Manager abgezockt: «Koksnutten» für Wucherpreise verurteilt
Aktualisiert

Manager abgezockt«Koksnutten» für Wucherpreise verurteilt

Zwei Zürcher Prostituierte haben einen britischen Finanzberater mit Koks ausser Gefecht gesetzt und ihn in einer einzigen Nacht um über 20'000 Franken erleichtert. Das Obergericht verurteilte sie zu Geldstrafen.

von
Attila Szenogrady
Für das Obergericht war klar: Die beiden Prostituierten verlangten von ihrem Kunden strafbare Wucherpreise.

Für das Obergericht war klar: Die beiden Prostituierten verlangten von ihrem Kunden strafbare Wucherpreise.

Es war in der Nacht auf den 6. Dezember 2010, als sich ein heute 72-jähriger Manager aus England in Zürich aufhielt und vor dem Restaurant Sonne im Kreis 4 zwei Prostituierte ansprach. Man einigte sich auf perverse Sex-Spiele ohne Geschlechtsverkehr und machte einen Preis von 1000 Franken ab.

Wenig später ging es in einem Zimmer der Hohlstrasse zur Sache. Dabei gaben die beiden Frauen dem reichen Kunden zwischen den bizarren Dienstleistungen wiederholt Freebase-Pfeifen –

konzentriertes Kokain – zum Rauchen ab. Mit der Folge, dass er laut Anklage mit der Zeit den Realitätssinn verlor. Was die beiden Damen offenbar gezielt ausnutzten. So brachten sie ihn dazu, immer mehr Geld für weitere Sex-Spiele zu bezahlen. Sie suchten sogar mehrfach mit dem benebelten Opfer einen nahen Bancomaten auf, um weitere Summen abzuheben.

Als die Polizei nach einem anonymen Hinweis die Runde am nächsten Morgen aushob, hatte das völlig verwirrt wirkende Opfer bereits über 20'000 Franken den Frauen übergeben. Diese wurde von den Fahndern vorübergehend festgenommen. Eine Dame hatte noch eine Kreditkarte des Opfers auf sich.

Wucher in Abrede gestellt

Am Dienstag mussten sich die beiden Damen vor dem Zürcher Obergericht verantworten, wo sie sich gegen ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich zur Wehr setzten. Dieses hatte die beiden Beschuldigten wegen Wuchers, Drogenabgabe und Kokainkonsums zu bedingten Geldstrafen von je 270 Tagessätzen zu 40 Franken sowie 30 Franken verurteilt. Zudem zu Bussen von 1500 Franken sowie 1300 Franken.

Laut Bezirksgericht hatten die Beschuldigten das benebelte Opfer gezielt ausgenützt und einen unverhältnismässig hohen Preis abkassiert, befand damals der Einzelrichter. Im Gegensatz zu den Frauen, welche jeglichen Wucher auch vor Obergericht vehement in Abrede stellten.

Verteidiger für Freisprüche

Auch die Verteidiger plädierten auf Freisprüche von den Hauptvorwürfen. So habe der Geschädigte gewusst, was er wollte. Die 1000 Franken hätten sich nur auf eine Stunde, nicht aber auf eine ganze Nacht bezogen, ergänzte ein Anwalt. Zudem habe sich der Brite nicht gegen seinen Willen in der fraglichen Wohnung aufgehalten. Die beiden Anwälte gestanden für ihre Klienten lediglich den Kokainkonsum ein. Nicht aber die Drogenabgabe, da der Privatkläger sowohl eine Pfeife als auch die Drogen selber mitgenommen habe.

Beim Wucher kamen aber auch die Oberrichter zu klaren Schuldsprüchen. Das Gericht ging von einer klaren Einschränkung der Urteilsfähigkeit des Managers aus. So habe dieser am Schluss nicht einmal mehr seinen PIN-Code gewusst und bei der Polizei einen verwirrten Eindruck hinterlassen. Die Frauen hätten unverfroren gehandelt, befand das Gericht. Dass es dennoch zu Strafsenkungen auf noch 120 Tagessätze zu 35 Franken sowie 30 Franken kam, hing damit zusammen, dass die Oberrichter die Drogenabgaben als nicht erwiesen betrachteten. So sei nicht auszuschliessen, dass der Finanzberater das Kokain selber besorgt habe. Aufgrund des zugegebenen Eigenkonsums wurden die Beschuldigten jedoch zu zusätzlichen Bussen von 1500 Franken sowie 1000 Franken verurteilt. Zudem sollen sie einen Teil der Gerichtskosten tragen.

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