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Kokain: Zunahme von Hirnschlägen

Die Kokainwelle erreicht die Spitäler: Aufgrund des stark gestiegenen Konsums in den letzten Jahren erleiden immer mehr junge Männer einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt.

«Die Zahl der Konsumenten, die wir wegen Herzproblemen und Schlaganfällen behandeln müssen, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen», sagt Gerd Laifer, leitender Arzt Innere Medizin beim Zürcher Triemlispital. Man rechne mit mehreren Fällen pro Woche, welche direkt auf die Lifestyledroge zurückzuführen sind.

«Kokain bewirkt eine Verengung der Blutgefässe im Herz und im Hirn», erklärt Laifer den neusten Stand der Forschung. Dies steigere die Gefahr eines Herzinfarkts, aber auch eines Hirnschlags.

«Dass wir solche Patienten haben, ist relativ neu», sagt Thomas Lüscher, Direktor der Klinik für Kardiologie beim Zürcher Unispital. «Noch vor zehn Jahren kam das nicht vor.» Gemäss Heinrich Mattle, Chefarzt-Stellvertreter der Neurologischen Klinik am Berner Inselspital, ist man mittlerweile sensibilisiert: «Bei jüngeren Patienten mit Hirnblutungen oder Infarkten denken wir immer an Kokain.»

Immerhin ist laut Lüscher ein Erfolg zu verzeichnen: «Herzklappenentzündungen infolge Heroinkonsums gibt es heute, anders als noch vor 15 Jahren, gar nicht mehr.»

Reza Rafi

Jährlich bis zu 11 Tonnen Koks

Rund 60000 regelmässige Kokainkonsumenten gibt es nach Schätzungen der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme in der Schweiz. Das Bundesamt für Polizei geht von einer jährlichen Gesamtnachfrage von 6 bis 11 Tonnen aus. Letzteres entspreche einem Verkaufswert von 1,4 Milliarden Franken. 2006 sind 354 Kilogramm beschlagnahmt und 9570 Konsumenten verzeigt worden.

raf

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