Strittiges Buch: Kohl gewinnt Zitate-Streit gegen Ghostwriter

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Strittiges BuchKohl gewinnt Zitate-Streit gegen Ghostwriter

Erfolg für den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl: Seine umstrittenen Aussagen über andere Politiker dürfen nicht in einem neuen Buch verwendet werden.

Der ehemalige Ghostwriter von Helmut Kohl darf einen Grossteil der Zitate des ehemaligen deutschen Kanzlers nicht mehr in seinem zum Bestseller gewordenen Buch veröffentlichen. Das hat das Landgericht Köln am Donnerstag entschieden.

Damit folgten die Richter in weiten Teilen einem Antrag des früheren Regierungschefs (1982-1998) auf eine Einstweilige Verfügung. Kohl wollte 115 Zitate verbieten lassen. Das strittige Buch «Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle» beruht zum Teil auf Tonbändern, die der Altkanzler 2001 und 2002 für seine Memoiren besprochen hatte. Darin äussert er sich teils drastisch über andere Politiker.

200'000 Exemplare ausgeliefert

Kohls damaliger Ghostwriter Heribert Schwan hatte diese Zitate nun eigenmächtig veröffentlicht - und damit einen Verkaufsschlager gelandet. Von dem am 8. Oktober erschienenen Buch sind nach Verlagsangaben bereits 200'000 Exemplare ausgeliefert.

Die Richter sahen darin allerdings einen «rechtswidrigen Verstoss gegen die Vertraulichkeit». Schwan sei als Kohls Ghostwriter zur Verschwiegenheit verpflichtet gewesen. Die Entscheidung darüber, was aus den Gesprächen veröffentlicht werden durfte, hätte allein dem Kanzler zugestanden.

Verlag darf keine weiteren Bücher ausliefern

Der Heyne-Verlag darf den Bestseller, der die Zitate enthält, nach der Entscheidung der Richter nun nicht mehr ausliefern. Bücher, die bereits in den Buchläden liegen, sind von der Entscheidung allerdings nicht betroffen. Sie dürfen weiterhin verkauft werden. Der Verlag hatte schon vorher angekündigt, das Urteil anzufechten.

Kohls Anwalt Thomas Hermes kündigte zudem Schadenersatzforderungen an. Das Buch werde die Verfahrensgegner noch «sehr, sehr teuer zu stehen kommen», sagte er. Ursprünglich hatte Kohl versucht, das ganze 256 Seiten dicke Buch verbieten zu lassen. Doch damit war er vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht in Köln gescheitert.

Auch nach dem Streit um das Buch stehen weitere gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Schwan und dem Altkanzler an. Kohl fordert von seinem ehemaligen Ghostwriter die Herausgabe aller Abschriften und Kopien der Tonbänder mit Interviews aus den Jahren 2001 und 2002. (sda)

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