Prognose 2012: KOF rechnet mit geringerem Wachstum
Aktualisiert

Prognose 2012KOF rechnet mit geringerem Wachstum

EU-Schuldenkrise, US-Konjunkturschwäche und Frankenstärke machen der Schweizer Wirtschaft zu schaffen. Die Konsumenten sind verunsichert.

KOF-Chef Jan-Egbert Sturm. (Foto: Keystone)

KOF-Chef Jan-Egbert Sturm. (Foto: Keystone)

Die Schweizer Wirtschaft wird wegen der Schuldenkrise in Europa und den USA zwar langsamer wachsen. Laut der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich verhindern aber die Euro-Kursuntergrenze der Nationalbank und die Einwanderung Schlimmeres.

Während andere Ökonomen die Schweiz am Rande einer Rezession sehen, rechnet die KOF mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 2,3 Prozent im laufenden Jahr und einer leichten Abkühlung auf 1,5 Prozent im Jahr 2012. 2013 werde das BIP wieder deutlicher um 2,5 Prozent steigen.

Im Juni war die KOF noch optimistischer gewesen, prognostizierte sie doch ein Wachstum von 2,8 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr. Im Vergleich mit den anderen, seit einem Monat bekannt gewordenen neuen Konjunkturprognosen zeigt sich die KOF für 2011 am optimistischsten, für 2012 liegt sie in der Mitte.

Planen mit 1,20

KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm sagte am Dienstag vor den Medien in Zürich, die Exportdynamik werde sich wegen der schwächeren Weltwirtschaft und der Frankenstärke zwar verlangsamen. Dank der Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken der Schweizerischen Nationalbank (SNB) habe sich die Planungssicherheit für die Schweizer Unternehmen aber erhöht.

Sturm glaubt, dass die SNB ihr Kursziel wird verteidigen können, denn die Finanzmärkte hätten realisiert, dass sich die Spekulation auf eine neuerliche Aufwertung nicht lohne. Mit einer Anhebung des Mindestkursziels rechnet er aber nicht. Dennoch werde der Euro bis Ende 2013 wieder auf 1,30 Franken steigen.

Für viele Firmen sei der jetzige Kurs schwer mit ihren Produktionskosten vereinbar, schmerzhafte Anpassungen würden wohl noch kommen. Bislang seien aber auch in der exportorientierten Industrie weniger Stellen abgebaut worden, als befürchtet. Insgesamt erwartet die KOF, dass die Arbeitslosenquote bis 2013 bei rund 3 Prozent verharrt.

Tiefes Pro-Kopf-Wachstum

Ein entscheidender Faktor für die anhaltend robuste Schweizer Konjunktur sieht Sturm im Bevölkerungswachstum, also insbesondere in der Personenfreizügigkeit mit der EU: Pro Kopf wachse die Schweizer Wirtschaft im nächsten Jahr nur um rund 0,3 Prozent, der restliche erwartete Anstieg komme aus dem anhaltenden Bevölkerungswachstum um 1,1 Prozent.

Mit der Einwanderung verbunden ist der boomende Wohnungsbau. Die KOF erwartet hier aber eine Abkühlung, weil die Zinsen ab Mitte 2012 auch in der Schweiz wieder steigen dürften und die Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung schwach sei.

Die Gefahr einer Hypothekenblase sei angesichts der historisch tiefen Zinsen vorhanden, in gewissen Segmenten seien die Preise bereits vergleichbar mit den 1980er-Jahren, sagte Sturm. Beruhigend sei aber, dass die Wohnungsleerstände weiterhin unter 1 Prozent lägen.

Insgesamt sieht die KOF trotz der sehr lockeren Geldpolitik keine grosse Inflationsgefahr: Selbst 2013 werde die Teuerung erst 1,1 Prozent betragen. Sturm geht davon aus, dass die von der SNB erhöhte Liquidität zunächst bei den Banken gehortet wird und nicht in den Zahlungskreislauf gelangt.

Rückendeckung aus Bern

Das Konjunkturprogramm des Bundes über 870 Mio. Franken bezeichnete Sturm als in erster Linie psychologisch wichtigen Tropfen auf den heissen Stein. Die Politik stärke damit auch der SNB den Rücken und zeige, dass sie im Kampf gegen die Auswirkungen der Frankenstärke mitmache. (sda)

Barack Obama wettert über die Euro-Zone

US-Präsident Barack Obama hat den Staats- und Regierungschefs in der Euro-Zone Versäumnisse vorgeworfen. Die Schritte zur Bekämpfung der Schuldenkrise seien nicht schnell genug ergriffen worden. Nun mache die europäische Schuldenkrise «der Welt Angst». Die USA wie auch China drängen Europa dazu, die Schuldenkrise schnellstmöglich zu bewältigen. Es wird befürchtet, dass eine Verschlechterung der Situation in Europa zu einer Rezession in der bereits stagnierenden US-Wirtschaft führen könnte.

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