Publiziert

Der Natur abgeschautKokosnüsse sollen Häuser sicherer machen

Ob als Flocken im Müsli, als Saft im Smoothie oder als Öl in der Pfanne: Kokosnüsse sind angesagt. Nun haben sie auch Architekten für sich entdeckt.

von
fee
1 / 12
Eine Kokosnuss sollte man besser nicht auf den Kopf bekommen. Denn eins ist sicher: Nachgeben wird die nicht.

Eine Kokosnuss sollte man besser nicht auf den Kopf bekommen. Denn eins ist sicher: Nachgeben wird die nicht.

dilcdn.com
Tatsächlich kann der Frucht normalerweise noch nicht einmal der Sturz von der Kokospalme etwas anhaben. Wie sie das anstellt, hat ein deutsches Forscherteam untersucht.

Tatsächlich kann der Frucht normalerweise noch nicht einmal der Sturz von der Kokospalme etwas anhaben. Wie sie das anstellt, hat ein deutsches Forscherteam untersucht.

Flickr.com/Hashir Milhan/CC BY 2.0
Dabei zeigte sich, dass das Geheimnis der Palmfrucht in der Aussenschicht (Exokarp) verborgen ist: Die darin sitzenden, verholzten Zellen haben ein spezielles Design, zudem sind die Zellwände auffällig dick. Dadurch ist die Kokosnuss in der Lage, grossen Aufprallkräften zu widerstehen

Dabei zeigte sich, dass das Geheimnis der Palmfrucht in der Aussenschicht (Exokarp) verborgen ist: Die darin sitzenden, verholzten Zellen haben ein spezielles Design, zudem sind die Zellwände auffällig dick. Dadurch ist die Kokosnuss in der Lage, grossen Aufprallkräften zu widerstehen

Plant Biomechanics Group Freiburg

Die Kokosnuss ist wirklich eine harte Nuss. Ihre Robustheit hat jetzt sogar Forscher auf den Plan gerufen, die normalerweise nichts mit Steinfrüchten zu tun haben: Architekten, Bauingenieure und Materialforscher. Ihre Absicht: herausfinden, was die Kokosnuss so stark macht.

Das Team um Jan Knippers von der Universität Stuttgart analysierte die Struktur der Kokosnuss mithilfe verschiedener Methoden wie beispielsweise Computertomografie oder Mikroskopie. Ausserdem testeten sie die Fähigkeit der Frucht, Stoss- und Schlagenergie zu absorbieren.

Pfiffige Pflanze

Dabei zeigte sich, dass das Geheimnis der Palmfrucht in der ledrigen Aussenschicht (siehe Box) verborgen liegt. Dass die Kokosnuss Aufprälle so gut übersteht, verdankt sie einerseits dem speziellen Design der verholzten Zellen, andererseits den mehrschichtigen und auffällig grossen Zellwänden, wie es in einer Pressemitteilung heisst.

Doch das ist noch nicht alles. Laut Knippers und seinen Kollegen trägt auch der dreidimensionale Aufbau der Wasserleitgefässe (siehe Bildstrecke) seinen Teil dazu bei, dass sich die Stossenergie gut verteilt und die Kokosnusshülle nicht nachgibt. Denn «je länger ein Riss sich in dieser Struktur bewegen kann, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass seine Energie verbraucht ist, bevor er die innere Oberfläche erreicht hat», sagt Knippers Mitstreiterin Stefanie Schmier von der Universität Freiburg.

Der Kniff der Palmfrucht: Die Bruchlinien eines Schlags werden nicht senkrecht durch die Schale geleitet, sondern parallel umgeleitet.

Mögliche Anwendungen immer im Auge

Die Forscher können sich vorstellen, dass sich dieser Aufbau auf architektonische Bauten übertragen lässt. Ihre Hoffnung: Eine nach dem Vorbild der Kokosnuss geschaffene Struktur könnte dereinst beispielsweise helfen, Häuser in Erdbebengebieten sicherer machen.

«Die Kombination von sehr leichten Strukturen und hoher Absorptionsfähigkeit von Kräften macht die Struktur der Kokosnuss sehr interessant, um Gebäude gegen Erdbeben, Steinschlag oder andere Katastrophen zu schützen», erklärt Schmier. Welches Material sich dafür anbieten würde, sei aber noch offen. Auch unklar sei, ob tatsächlich die Kokosnuss das Rennen macht. Denn die Forscher testen auch noch andere Materialen, aktuell steht beispielsweise die Borke von Mammutbäumen auf dem Prüfstand.

So ist die Kokosnuss aufgebaut

Der Name ist irreführend. Denn aus botanischer Sicht gehört die Kokosnuss nicht zu den Nüssen zugeordnet wird, sondern zur Familie der Steinfrüchte. Die Palmfrucht besteht aus drei Schichten (Karpellen), die miteinander verwachsen sind. Konkret sind das eine ledrige Aussenhülle (Exokarp), eine faserige, lufthaltige Schicht (Mesokarp) und die harte, nur etwa fünf Millimeter dicke innere Schale (Endokarp), die das weisse Fruchtfleisch sowie die Samen umschliesst.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.