Rabatte gibts nur mit Kreditkarte - «Kollektivverträge bei Krankenkassen sind eine neue Seuche»
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Rabatte gibts nur mit Kreditkarte«Kollektivverträge bei Krankenkassen sind eine neue Seuche»

Die Helsana macht eine Kundin hässig. Die Krankenkasse will ihre Vergünstigungen streichen, wenn sie keine Kreditkarte aktiviert. Der Konsumentenschutz warnt vor der Masche.

von
Fabian Pöschl
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Die Helsana verlangt von einer Kundin, dass sie sich für eine Kreditkarte registriert. Sonst gibts keine Rabatte.

Die Helsana verlangt von einer Kundin, dass sie sich für eine Kreditkarte registriert. Sonst gibts keine Rabatte.

Getty Images
Sie soll eine Kreditkarte von Jumbo …

Sie soll eine Kreditkarte von Jumbo …

20min/Taddeo Cerletti
… oder Manor aktivieren.

… oder Manor aktivieren.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Eine Kundin ist sauer auf die Helsana.

  • Die Krankenkasse bietet Kollektivverträge mit Vergünstigungen an.

  • Doch dafür muss man eine Kreditkarte aktivieren.

  • Der Konsumentenschutz warnt vor diesen Angeboten.

Die langjährige Helsana-Kundin B.* ist sauer auf ihre Krankenkasse. Helsana schrieb ihr Ende Juni, dass sie die Bedingungen für einen Kollektivvertrag nicht mehr erfülle. Und zwar, weil sie keine Kreditkarte von Manor oder Jumbo aktiviert hat. Der Brief liegt 20-Minuten vor (siehe Bildstrecke).

Die Krankenkasse wolle ihr ab August die Familienrabatte und die Prämienrabatte streichen, sollte sie keine Manor-Masterkarte haben. Diese machen für die ganze Familie etwa 400 Franken im Monat aus. Erst mit einer Karte gebe es wieder Anspruch auf die Rabatte.

«Sehr fragwürdig von Helsana»

Der Kollektivvertrag mit Zusatzversicherungen sei über den Helsana-Vertragspartner Myone geschlossen, heisst es im Schreiben weiter. Dieser gehört zum Kreditkartenanbieter Viseca. Doch das war der Helsana-Kundin nicht bewusst, wie sie zu 20-Minuten sagt.

Sie fühle sich als jahrzehntelange, gute Kundin von der Helsana auf ziemlich rücksichtslose Art zur Nutzung einer bestimmten Kreditkarte gezwungen. «Ich finde, man hätte die Situation besser mit einem persönlichen Gespräch gelöst. Es ist sicher niemals eine gute Basis, Druck auf Kunden auszuüben.»

Das ist ein Kollektivvertrag

Immer mehr Versicherungen und Krankenkassen schliessen Partnerschaften mit Firmen, Verbänden und Vereinen, wobei deren Angestellte und Mitglieder Versicherungsleistungen günstiger beanspruchen können. Für die Prämienverbilligungen kann es aber auch Bedingungen wie bei der Helsana-Kundin mit einer Kreditkarte geben.

Der Konsumentenschutz findet das Vorgehen der Helsana sehr fragwürdig. «Diese Kollektivverträge bei Krankenkassen sind eine neue Seuche», sagt Rechtsexpertin Cécile Thomi vom Konsumentenschutz. Besonders schlimm sei, dass wichtige Schutznormen nicht eingehalten werden müssten, wie Kündigungsbedingungen oder der Anspruch des Versicherten auf Vorabzahlungen, auch wenn der Umfang des Leistungsanspruchs noch nicht im Detail feststeht.

Zudem werde das Versicherungsverhältnis mit den Kollektivverträgen noch undurchsichtiger, als das es bei Versicherungen ohnehin schon der Fall sei. «Die Person weiss noch weniger, auf was sie sich einlässt. Die Voraussetzungen können im Kleingedruckten stehen, aber wer liest die schon komplett durch?», so Thomi.

Konsumentenschutz rät zur Zurückhaltung

Derzeit wird das Versicherungsaufsichtsgesetz überarbeitet. Der Konsumentenschutz kämpfe dafür, dass sachfremde Versicherungsbedingungen und somit derartige Vermischungen von Krankenkassen und anderen Firmen unterbunden werden. Thomi rät zur Zurückhaltung bei Kollektivversicherungsprodukten und sich nicht von Rabattvorteilen blenden zu lassen, insbesondere in Bereichen, in denen ein guter Versicherungsschutz wichtig sei, wie dem Gesundheitsbereich.

Der Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly hält dagegen, dass die Kreditkarte Voraussetzung in dem Kollektivvertrag für die Rabatte war. «Wenn man die Vergünstigungen will, muss man die Bedingungen erfüllen», sagt Schneuwly. Solche Kollektivverträge würden von der Finanzmarktaufsicht geprüft und seien deshalb korrekt.

Ein Helsana-Sprecher sagt auf Anfrage, dass der Kollektivvertrag mit dem Herausgeber der Manor- und Jumbo-Kreditkarten seit 2007 bestehe. Bei einer Überprüfung habe sich gezeigt, dass zahlreiche Kundinnen und Kunden mit dem Kollektivvertrag keine Karte nutzen. Deshalb habe Helsana sie darauf hingewiesen, dass es keine Reduktionen mehr gibt. Sie seien aber ebenso auf Wiedereintrittsmöglichkeiten hingewiesen worden.

*Name der Redaktion bekannt.

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