In Oslo: Kolumbien verhandelt mit FARC-Rebellen
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In OsloKolumbien verhandelt mit FARC-Rebellen

Neue Hoffnung auf Frieden in Kolumbien: Ab Oktober verhandelt die Regierung mit den FARC-Rebellen in Oslo über ein Friedensabkommen. Der Konflikt kostete seit 1964 über 200'000 Menschen das Leben.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (links) kündigte an, dass die Militäroperationen gegen die FARC weitergehen würden, egal wie sich der Friedensprozess entwickle.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (links) kündigte an, dass die Militäroperationen gegen die FARC weitergehen würden, egal wie sich der Friedensprozess entwickle.

Nach fast einem halben Jahrhundert der Gewalt in Kolumbien gibt es neue Hoffnung auf einen Friedensprozess. Die Regierung von Staatschef Juan Manuel Santos hat mit der linksgerichteten FARC-Guerilla die Aufnahme von Friedensgesprächen vereinbart.

Santos bestätigte am Montag (Ortszeit) in einer Ansprache einen entsprechenden Bericht des venezolanischen Fernsehsenders Telesur. Die Regierung führe «Sondierungsgespräche» mit der FARC, sagte er. Die Ergebnisse dieser Kontakte würden in den nächsten Tagen bekanntgegeben.

FARC-Guerilla setzen Kampf fort

Medienberichten zufolge sollen sich Unterhändler der Regierung und der FARC bei Gesprächen auf Kuba geeinigt haben, ab dem 5. Oktober in der norwegischen Hauptstadt Oslo über ein Friedensabkommen zu verhandeln. Der Konflikt zwischen der FARC und dem kolumbianischen Staat hat seit 1964 mehr als 200 000 Menschen das Leben gekostet.

Auch die zweitgrösste Rebellengruppe des Landes, die Nationale Befreiungsarmee (ELN) sei bereit, an den Gesprächen über ein Ende der Gewalt teilzunehmen, sagte Santos. Die ELN zählt nach Regierungsangaben 2500 Kämpfer, die FARC 9200.

Einsatz geht weiter

Während der von den USA unterstützten Militäroffensive von 2000 bis 2010 hatte die FARC schwere Verluste einstecken müssen, zuletzt aber wieder vermehrt Angriffe durchgeführt. Erst am Sonntag waren durch eine Autobombe im südöstlichen Stadt Meta sechs Menschen getötet worden.

Santos, der zum ersten Mal Gespräche mit den FARC-Rebellen bestätigte, unterstrich, dass die Militäroperationen «auf jedem einzelnen Zentimeter des staatlichen Territoriums» weitergehen würden, egal wie sich der Friedensprozess entwickle.

Mit der Aussage spielte er auf den letzten Friedensdialog mit der FARC an, als die Regierung den Rebellen von 1999 bis 2002 ein Stück Land in der Grösse der Schweiz zugestand, die Guerillakämpfer aber anderswo weiterhin Angriffe durchführten, Politiker entführten und ihre Drogengeschäfte abwickelten.

Bereitschaft signalisiert

Bereits letztes Jahr hatte die FARC-Guerilla ihre Bereitschaft zur Aufnahme direkter Friedensgespräche signalisiert. Im Februar erklärte sie ihren Verzicht auf Entführungen mit Lösegeldforderungen, bevor sie im April die letzten zehn politischen und militärischen Gefangenen in ihrer Gewalt freiliess.

Zugleich wiesen sie die Forderung der Regierung nach Kapitulation und Entwaffnung als Vorbedingung für einen Dialog zurück. Das Parlament verabschiedete im Juni den Entwurf für ein Gesetz über den rechtlichen Rahmen für Friedensverhandlungen mit bewaffneten Gruppen.

Bisherige Friedensgespräche gescheitert

Friedensgespräche hatte es zuletzt in den Jahren 1998 bis 2002 zwischen der Regierung des konservativen Präsidenten Andres Pastrana und den Rebellen gegeben. Die Guerilla warf der Regierung damals vor, nicht entschieden genug gegen rechte Paramilitärs und Todesschwadronen vorzugehen. Der Friedensprozess scheiterte.

«Wir werden aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und sie nicht wiederholen», sagte Santos nun in seiner Ansprache. Ihm käme in der Mitte seiner Amtszeit ein Erfolg gelegen, um in zwei Jahren auf eine erfolgreiche Wiederwahl hoffen zu können.

Dass Santos mit dem Einlenken auf Verhandlungen auf gutem Weg liegt, zeigen Resultate einer Umfrage in Kolumbien. Diese ergab, dass drei von vier Befragten den Dialog mit den Rebellen befürworten.

(sda)

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