Birsfelden BL: Kokain für 70 Millionen zwischen Kaffee versteckt
Aktualisiert

Birsfelden BLKokain für 70 Millionen zwischen Kaffee versteckt

Im Birsfelder Hafen wurden 191 Kilogramm reines Kokain sichergestellt. Die Drogen waren in einer Kaffee-Lieferung aus Brasilien versteckt.

von
cs

Die Baselbieter Polizei entdeckte die Drogen am 19. Oktober. Das Kokain weist einen Reinheitsgehalt von über 90 Prozent auf. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurde der Container in Santos (Brasilien) beladen, per Schiff nach Antwerpen spediert und von dort aus weiter mit dem Zug in die Schweiz transportiert.

Der Marktwert der Drogen wird auf rund 70 Millionen Franken geschätzt. Laut der Staatsanwaltschaft Basel-Land handelt es sich um die grösste Menge an Kokain, die je in der Schweiz beschlagnahmt worden ist. Laut Alexander Rechsteiner vom Bundesamt für Polizei ist dieser Fund statistisch aussergewöhnlich für die Schweiz: «Diese Menge ist grösser als der Jahresdurchschnitt. Pro Jahr werden sonst gesamthaft rund 120 Kilogramm gesichert.

Nicht für die Schweiz bestimmt

Gefunden wurde das weisse Pulver laut der «Tageswoche» von Mitarbeitern des Kaffeekapsel-Herstellers Delica, einer Tochterfirma der Migros. Sie entdeckten die Sporttaschen beim Öffnen der Frachtcontainer. Eine Beteiligung oder Mittäterschaft eines Delica-Angestellten wird nicht vermutet. Laut Polizeisprecher Nico Buschauer sind zurzeit aber noch weitere Abklärungen im Gange. Das Kokain wurde durch die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beschlagnahmt und eine Strafuntersuchung gegen Unbekannt eröffnet. Die Drogen werden laut Buschauer in absehbarer Zeit durch die Polizei vernichtet.

Gemäss bisherigen Untersuchungen mit den belgischen Strafverfolgungsbehörden wird davon ausgegangen, dass die Drogen mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht für den Schweizer Markt bestimmt waren. «Wir gehen davon aus, dass in Antwerpen das Ausladen und Verteilen der Drogen fehlgeschlagen ist», sagt Buschauer. «Antwerpen gilt als einer grössten Umschlagsplätze für Drogen überhaupt.» Alleine acht Tonnen Kokain werden im zweitgrössten Hafen Europas jährlich von den belgischen Behörden beschlagnahmt. Und dies sei nur die Spitze des Eisbergs.

Zu Wasser und zu Luft

Auch der hohe Reinheitsgrad von über 90 Prozent deutet laut Experten nicht darauf hin, dass das Baselland die geplante Endstation des «Schnees» hätte sein sollen. Lars Stark vom Zentrum für Suchtmedizin Zürich überrascht die Reinheit des Stoffs nicht. «Das Kokain hätte vorher noch gestreckt werden sollen», sagt er. Im Normfallfall habe Kokain auf dem Markt eine Reinheit von nur rund 40 Prozent.

Wie Stark und Rechsteiner bestätigen ist für solche Drogenmengen der Schiffsweg für den Transport aus Lateinamerika prädestiniert. «Aber auch über den Luftweg finden viele Drogen in Frachtflugzeugen den Weg nach Europa», so Stark. Mit Zwischenlandungen in kleineren korrupten Staaten und meist am Ende über Afrika, werde der europäische Markt beliefert. «Meist ist es eine Kombination aus verschiedenen Transportwegen», betont er. Damit wollen die Schmuggler den immer besser agierenden Drogenfahndern weiterhin einen Schritt voraus sein. Erst Anfang 2015 wurde rund eine Tonne Kokain bei Antwerpen aus dem Meer gefischt. Da die Kontrollen im Hafen immer effektiver werden, werden die schwimmenden Pakete nun mit GPS-Sendern kurz vor der Küste über Bord geworfen.

22 Kilogramm pro Tag

Wie beliebt das Koksen in der Schweiz ist, bewies eine Studie der Universität Lausanne (20 Minuten berichtete), die das Abwasser der grössten Schweizer Städte auf Drogenrückstände untersuchte, fand heraus, dass in den grossen Schweizer Städten pro Tag rund 22 Kilogramm Kokain konsumiert werden. Auf das ganze Jahr hochgerechnet sind das mehr als acht Tonnen.

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