02.08.2020 08:53

Die grosse Drogen-Repo

«Kokain ist mein Lifestyle» – Dealer und Konsumenten packen aus

Dealer Mario beliefert Banker und Bauarbeiter, Konsumentin Julia war noch nie ohne Kokain im Ausgang und ein Experte befürwortet die Entkriminalisierung der Droge. Eine Video-Reportage über den Kokain-Konsum in der Schweiz.

von
20 Minuten

Die Schweiz und ihr Kokain – exklusive Reportage von 20 Minuten.

20 Minuten

Darum gehts

  • 20 Minuten hat mit dem Kokain-Dealer Mario* über sein Geschäft gesprochen.
  • Julia* (23) konsumiert seit acht Jahren Kokain und war noch nie ohne die Droge an einer Party.
  • Sven* (27) gibt monatlich bis zu 600 Franken für seinen Kokain-Konsum aus.
  • Kokain-Experte Frank Zobel ist für die Entkriminalisierung von Kokain.

Die grosse Kokain-Reportage siehst du im Video oben.

Julia (23) war 15 Jahre alt, als sie zum ersten Mal Kokain konsumierte.

Julia (23) war 15 Jahre alt, als sie zum ersten Mal Kokain konsumierte.

Das Kokain hat Dealer Mario in seinem Auto versteckt.

Das Kokain hat Dealer Mario in seinem Auto versteckt.

Sven (27) konsumiert jedes Wochenende ein Gramm Kokain.

Sven (27) konsumiert jedes Wochenende ein Gramm Kokain.

*Namen geändert

«Eine Dosis kostet so viel wie ein Kinoeintritt»

Frank Zobel ist Vizepräsident der Sucht Schweiz. 2018 leitete er die grösste Kokain-Studie der Schweiz.

Frank Zobel ist Vizepräsident der Sucht Schweiz. 2018 leitete er die grösste Kokain-Studie der Schweiz.

Herr Zobel, warum ist das Kokain in der Schweiz so beliebt?Kokain passt sehr gut in unseren Zeitgeist: Es ist eine Party-, aber auch eine Leistungsdroge. Und sie ist nicht allzu teuer.

Wie viel kostet eine Dosis?Eine Dosis Kokain kostet so viel wie ein Kinoeintritt, etwa 15 Franken. Ein Gramm kostet durchschnittlich 100 Franken.

Wie wirkt die Droge?Man fühlt sich wie Superman: Man hat viel Energie und kann die Nacht lang durchfeiern. Für das Herz-Kreislauf-System ist das Kokain aber toxisch. Es bewirkt zudem nach dem Rausch ein grosses «Down», die Konsumenten fühlen sich oft depressiv. Dies bewirkt wiederum das erneute Verlangen nach Kokain.

Ab wann redet man von einer Sucht?Wenn man seinen gewohnten Alltag wegen des Konsums vernachlässigt und man trotzdem weiter konsumiert, spricht man von einer Abhängigkeit.

Wie soll die Schweiz in Zukunft mit den Konsumenten umgehen?Wir von der Sucht Schweiz wünschen uns eine Entkriminalisierung des Kokains. Es bringt nichts, wenn man die Konsumenten bestraft. Man muss ihnen helfen. In Portugal wird das bereits so praktiziert.

Wer konsumiert Kokain?Es gibt drei Hauptgruppen: Jugendliche, die an Partys konsumieren, Randständige und sozial integrierte Menschen, welche die Droge als Leistungsdroge konsumieren.

Wo wird die Droge gekauft?Man kann sie telefonisch bestellen, via Darknet, oder man holt es auf der Strasse.

Werden die Dealer reich?In der Schweiz kann man mit dem Kokain-Dealen reich werden, die meisten werden es aber nicht.

«Sucht bringt alles zum Kollabieren»

Laut Suchtspezialist Daniel Buff wird der Kokainkonsum gerne verharmlost. Dabei habe Kokain ein hohes Suchtpotenzial. «Die Konsumenten wollen einen immer noch grelleren, noch lauteren und noch geileren Rausch erleben.» Jeder Trip ziehe längere Erholungszeiten nach sich. «Am Anfang funktioniert man im Alltag noch. Später aber bringt die Sucht alles zum Kollabieren.» Die Betroffenen könnten sich nach dem Wochenende nicht mehr zur Arbeit aufraffen, seien depressiv und verstimmt. Auch würden sie aggressiv und beziehungsunfähig.

«Mit Kokain kann man seine Existenz kaputt machen», sagt Buff. Eine Entkriminalisierung, wie sie der Vizepräsident von Sucht Schweiz vorschlägt, hält er für «Mainstream-Blödsinn». «Legal ist alles, was harmlos ist. Bei Kokain ist das definitiv nicht der Fall. Was legal ist, wird für harmlos gehalten.»

Kokain in der Schweiz

  • Kokain ist nach Cannabis die meistkonsumierte illegale Droge.
  • 150’000 bis 200’000 Menschen konsumieren jährlich rund 5 Tonnen Kokain.
  • Kokain-Dealer machen einen Jahresumsatz von 570 Millionen, bei einem Gewinn von bis zu 390 Millionen Franken.
  • Die Reinheit des Kokains schwankt zwischen 20 und 97 Prozent.
  • Der Rest ist Streckmittel wie zum Beispiel Levamisol, ein Entwurmungsmittel für Tiere. Die Streckmittel können das Herz stärker schädigen als das Kokain selbst.
  • In den letzten zehn Jahren gab es jährlich ein bis zwei Kokain-bedingte Todesfälle. Es gibt eine Dunkelziffer, da viele Todesfälle unter anderem auf Mischkonsum mit anderen Drogen zurückzuführen sind.
  • Die Droge kommt über Schiffswege von Kolumbien, Peru und Bolivien nach Europa.
  • Ein Gramm Kokain kostet rund 100 Fr.

Quelle: Sucht Schweiz

20 Minuten-Leser erzählen von ihren Erfahrungen mit Kokain

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20 Minuten-Leser erzählen von ihren Erfahrungen mit Kokain.

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Hast du Probleme mit Kokain oder anderen Substanzen?

Hier findest du Hilfe:

Gratisnummer der Sucht Schweiz: 0800 104 104 (Di bis Do 9 bis 12 Uhr)

Onlineberatung: safezone.ch

Beratungsstellen finden: suchtindex.ch

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146 Kommentare

peter lind

03.08.2020, 09:14

also nach dere doku machts wükli lust zum mal probiere

Hans

03.08.2020, 07:07

Kokain ist eine Droge für Menschen die kein Selbstvertrauen haben.

Leondrita

03.08.2020, 06:24

Meint hier jemang, eine Legalisierung würde das Konsum drosseln? Fehlanzeige. Die Süchtigen würden nur noch mehr Geld kosten: Betreuung, Programme, KK-Ermässigung, Soz.hilfe usw. Nein, dafür zahle ich keine Steuern. Sie sollen sich bewusst bleiben, dass sie was Selbstzerstörerisches und Verbotenes machen. Wer aussteigen will, bekommt heute schon Hilfe.