Universität Zürich: Köppel konfrontiert Juncker bei Europa-Rede
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Universität ZürichKöppel konfrontiert Juncker bei Europa-Rede

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach zum Verhältnis Schweiz-EU. Roger Köppel konnte sich seinen Kommentar nicht verkneifen.

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Johann Schneider-Ammann zeigte sich bei seiner Rede in der Aula der Universität Zürich  zuversichtlich, dass man heute in der Beziehung Schweiz-EU «einen Schritt weiter gekommen sei».

Johann Schneider-Ammann zeigte sich bei seiner Rede in der Aula der Universität Zürich zuversichtlich, dass man heute in der Beziehung Schweiz-EU «einen Schritt weiter gekommen sei».

Keystone/Manuel Lopez
Juncker hingegen war zum Scherzen aufgelegt. «Ich freue mich sehr, heute Abend hier zu sein. Das sagt fast jeder Redner überall, und es stimmt fast nie». Heute Abend stimme es aber, denn wenn er den Zürichsee habe, brauche er kein Meer.

Juncker hingegen war zum Scherzen aufgelegt. «Ich freue mich sehr, heute Abend hier zu sein. Das sagt fast jeder Redner überall, und es stimmt fast nie». Heute Abend stimme es aber, denn wenn er den Zürichsee habe, brauche er kein Meer.

Manuel Lopez

Nachdem sich Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zu Gesprächen über die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative getroffen hatten, hielten sie in der Aula der Universität Zürich eine Rede. Anlass dafür war der 70. Jahrestag der Rede «Let Europe Arise», die der damalige britische Premierminister Winston Churchill am selben Ort hielt.

Schneider-Ammann hatte vor diesem Erbe offenbar grossen Respekt, es sei ein ähnliches Minenfeld wie die Antrittsrede des amerikanischen Präsidenten. «Herr Juncker wird das mit Bravour meistern, und ich gebe mir zumindest Mühe», sagte Schneider-Ammann und stiess prompt sein Glas um.

«Ich freue mich sehr, heute Abend hier zu sein»

In der Rede sprach Schneider-Ammann über die Herausforderungen, die Europa seit der Zeit Churchills gemeistert habe, und zeigte sich besorgt darüber, dass auch Juncker die EU in einer «existenziellen Krise» sieht, man wünsche seinem wichtigsten Partner nichts Schlechtes. Er sei zuversichtlich, dass man heute in der Beziehung Schweiz-EU«einen Schritt weiter gekommen sei».

Juncker hingegen war zum Scherzen aufgelegt. «Ich freue mich sehr, heute Abend hier zu sein. Das sagt fast jeder Redner überall, und es stimmt fast nie.» Heute Abend stimme es aber, denn wenn er den Zürichsee habe, brauche er kein Meer, so Juncker. Die Rede von Churchill sei oft gelobt und selten gelesen worden, obwohl sie kurz sei – im Gegensatz zu seiner Rede heute Abend.

«Nicht mehr, sondern ein besseres Europa»

Seit Churchills Zeit habe Europa an geopolitischer Bedeutung verloren, und dieser Trend werde weitergehen, weshalb die europäischen Staaten ihre Probleme zusammen angehen sollten. Auch er wolle keinen europäischen Zentralstaat. «Es braucht nicht mehr Europa, sondern ein besseres Europa», so Juncker. Europa müsse sich modernisieren und technologisch zum Rest der Welt aufholen.

Im Publikum sass auch EU-Kritiker und SVP-Nationalrat Roger Köppel. In der Fragerunde am Ende der Rede nutze er die Gunst der Stunde und wollte vom EU-Kommissionspräsidenten wissen, warum er denn die Schweiz als «geopolitisches Unding» bezeichnet habe und ob die EU wirklich die Bilateralen aufkündigen wolle, wenn die Schweiz die Masseneinwanderungsinitiative umsetze.

Juncker antwortete, er meine damit, dass es für die Schweiz gefährlich sei, sich vom Binnenmarkt loszukoppeln. Eine Kündigung der Bilateralen stehe aber nicht zur Diskussion, eher würden sich beide Parteien um eine möglichst grosse Schnittmenge bei den Verhandlungen bemühen.

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