Frecher Ösi: Koller lässt Kritik kalt

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Frecher ÖsiKoller lässt Kritik kalt

Der österreichische Nationalspieler Paul Scharner hat mit seiner harschen Kritik an Trainer Marcel Koller für Furore gesorgt. Der 51-jährige Schweizer weist sie zurück.

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In Österreich herrscht auch einen Tag nach dem 2:0-Testspielsieg über die Türkei Aufruhr. Nicht etwa, weil die Mannschaft von Nationaltrainer Marcel Koller gefiel, sondern weil Paul Scharner, 40-facher Internationaler, wenige Stunden vor dem Spiel aus dem Mannschaftshotel abgereist war. Danach griff er Koller öffentlich an. Nun haben sich beide zum Vorfall geäussert. Scharners Karriere in der Nationalmannschaft dürfte nach diesem Eklat zu Ende sein - ein weiteres Mal.

Am Mittwochnachmittag, wenige Stunden vor dem Anpfiff, soll Scharner einen Stammplatz gefordert haben. Für den Test gegen die Türkei und die bevorstehende WM-Quali. Koller soll ihm offenbart haben, dass er ihn nicht als Leistungsträger sehe. Daraufhin ist der 32-Jährige aus dem Mannschaftsquartier abgereist. Durch die Medien liess er dem Schweizer folgendes ausrichten: «Mit Koller kommen wir nie zur WM; ich habe das Gefühl, sie haben ihn weichgeklopft wie ein Schnitzel, jetzt müssen sie ihn nur noch panieren.»

«Ich esse nicht jeden Tag ein Schnitzel»

Einen Tag nach dem Debakel - wieder bei seinem Klub in Hamburg angekommen - hat sich Scharner nun auf der Vereinshomepage zu Wort gemeldet. Er habe überhaupt nie gefordert, eine Schlüsselrolle im Team zu bekommen. «Schon bei meiner Ankunft in Österreich war den Medien zu entnehmen, dass ich gegen die Türkei und auch in Zukunft nicht mehr spielen würde», so Scharner. Daraufhin habe er das Gespräch mit Koller gesucht und dieser habe ihm bestätigt, dass er künftig auf andere Spieler setzen werde. Der Schweizer habe ihm dann eröffnet, ihn in den Mannschaftsrat zu beordern, was dem 40-fachen Internationalen überhaupt nicht gefiel. «Diese Rolle kann ich nicht akzeptieren und dafür kann ich mich auch nicht zur Verfügung stellen. Koller hat daraufhin gesagt, ich solle das Teamhotel verlassen.»

Koller machte am Donnerstagmittag publik, dass er sich stets korrekt verhalten habe und dass er Scharner nicht weiter aufbieten werde. «Ich versuche immer, professionell und am besten für die Mannschaft und den Fussball zu entscheiden.» Scharner habe den Konkurrenzkampf nicht annehmen wollen. Der Spruch mit dem Schnitzel kostet Koller gerade einmal ein müdes Lächeln. «Ich esse nicht jeden Tag ein Schnitzel, aber es schmeckt richtig lecker.»

Scharner sagte schon immer, was er denkt

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der 32-Jährige aus der Nationalmannschaft zurückzieht. Bereits 2006, nach einem Länderspiel gegen Ungarn, tat er es. «Und zwar für immer», sagte er damals. Unprofessionelle Strukturen beim Österreichischen Fussballverband nannte Scharner damals als Grund, heisst es auf der österreichischen Webseite «sport24». Vor der Heim-Euro 2008 drängte Scharner auf ein Comeback, der damalige Trainer Josef Hickersberger wollte davon aber nichts wissen. Nach der EM, als Hickersberger zurücktrat, kehrte Scharner prompt ins Team zurück. Nach der verpassten EM-Qualifikation für die Endrunde in Polen und der Ukraine schielte der Verteidiger auf den Posten als Nationaltrainer. «Ich biete mich als Spielertrainer an», sagte er im September 2011. Nach seinem neuerlichen Ausraster gegenüber Koller war es das wohl mit seiner Nationalmannschafts-Karriere.

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