Aktualisiert 05.03.2008 23:47

Kolumbien hat Ecuadors Souveränität verletzt

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat den kolumbianischen Militäreinsatz gegen Rebellen der FARC in Ecuador als Verletzung der Souveränität bezeichnet.

Eine formelle Verurteilung wurde an der Sitzung in Washington aber nicht ausgesprochen.

Nachdem Ecuador und Venezuela aufgrund des Militärschlags Truppen an die Grenze zu Kolumbien entsandt hatten, betonte der kolumbianische Vize-Präsident Francisco Santo in Brüssel, sein Land werde diesen Provokationen nicht nachgeben und auf die Stationierung von Soldaten verzichten.

Santos betonte nach einem Treffen mit dem EU-Aussenbeauftragten Javier Solana in der belgischen Hauptstadt, Kolumbien werde keine zusätzlichen Truppen an die Grenzen zu Venezuela und Ecuador senden. Er warf Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez und den linken FARC-Rebellen vor, gemeinsam ein militärisches, politisches sowie ideologisches Projekt zu verfolgen, das mit Gewalt durchgesetzt werden solle.

Kolumbien hatte die Spannungen ausgelöst, als kolumbianische Soldaten am Wochenende ein FARC-Lager auf ecuadorianischem Boden angriffen und dabei unter anderen den Vize-Chef der Rebellen, Raúl Reyes, tötete.

Chávez gegen «Gier des Imperiums»

Venezuela gab am Mittwoch bekannt, die Verlegung von zehn Bataillonen, etwa 6000 Soldaten, an die kolumbianische Grenze sei zu etwa 90 Prozent abgeschlossen. Der Einsatz richte sich nicht gegen das Volk Kolumbiens, sondern gegen «die expansionistische Gier des Imperiums» der USA, sagte Verteidigungsminister Gustavo Rangel am Mittwoch. Es sei nicht geplant, die Grenze nach Kolumbien zu schliessen.

Chávez betonte, er habe in einem Gespräch mit Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy seinen Willen zum Frieden betont. Venzuela wolle den Frieden und «nichts und niemand bringt uns von diesem wahrhaftigen Weg ab», sagte der venezolanische Präsident. Frankreich habe zu Besonnenheit in der Konfliktbewältigung.

Ecuadors Staatschef Rafael Correa forderte bei einem Besuch in Brasilien eine internationale Verurteilung des kolumbianischen Vorgehens. Sollte Ecuador zur Selbstverteidigung gezwungen sein, werde es bis «zur äussersten Konsequenz» gehen, betonte er.

Ecuadors Militär verlegte eine auf den Dschungelkampf trainierte Eliteeinheit an die Grenze. Einer der Befehlshaber der rund 160 Mann starken Truppe sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Kämpfer sollten das Eindringen regulärer sowie irregulärer Truppen nach Ecuador verhindern.

Washington glaubt an Frieden

Die US-Regierung sei von der Möglichkeit einer friedlichen Lösung der Krise überzeugt, sagte eine Sprecherin des Weissen Hauses. Ein Pentagon-Sprecher erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass Venezuela Truppen in bedenklicher Anzahl an die Grenze schicke. Die USA gelten als Verbündeter Kolumbiens und hatten das Vorgehen gegen die FARC gebilligt.

(sda)

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