09.05.2018 05:22

Diebstahl und Vandalismus in Thun Komasäufer machen Beizer hässig

Am Wochenende wurden am Thuner Aarequai ein Gastro-Betrieb bestohlen und ein Baum abgesägt. Der Sicherheitsvorsteher der Stadt spricht von einer «unerfreulichen Entwicklung».

von
Simon Ulrich
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Beim Restaurant Dampfschiff wurden in der Nacht auf Sonntag ein Sonnenschirm, ein Tisch und fünf Stühle von der Sonnenterrasse entwendet.

Beim Restaurant Dampfschiff wurden in der Nacht auf Sonntag ein Sonnenschirm, ein Tisch und fünf Stühle von der Sonnenterrasse entwendet.

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In der Nacht davor hatten Unbekannte bereits ein Kastanienbaum mutwillig zerstört.

In der Nacht davor hatten Unbekannte bereits ein Kastanienbaum mutwillig zerstört.

Patric Spahni/Thuner Tagblatt
Diebstahl und Vandalismus als Kehrseite der Idylle: Peter Siegenthaler, Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales der Stadt Thun, spricht von einer «unerfreulichen Entwicklung» am Aarequai.

Diebstahl und Vandalismus als Kehrseite der Idylle: Peter Siegenthaler, Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales der Stadt Thun, spricht von einer «unerfreulichen Entwicklung» am Aarequai.

lakethun/instagram

Mit den steigenden Temperaturen strömen abends an den Wochenenden wieder vermehrt junge Leute an den Thuner Aarequai. Sie amüsieren sich, hören Musik und trinken Bier – manche mehr, als für sie gut ist.

Simon Burkhalter (29), Geschäftsführer des Restaurants Dampfschiff, bekommt die Folgen des jugendlichen Rausches regelmässig zu spüren. Vor Kurzem haben sich zwei Jugendliche auf der Toilette seines Lokals übergeben. Burkhalter beschreibt ihren Zustand als «halb komatös». Er gab ihnen je eine Flasche Wasser mit auf den Nachhauseweg. Auch dass er schon mehr als einmal Stühle der Sonnenterrasse aus dem Wasser fischen musste, nahm der Gastronom bis jetzt hin.

«Ihr kippt Alkohol weg wie Wasser»

Am Sonntagmorgen platzte Burkhalter allerdings der Kragen. In einem gepfefferten Facebook-Post, den er inzwischen wieder gelöscht hat, richtet er sich an die Jugendlichen des Aarequai: «Ihr kippt Euren Alkohol weg wie Wasser. Bereits um 22 Uhr sehe ich Euch besoffen auf dem Spielplatz oder am Brahmsquai. Ihr braucht unsere Toiletten, wir versorgen Euch mit Wasser, wenn ihr zuviel getrunken habt – und kaum sind wir weg, demoliert ihr unsere Terrasse.»

Grund für den Frust: In der Nacht wurden ein Sonnenschirm, ein Tisch und fünf Stühle von der Terrasse gestohlen. Da höre der Spass für ihn definitiv auf. «Sowas ist einfach nur ärgerlich und bedeutet an einem sonnigen Tag eine kleine Umsatzeinbusse», klagt Burkhalter.

Der Diebstahl beim Dampfschiff war nicht der einzige Vorfall am Aarequai an diesem Wochenende: Am Freitagabend haben Vandalen laut dem «Thuner Tagblatt» einen gut zehn Jahre alten Kastanienbaum in der Nähe des Restaurants Beau-Rivage mutwillig zerstört hat.

Weitere Gastro-Betriebe betroffen

Zudem waren auch andere Thuner Lokale unlängst von Vandalismus und Diebstahl betroffen. Letzten Februar wurden von der abgeschlossenen Terrasse des Restaurant Chartreuse in Hünibach neun Rentierfelle im Wert von je 200 Franken gestohlen. Geschäftsführer Pascal Sonderegger geht bei den Tätern von einem «jüngeren Publikum» aus, wie er auf Anfrage sagt.

Im vergangenen Sommer zündeten Unbekannte die Terrasse der Chillounge auf dem Mühleplatz an. Sachschaden: 17'000 Franken.

«Das lässt mich ratlos zurück»

Peter Siegenthaler, Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales der Stadt Thun, spricht von einer «unerfreulichen Entwicklung» am Aarequai. Zwar stelle er in neuerer Zeit keine Häufung von Delikten fest, jedoch eine Veränderung der Qualität. «Wenn Stühle aus der Aare gefischt werden müssen, ist das einerlei. Wenn aber Mobiliar gestohlen wird und Bäume mutwillig abgesägt werden, dann lässt mich das ratlos zurück», so Siegenthaler. Er hoffe inständig, dass solche Vorfälle diesen Sommer «nicht zum Standard» würden und dass die erwähnten Delikte mittels Beobachtungen von Zeugen aufgeklärt werden könnten.

Ein Patentrezept für eine Verbesserung der Situation hat Siegenthaler nicht. «Die Stadt wird wie bisher versuchen, solchen Vorfällen durch Polizeipräsenz und private Sicherheitsdienste zuvorzukommen», sagt er. In diesem Zusammenhang werde auch die seit nunmehr zehn Jahren laufende «Aktion Bänkli», bei der Jugendliche gezielt auf Alkohol und Drogen kontrolliert werden, fortgesetzt. Weitere Massnahmen könne er aktuell nicht beurteilen, sagt Siegenthaler.

Eine Videoüberwachung am Aarequai hält Siegenthaler indes für wenig sinnvoll. Bereits zwischen 2012 und 2015 seien an fünf Standorten in der Stadt Kameras installiert gewesen. Siegenthaler: «Die Analyse hat gezeigt, dass damit weder Straftaten verhindert noch aufgeklärt werden konnten.»

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