Kofferbomber: Geständnis in Beirut
Aktualisiert

Kofferbomber: Geständnis in Beirut

In einem Spezialgefängnis in Beirut wird der zweite Kofferbomber von libanesischen und deutschen Ermittlern verhört. Der 20-Jährige habe die Anschlagsversuche auf zwei deutsche Züge gestanden.

Am Donnerstag hatte sich im libanesischen Tripoli der mutmassliche zweite Kofferbomber der Polizei gestellt. Der 20-Jährige habe die Anschlagsversuche gestanden, sagte der libanesische Innenminister Ahmad Fatfat am Freitag. Es gebe auch Hinweise auf eine Verbindung zur Terrororganisation El Kaida.

Der Vater des angeblich Geständigen hatte zuvor erklärt, sein Sohn habe keine Kontakte zu politischen Aktivisten gehabt und auch keine Verbindungen zu Hizb ut-Tahrir. Der 20-Jährige war kurz nach der Entdeckung der Sprengsätze nach Libanon gereist.

Zunächst war am Freitag eine vierte Festnahme aus Libanon gemeldet worden. Diese Meldung wies Innenminister Fatfat aber als falsch zurück. Der Betreffende sei als «Zeuge und nicht als Verdächtiger» von den Behörden einbestellt worden. Er sei ein Verwandter des in Kiel Verhafteten.

In Konstanz wurde ein dritter Mann festgenommen. Inwieweit er in die Planung eingebunden war, ist aber offen.

Die deutsche Bundesanwaltschaft teilte am Freitag in Karlsruhe mit, dieser Mann stamme aus dem Umfeld des in Kiel am 20. August verhafteten mutmasslichen Kofferbomben-Attentäters. Das Zimmer des Mannes in einem Studentenwohnheim am Bodensee wurde durchsucht.

Es sei unklar, «ob und inwieweit» der Mann in die Vorbereitungen der misslungenen Anschläge involviert gewesen sei. Im Laufe des Samstags werde entschieden, ob ein Haftbefehl beantragt werde.

Der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, geht von einem Netz von Tätern aus. Es sei wahrscheinlich, «dass es in Deutschland Mitwisser und Helfer gegeben hat.» Das BKA vermutet eine terroristische Zelle in Deutschland. Ob es einen Zusammenhang mit der libanesischen Organisation Hizb ut-Tahrir gibt, sei nicht klar.

Die Ermittler gingen aber nicht von «Schläfern» aus, die für Anschläge nach Deutschland geschickt würden. Ziercke zeigte sich überzeugt, dass mit den Festnahmen «der Gefahr die Spitze genommen» worden sei. Man müsse aber wachsam bleiben.

(dapd)

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