Aktualisiert 27.03.2013 14:54

Kolumbus - Ein Glücksritter ohne Fortune

Am 20. Mai 1506 starb der Mann, der Amerika entdeckte. Christoph Kolumbus war eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Weltgeschichte.

Christoph Kolumbus - eine der berühmtesten, wenn auch umstrittensten Persönlichkeiten der Geschichte - starb am 20. Mai 1506 verbittert, krank und in Armut. Ihm brachte die Entdeckung der Neuen Welt kein Glück.

Sein Ruhm war verblasst, seine Gier nach Gold ungestillt, und er sollte nie erfahren, dass er nicht in Indien gelandet war, sondern einen neuen Kontinent entdeckt hatte. Dieses «Amerika» schliesslich erhielt nicht einmal seinen Namen, sondern wurde nach dem italienischen Entdecker Amerigo Vespucci benannt.

500 Jahre nach seinem Tod ranken sich um Kolumbus immer noch zahlreiche Legenden. Wer war dieser Mann, der mit allen Mitteln nach Westen wollte, wo es andere in Richtung Osten zog, der als Entdecker in die Geschichte einging, tatsächlich aber vor allem Interesse an Gold und Edelsteinen zeigte, der ein lausiger Seefahrer und Navigator war, aber trotzdem mehrmals den Atlantik überquerte, und über den es heisst: «Kein Mensch tat mehr, um den Gang menschlicher Geschichte zu verändern als Christoph Kolumbus.»

Der Entdecker Amerikas wurde vermutlich 1451 in Genua als Sohn eines Wollwebers geboren. Schon in jungen Jahren erwarb er sich nautische Kenntnisse und brachte sich im Selbststudium die Grundlagen der Kartografie bei. Er studierte alte Schriften und Seekarten, und bei der Lektüre keimte in ihm die Vision des grossen Abenteuers auf. Besonders beschäftigte ihn die Idee, eine Westroute nach Indien zu finden. Dabei inspirierte ihn unter anderem eine Seekarte des florentinischen Mediziners, Geographen und Astronomen Paolo del Pozzo Toscanelli. Ausserdem kannte er die Bücher von Marco Polo.

Kolumbus, der seit 1477 in Portugal lebte, schlug 1483 König Johann II. vor, einen neuen Seeweg nach Indien zu suchen. Der König lehnte ab, und für Kolumbus begann das jahrelange Ringen um Geldgeber. 1486 verliess er Portugal und versuchte sein Glück in Spanien. Auch dort wurde er mehrmals abgewiesen, bis sein Projekt schliesslich 1492 - nicht zuletzt dank der Fürsprache von Königin Isabella - angenommen wurde.

Die Bedingungen, die er stellte, waren für die damalige Zeit atemberaubend. Er beanspruchte für sich den erblichen Titel eines Admirals und Vizekönigs in den von ihm entdeckten Gebieten, von allen Profiten sollte ein Achtel an ihn fliessen. Doch das Risiko für die Könige war minimal, der mögliche Profit enorm. Die finanziellen Forderungen waren ohne Bedeutung, falls Kolumbus nicht zurückkehren sollte; und wenn sich seine Theorie als wahr herausstellen sollte, wäre der Preis nicht zu hoch.

Am 3. August 1492 brachen er und seine Mannschaft mit einem Flaggschiff - der «Santa Maria» - und zwei Karavellen in Richtung Westen auf. Gut drei Monate später - ein mehrwöchiger Aufenthalt auf den Kanarischen Inseln inbegriffen - sichtete ein Matrose Land: Kolumbus und seine Leute erreichten eine kleine Insel der Bahamas, die die Indianer Guanahani nannten und die Kolumbus San Salvador taufte. Zwei Wochen später landeten sie in Kuba, im Dezember in Hispaniola.

Obwohl Kolumbus nur wenig Gold mitbrachte, wurde ihm bei seiner Rückkehr nach Spanien am 15. März 1493 ein triumphaler Empfang bereitet. Nicht die Entdeckungen waren Ursache für die Ehrung, sondern die Hoffnung auf mehr Gold. Kolumbus selbst liess während der ersten Reise kaum einen Tag verstreichen, ohne in seinem Bordbuch den Wunsch nach Reichtümern vermerkt zu haben. Er hetzte in der Neuen Welt von Insel zu Insel und hielt sich auf keiner länger auf, wenn kein Gold zu finden war.

Kolumbien duldete Massaker an Indianern

Verglichen mit denen, die ihm folgen sollten - Konquistadoren wie Alonso de Hojeda, Hernan Cortés oder Francisco Pizarro - war Kolumbus harmlos. Er interessierte sich nicht besonders für die Indianer und liess sie weitgehend in Ruhe, so lange sie ihm bei der Jagd nach Gold nützlich waren. Je erfolgloser Kolumbus allerdings bei dieser Suche war, desto brutaler wurde sein Vorgehen gegen die Indianer. Die Ureinwohner wurden versklavt oder gezwungen, eine bestimmte Menge Goldstaub abzuliefern, oder sie wurden einfach umgebracht. Der Admiral tat nichts, um seine Leute von Massakern an der einheimischen Bevölkerung abzuhalten.

Die drei letzten Fahrten von Kolumbus verliefen chaotisch. Er geriet in Streit mit der Mannschaft und musste sich mit Neidern und Intriganten auseinandersetzen. Die spanischen Könige verloren das Interesse an ihm, als sich herausstellte, dass er nur wenig Gold heranschaffen konnte. Auf der dritten Reise - 1500 - wurde ihm die Oberaufsicht entzogen, der Admiral wurde in Ketten gelegt und nach Spanien gebracht. König Ferdinand II. und Königin Isabella ordneten seine Freilassung an, doch dann fiel er in Ungnade und erhielt Reiseverbot. Die vierte Reise (1502) wurde ihm nach Ansicht von Historikern nur genehmigt, um ihn loszuwerden. Von dieser Fahrt kehrte er 1504 erschöpft und krank nach Spanien zurück, wo er anderthalb Jahre später starb.

Wie im Leben absolvierte Kolumbus auch nach dem Tod vier Reisen: Zunächst begraben in der spanischen Ortschaft Valladolid, wurde sein Leichnam wenige Jahre später exhumiert und in Sevilla begraben. 1644 liess seine Schwiegertochter die Gebeine Kolumbus' nach Santo Domingo bringen. Nachdem Spanien Frankreich 1795 den westlichen Teil der Insel Hispaniola - das heutige Haiti - abgetreten hatte, wurde der Sarg nach Kuba gebracht. Als die Spanier 1898/99 diese Insel verlassen mussten, nahmen sie das, was von Kolumbus geblieben war, schliesslich wieder mit nach Sevilla. (dapd)

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