber vom Schweizer Filmpreis ausgeschlossen war. Der erste Abschlussfilm-Quartz ging an Frederic Siegel für «Ruben Leaves».

Renato Berta, «Virtuose der visuellen Verknappung»

Die Ehre, den letzten Preis des Abends zu übergeben, wurde Bundesrat Alain Berset zuteil. Der Kulturminister überreichte dem Tessiner Kameramann Renato Berta den Ehren-Quartz für sein Lebenswerk. Berta, der mit Jean-Luc Godard oder Alain Tanner gedreht hatte, sei «ein Virtuose der visuellen Verknappung», sagte Berset in seiner Laudatio auf den 71-Jährigen.

«Sowohl die 'Nouvelle Vague' wie der 'Neue Schweizer Film' tragen seine Handschrift», unterstrich der Kulturminister die Rolle Bertas im Filmschaffen. Der Kameramann, der vom Publikum im Schiffbau mit Standing Ovations auf der Bühne empfangen wurde, nahm die Auszeichnung sichtlich gerührt entgegen und gestand, sich hinter der Kamera wohler zu fühlen als im Rampenlicht.

(sda)

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