Afrikanische Wahlhilfe: Koffer voller Geld für Chirac und de Villepin
Aktualisiert

Afrikanische WahlhilfeKoffer voller Geld für Chirac und de Villepin

Ex-Präsident Jacques Chirac und Ex-Regierungschef Dominique de Villepin sollen über Jahre Geld von afrikanischen Machthabern erhalten haben. Damit finanzierten sie ihre Wahlkämpfe.

Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac (links) und der ehemalige Regierungschef Dominique de Villepin sollen mehrere Millionen Francs von afrikanischen Machthabern erhalten haben. Welche Gegenleistungen sie dafür erbrachten ist noch ungeklärt.

Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac (links) und der ehemalige Regierungschef Dominique de Villepin sollen mehrere Millionen Francs von afrikanischen Machthabern erhalten haben. Welche Gegenleistungen sie dafür erbrachten ist noch ungeklärt.

Ein Berater des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy hat nach eigenen Angaben dessen Vorgänger Jacques Chirac und dem früheren Regierungschef Dominique de Villepin jahrelang Aktenkoffer voller Geld von afrikanischen Machthabern überbracht.

Die Millionensummen seien unter anderem zur Finanzierung von Wahlkämpfen bestimmt gewesen, sagte der Anwalt Robert Bourgi der Sonntagzeitung «Journal du Dimanche».

Bourgi, der seinerzeit Chirac und Villepin in Afrikafragen beriet und heute Sarkozys inoffizieller Afrikaberater ist, gab den Betrag der zwischen 1997 und 2005 übergebenen Gelder in der Zeitung mit mehreren Dutzend Millionen Francs an.

Chirac will klagen

Chiracs Anwalt Jean Veil kündigte darauf eine Verleumdungsklage gegen Bourgi an. Der Ex-Präsident habe ihn darum gebeten, sagte Veil der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag. An einem derzeit laufenden Prozess wegen Missbrauchs öffentlicher Gelder als Pariser Bürgermeister muss der 78-jährige Chirac wegen «gesundheitlicher Probleme» nicht teilnehmen.

Für Chiracs Präsidentschaftswahlkampf 2002 flossen laut Bourgi durch seine Vermittlung etwa zehn Millionen Dollar von fünf afrikanischen Staatschefs: Abdoulaye Wade (Senegal), Blaise Compaoré (Burkina Faso), Laurent Gbagbo (Elfenbeinküste), Denis Sassou Nguesso (Republik Kongo) und Omar Bongo (Gabun).

Auch Juppé angeblich unter den Begünstigten

Der derzeitige Aussenminister Alain Juppé bekam laut Bourgi über Jahre hinweg die Kosten für seinen politischen Klub 89 aus Bongos Schatulle bezahlt. Sarkozy habe ihn, Bourgi, dagegen gebeten, «für ihn zu arbeiten - aber ohne das Finanzierungssystem über Koffer».

Chiracs damaliger Afrikaberater Michel de Bonnecorse sagte dem investigativen Journalisten Pierre Péan hingegen, Bourgi habe vor 2007 dem damaligen Innenminister Sarkozy einen «Geldkoffer vor die Füsse gestellt».

Villepin kündet eine Verleumdungsklage an

Villepin sprach im Zusammenhang mit Péans neuem Buch «La République des mallettes» (Die Republik der Geldkoffer) von einem «Hirngespinst» und warf jetzt Bourgi vor, einen «Nebelvorhang» zu errichten und Unsinn zu verbreiten. Am Sonntagabend kündigte auch Villepin eine Verleumdungsklage gegen Bourgi an.

Er stellte ausserdem einen Zusammenhang zu der sogenannten Clearstream-Affäre aus dem Jahr 2004 her. Im ersten Prozess wurde Villepin im vergangenen Jahr freigesprochen.

Der Entscheid im Berufungsprozess steht in den kommenden Tagen an. Die Anklage wirft dem ehemaligen Premierminister vor, an einer Verleumdungskampagne gegen seinen Erzrivalen Sarkozy beteiligt gewesen zu sein. Dabei waren Sarkozy und anderen Prominenten 2004 durch gefälschte Kontolisten der Luxemburger Bankenabrechnungsstelle Clearstream der Besitz von Schwarzgeldkonten unterstellt worden.

Der Ausgang des Prozesses gilt als entscheidend für die politische Zukunft Villepins, der mittlerweile seine eigene politische Partei gegründet hat und wahrscheinlich bei den Präsidentenwahlen 2012 antreten will.

Nur Sozialisten wollen Ermittlungen

Mehrere ranghohe Politiker von Chiracs UMP-Partei sprachen von unbewiesenen Vorwürfen. Villepins Verbündete wiederum verlangten Aufklärung über das genaue Verhältnis zwischen Sarkozy und Bourgi.

Der sozialistische Spitzenpolitiker François Hollande forderte dagegen die Aufnahme von Ermittlungen. Bourgi selbst betonte in einem Interview des Radiosenders RTL, er stehe bereit für Fragen der Justiz.

(sda)

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