Kommunizierende Pillen: «Körper an Arzt, Körper an Arzt: Pille genommen»
Aktualisiert

Kommunizierende Pillen«Körper an Arzt, Körper an Arzt: Pille genommen»

Big Brother im eigenen Körper: Ein neues, mit einem Mikrochip versehenes Medikament sendet nach der Einnahme Signale an den Arzt. Die Smart Pills sollen in der Schweiz patentiert werden.

von
Janko Skorup

Es klingt nach Science-Fiction, ist aber bereits Realität: Kaum schluckt der Patient sein Medikament, wird der Arzt via Smartphone oder Internet über die Einnahme informiert.

Möglich macht dies ein im Medikament integrierter essbarer Mikrochip. Er wird nach der Einnahme durch die Magensäure aktiviert und sendet ein Signal an ein Empfängerpflaster auf der Haut. Von diesem kann der Hausarzt Informationen zum Zeitpunkt der Einnahme und Typ des Medikaments via Bluetooth abrufen. Dank dem Chip sollen künftig zum Beispiel Alzheimer-Patienten dabei unterstützt werden, ihr Medikament zum richtigen Zeitpunkt einzunehmen.

Riskante Übermittlung per Bluetooth

Entwickelt hat die sogenannte Helius-Technologie die kalifornische Firma Proteus Biomedical. Ende dieses Jahres kommen die Smart Pills in England in die Läden. Auch in der Schweiz steht die neue Technologie womöglich kurz vor dem Start. Bereits ist ein entsprechendes Patent angemeldet. Und: Gemäss Proteus Biomedical besteht eine Partnerschaft mit dem Pharmariesen Novartis, um die Technologie beim Blutdruckmedikament Diovan einzusetzen.

Für den Schweizer Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen Interpharma ist es denn auch «durchaus denkbar, dass diese Technologie in die Schweiz kommt», so Sprecher Roland Schlumpf. Die Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, Eliane Schmid, warnt aber: «Der Einsatz solcher Technologien ist zwar in Ordnung, aber die Übermittlung per Bluetooth birgt ein Sicherheitsrisiko.» Unbefugte könnten sich vertrauliche Informationen, die unter dem Arztgeheimnis stehen, zu Eigen machen.

ETH: Gentest für alle gefordert

Mit günstigen Gentests wollen Forscher der ETH den Kampf gegen Krankheiten verstärken. In Amerika ist es schon heute erlaubt, sein eigenes Erbgut per Internet auf Krankheitsrisiken testen zu lassen. Laut der «NZZ am Sonntag» fordern Forscher der ETH Zürich, dass solche Gentests für den Eigengebrauch nun auch in der Schweiz zugelassen werden. Je mehr Leute sich an Gentests beteiligten, umso effektiver liessen sich Prävention und Behandlung von Krankheiten wie Krebs oder Diabetes verbessern. Der Bund unterstützt die umstrittenen Gentests und will die heutige Praxis neu überdenken.

Pharma 3.0 ist die Zukunft

Die rasante elektronische Entwicklung bringt immer mehr Möglichkeiten für neue Technologien in der Pharmaindustrie. Dr. Peter Frey vom

Unispital Bern prophezeit: «Technologien wie die Smart Pills sind die Zukunft.» Solche sogenannten Pharma-3.0-Projekte ziehen laut Analysten von Ernst & Young auch reine Elektronikfirmen an. Um diese Entwicklung nicht zu verschlafen, stünden Pharmaunternehmen unter immer grösserem Druck, mit Elektronikfirmen zusammenzuarbeiten. Zu diesen «nicht-traditionellen» Marktteilnehmern gehören etwa E-Health- oder Mobile-Health-

Firmen.

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