15.09.2020 07:52

CoronavirusKollabiert bald das Contact-Tracing der Kantone?

Die steigenden Infektionszahlen stellen das Contact-Tracing der Kantone vor immer grössere Schwierigkeiten. In der Waadt scheint das System bereits nicht mehr zu funktionieren. Alain Berset will auf jeden Fall daran festhalten.

von
Lucas Orellano
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Die Strategie von Bund und Kantonen gegen das Coronavirus basiert derzeit auf dem sogenannten «Contact Tracing».

Die Strategie von Bund und Kantonen gegen das Coronavirus basiert derzeit auf dem sogenannten «Contact Tracing».

Keystone
Dabei geht es darum, einzelne Infektionen gezielt nachzuverfolgen. 

Dabei geht es darum, einzelne Infektionen gezielt nachzuverfolgen.

Keystone
Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren, werden in Quarantäne geschickt.

Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren, werden in Quarantäne geschickt.

Keystone

Darum gehts

  • Die Pandiemiebekämpfung der Schweiz basiert momentan auf dem Contact-Tracing.
  • Angesichts der steigenden Zahlen haben immer mehr Kantone Mühe damit. Infizierte in der Waadt werden oft nicht oder erst spät kontaktiert.
  • Problematisch werden könnten auch das Fallen der 1000-Personen-Grenze für Grossanlässe und die saisonale Grippe.
  • Der oberste Kantonsarzt warnt vor einem Scheitern des Contact-Tracings. Gesundheitsminister Berset will um jeden Preis daran festhalten.

Mit dem Ende des Lockdowns änderte der Bundesrat die Strategie gegen das Coronavirus. Statt allgemeiner Einschränkungen verlagerte sich der Kern der Pandemiebekämpfung hin zum gezielten Eindämmen von individuellen Ausbrüchen. Die Kantone bekamen ein grosses Mass an Kontrolle zurück, aber auch einiges an Verpflichtungen. Denn das von Gesundheitsminister Alain Berset und dem BAG vielbeschworene Contact Tracing liegt in ihrer Verantwortung.

Wie der «Tages-Anzeiger» (Artikel ist kostenpflichtig) berichtet, mit abnehmendem Erfolg. Angesichts der steigenden Zahlen hätten immer mehr Kantone Mühe mit dem Nachverfolgen einzelner Fälle. Corona-Infizierte aus der Waadt berichten, wie sie erst vier Tage nach dem positiven Befund kontaktiert wurden, oder, wie in einem Fall auf der Tamedia-Redaktion in Lausanne, gar nicht.

Im Westschweizer Kanton zeigt die Kurve der Fallzahlen seit Anfang August steil nach oben, die Behörden und ihre Contact-Tracer scheinen überfordert. Ist das das Schicksal, das bald weiteren Kantonen blüht?

«Wir werden das Contact-Tracing bis zum Ende der Krise durchziehen.»

Gesundheitsminister Alain Berst

Der Kanton St. Gallen, beispielsweise, hat sein Tracing-Team vervierfacht und kann die Betreuung der Personen gerade noch sicherstellen. Im Kanton Bern arbeiten derzeit 60 Personen im Contact-Tracing, Tendenz weiterhin steigend, weil auch dieses Kontingent langsam an seine Grenzen stösst. Der Regierungsrat des Kantons Luzern warnte in der Antwort auf zwei parlamentarische Vorstösse bereits: «Generell ist festzuhalten, dass sich das Contact-Tracing nicht beliebig ausbauen lässt, weil es irgendwann kollabiert und es auch keinen Sinn mehr macht.»

Zwei Faktoren könnten diesen Effekt noch verstärken: die saisonbedingte Zunahme anderer Krankheiten, und der Entscheid des Bundesrates, ab dem 1. Oktober Grossanlässe mit mehr als 1000 Personen wieder zuzulassen. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» warnt Rudolf Hauri, oberster Kantonsarzt der Schweiz: «Wenn es kippt, wenn das Wachstum wieder exponentiell wird, dann werden Kantone mit dem Contact-Tracing vermutlich scheitern.»

Alain Berset signalisierte hingegen, dass er an der aktuellen Strategie noch lange festhalten will. «Egal was passiert, egal wie hoch die Fallzahlen sind: Wir werden das Contact-Tracing bis zum Ende der Krise durchziehen», wie er zur «SonntagsZeitung» sagt.

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330 Kommentare
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Sehr gerne

16.09.2020, 09:15

Hahaha, ja das hoffe ich doch sehr! Den finanziellen Schaden für Unnötiges und Untaugliches tragen bitte die Verantwortlichen, nicht der Steuerzahler. Klar oder?

Alex

15.09.2020, 11:50

Die Verhältnismässigkeit zwischen den Todeszahlen und Massnahmen ist schon lange nicht mehr gegeben.

Sinseman

15.09.2020, 11:45

An alle Junkers, Heloin und Kukain ist mit Corona verseucht. Bitte trägt Sorge zu eurem Löben.