Kolumbien: Gewalt soll beendet werden
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Kolumbien: Gewalt soll beendet werden

Die kolumbianische Regierung verstärkt ihre Anstrengungen für ein Ende der Gewalt. Sie hat nun auch der zweitgrössten Guerillagruppe ELN einen Waffenstillstand angeboten.

Erst am Mittwoch hatte Bogotà der Rebellenorganisation FARC die Freilassung von 50 Guerilleros angeboten. Im Gegenzug soll die FARC 22 verschleppte kolumbianische Politiker, 34 Soldaten und drei US- Bürger freilassen.

Ein ähnliches Angebot machte die Regierung nun dem Nationalen Befeiungsheer (ELN), wie der Friedensbeauftragte der Regierung, Luis Carlos Restrepo, am Donnerstag in Bogotà sagte. Die befreiten ELN-Kämpfer müssten sich aber zu einem Ende der Kämpfe verpflichten und als Vermittler auftreten.

Die kolumbianische Regierung vollzieht damit einen Kurswechsel. Präsident Alvaro Uribe hatte seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren stets eine unnachgiebige Haltung gegenüber den Guerillagruppen vertreten.

Seine Regierung forderte bisher die Freilassung aller 1600 FARC- Geiseln. Die FARC verlangte im Gegenzug die Freilassung aller 300 inhaftierten Kämpfer.

Wenig Chancen

Das jüngste Angebot der Regierung sieht allerdings nur eine Amnestie für Guerilleros vor, die lediglich der Rebellion beschuldigt werden. FARC-Mitglieder, die wegen Drogenhandels, Terrorismus oder Entführung einsitzen, sollen in Haft bleiben. Gemäss Beobachtern dürfte die FARC diese Bedingung ablehnen.

Die USA ihrerseits halten an der Forderung nach einer «sofortigen und bedingungslosen» Freilassung der drei US-Geiseln fest. Diese waren im Februar 2003 verschleppt worden, nachdem ihr Flugzeug bei einem Anti-Drogen-Einsatz im Dschungel abgestürzt war.

Schweizer Diplomaten im Einsatz?

Bei den Verhandlungen um einen Gefangenenaustausch spielen Schweizer Diplomaten offenbar eine wichtige Rolle. Staatspräsident Uribe habe dies bestätigt, erklärte die Verwandte einer Geisel.

Uribe hatte Angela Giraldo am Mittwochnachmittag getroffen. Giraldo ist die Schwester eines Abgeordneten, der im April 2002 von FARC-Kämpfern entführt wurde.

Der Gefangenaustausch soll mit Unterstützung der Schweiz, Frankreichs und des IKRK durchgeführt werden. Giraldo fragte den Präsidenten nach den Unterhändlern für die Regierungsseite. «Es ist die Schweiz», habe Uribe geantwortet. Die Schweizer Botschaft in Bogotá wollte dies weder bestätigen noch demenieren.

Entführungen ohne Ende

Die FARC versucht seit Jahren, mit Entführungen die Freilassung inhaftierter Kampfgefährten zu erpressen. Unter den Geiseln ist auch die im Februar 2002 verschleppte Grünen-Politikerin und frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt.

In dem seit vier Jahrzehnten andauernden Gewaltkonflikt in Kolumbien zwischen Paramilitärs, linksgerichteten Guerillaorganisationen und Armee wurden bislang etwa 200 000 Menschen getötet. (sda)

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