Aktualisiert 11.06.2015 17:37

Frauen-WM

Kohle statt Kaffeegedeck – lächerliche Siegprämien

Falls die DFB-Frauen die Weltmeisterschaft in Kanada gewinnen, bekommen sie 65.000 Euro extra. Klingt nach viel? Ist es nicht.

von
Marieke Reimann
Jutta Nardenbach, Petra Damm und Doris Fitschen bejubeln den Gewinn der Europmeisterschaft 1989 in Deutschland. Als Belohnung erhielten sie ein Kaffeeservice vom DFB.

Jutta Nardenbach, Petra Damm und Doris Fitschen bejubeln den Gewinn der Europmeisterschaft 1989 in Deutschland. Als Belohnung erhielten sie ein Kaffeeservice vom DFB.

Am 13.10.1957 fand das erste Frauenfußball-Länderspiel statt. Im Berliner Mommsen-Stadion spielten die Deutschen (in schwarzen Hosen) gegen die Niederlande. Deutschland gewann die Partie mit 2:0, die 4000 Fans jubelten – endlich war der internationale Frauenfußball vom Hinterhof ins Stadion gewandert.

32 Jahre später holt die deutsche Nationalmannschaft den Europameistertitel vor sechsmal so vielen Fans in Osnabrück. Dafür, dass sie 1989 Norwegen 4:1 vom Platz fegten, erhielten die Damen als Belohnung von den großzügigen Herren des Deutschen Fußball Bundes (DFB) ein Kaffeeservice von Villeroy & Boch.

Selbe Sportart, selber Verband – aber weniger Geld?

Dieses Jahr ist alles anders: Falls die deutschen Fußball-Frauen bei der Weltmeisterschaft in Kanada den Titel holen, bekommen sie 65.000 Euro – «Rekordprämie» tönte es durch die Medienlandschaft. Rekord? Im Vergleich zu was? Zu dem, was es davor für die Frauen gab, schon. Im Vergleich zu den 300.000 Euro extra, welche die deutschen Männer vergangenes Jahr für ihren WM-Erfolg in Brasilien bekamen, sind 65.000 Euro lächerlich.

Gegner dieser Meinung sagen an dieser Stelle: Aber Männer-Fußball ist viel etablierter, viel beliebter. Aber warum ist der Gewinn eines Weltmeistertitels in derselben Sportart beim selben Verband unterschiedlich viel wert? Darauf gibt es keine legitime Antwort, die die geringere Prämie rechtfertigen würde.

Wenigstens steigen die Titelprämien

Allerdings scheint der DFB aus dem peinlichen Geschenk zur EM 1989 gelernt zu haben und serviert nun stetig mehr: Statt der mit blauen, gelben und roten Blümchen verzierten Tassen des 41-teiligen Kaffeesets gab's für den WM-Titel 2003 in den USA bereits 15.000 Euro und 2007 für den in China 50.000 Euro Prämie pro Spielerin.

Vor der WM in Deutschland hatten die Fußballerinnen, damals noch unter der Führung von Birgit Prinz, 100.000 Euro für ihren dritten Titelgewinn gefordert – 60.000 Euro hätten sie bekommen. Nun packt der DFB also nochmal 5000 Euro drauf, sodass Nadine Angerer und Co., wenn sie denn den Titel holen würden, 65.000 Euro bekämen.

Zeigt sich hier also ein positiver Trend? Frauenfußball wird immer populärer und deshalb steigen die Prämien. Im Vergleich zu den Männern bleibt's aber wenig. Ein Trostpflaster für die Kickerinnen kann denn vielleicht nur sein, dass auch die Herren verhältnisweise klein begannen.

Das Team um Fritz Walter erhielt 1954 nach dem «Wunder von Bern» neben eines Schwarz-Weiß-Fernsehers und eines Lederkoffers 2500 Mark auf die Hand und einen Motorroller vor die Haustür.

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