Der Toyota Corona Mark II kokettierte mit modischem Hüftschwung
Der Toyota Corona Mark II gab sich unverkennbar amerikanisch.

Der Toyota Corona Mark II gab sich unverkennbar amerikanisch.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Publiziert

Toyota Corona Mark II Kokettieren mit modischem Hüftschwung

Der Toyota Corona Mark II sollte ab 1968 die Lücke zwischen der mittleren und der grossen Toyota-Baureihe schliessen.

von
Paul Krüger

Der erste Toyota Corona Mark II erschien 1968, um die Lücke zwischen dem Mitteklasse-Modell Corona und dem Flaggschiff Crown zu füllen. Schon 1972 folgte die zweite Generation, zu der auch unser ozeanblaues Fotoauto gehört. In Japan entfiel mit dem Modellwechsel der Namenszusatz «Corona», sodass der neue Toyota in seinem Heimatland nur «Toyota Mark II» hiess. Ausschliesslich dort gab es auch eine besser ausgestattete Version namens «Cressida», dessen Namen der Mark II ab 1977 übernahm.

Amerikanisches Design

Die neue Generation gab sich deutlich modischer als der nüchterne Vorgänger. Mit Coke-Bottle-Linie samt ausgeprägtem Hüftschwung, auffällig breiten Chromstossstangen, Doppelscheinwerfern in einem zurückversetzten Kühlergrill und breitem Leuchtenband am Heck gab sie sich unverkennbar amerikanisch. Ein Nachteil war das auf dem europäischen Markt freilich nicht. Knudsen-Taunus und C-Rekord mimten ebenfalls erfolgreich den Schrumpf-Ami. Verkaufshemmend war da schon eher die beschränkte Motoren-Auswahl: Während in Japan ein breites Spektrum vom 1700er-Vierzylinder bis zum Zweiliter-Sechszylinder zur Wahl stand, mussten deutsche Interessenten mit vier Töpfen, 89 PS aus 1968 Kubikzentimetern und 165 km/h Spitze zufrieden sein. In den USA war ein 2,3-Liter-Sechszylinder mit 109 PS die Einstiegsmotorisierung.

Der Toyota Corona Mark II fährt sich unaufgeregt, so wie man es bei japanischen Autos damals gewohnt war.

Der Toyota Corona Mark II fährt sich unaufgeregt, so wie man es bei japanischen Autos damals gewohnt war.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Das Beste aus zwei Welten: US-amerikanischer Stil und europäische Abmessungen.

Das Beste aus zwei Welten: US-amerikanischer Stil und europäische Abmessungen.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Die hoch liegende Unterkante des Heckfensters macht den Mark II unübersichtlich.

Die hoch liegende Unterkante des Heckfensters macht den Mark II unübersichtlich.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Wenigstens bei der Karosserieform hatten auch Europäer eine Wahl: Neben der viertürigen Limousine bot Toyota auch ein sehr attraktives Hardtop-Coupé an, das mit seinem bulligen Fastback und der breiten C-Säule stark an amerikanische Muscle-Cars erinnerte. Ein Anspruch, dem der Zweitürer hierzulande leider nicht gerecht werden durfte. Mit dem grossen, 124 PS starken US-Sechszylinder aus dem Toyota Crown hätte er dagegen durchaus eine Chance gegen Opel Commodore und Co. gehabt – und wäre vor allem Toyotas ambitioniertem Werbespruch «Begeisterung auf Rädern» eher gerecht geworden als der müde Vierzylinder.

Unaufgeregt und leise

Der Zweiliter-Vierzylinder vom Typ 18R verrichtet in unserer blauen 1976er Limousine unterdessen unaufgeregt und verhältnismässig leise seinen Dienst. Der OHC-Eisenklotz ist weder ein Drehzahl- noch ein Durchzugswunder, wird aber dafür in den nächsten paar Jahrhunderten wohl auch nicht kaputt gehen. Der Schalthebel des Vierganggetriebes trifft immer die richtige Gasse und die schwammige Lenkung hat kein Spiel. Trotzdem ist der Corona Mark II kein Präzisionswerkzeug und das enorm weiche Fahrwerk lässt den Toyota schon bei mittleren Kurventempi mächtig eintauchen. Auf gerader Strecke bietet der Corona Mark II dadurch aber einigen Komfort; und was das buttrige Fahrwerk nicht abfängt, das schlucken die weichen Cordsessel.

Beeindruckender als das Fahrverhalten ist ohnehin, dass es den ozeanblauen Japaner überhaupt noch gibt. Die wenigen Europäer, die sich Mitte der 70er-Jahre für den Kauf eines Toyota Corona Mark II entschieden, gingen in der Regel nicht pfleglich damit um. Aber an diesem hier gingen die letzten 45 Jahre und 117'000 Kilometer nahezu spurlos vorüber. Lack und Sitzbezüge sind nie erneuert worden. Nichts wirkt verbraucht, nicht einmal wirklich benutzt. Angesichts dieses eindrucksvollen Erhaltungszustands geht man vorsichtig mit ihm um, beinahe ehrfurchtsvoll wie mit einem teuren Sportwagen. Und der Corona Mark II verkörpert plötzlich doch «Begeisterung auf Rädern».

Einen ausführlichen Fahrbericht sowie viele weitere Bilder gibt es auf www.zwischengas.com zu lesen und zu sehen.

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