Der Renault Sport Spider (1995) verzichtete auf jeglichen Luxus
Der Renault Sport Spider kam ohne jeglichen Luxus aus und hatte nicht mal eine Heizung.

Der Renault Sport Spider kam ohne jeglichen Luxus aus und hatte nicht mal eine Heizung.

Daniel Reinhard /www.zwischengas.com
Publiziert

Renault Sport SpiderKomfort auf Minimum, Fahrspass auf Maximum

Zwei Sitze, vier Räder, ein spritziger Motor, kein Dach. Der Renault Sport Spider richtete sich an Fahrenthusiasten, und zwar nur an diese. Der offene Zweisitzer verzichtete nämlich auf jeglichen Luxus.

von
Daniel Reinhard

Der Renault Sport Spider wurde erstmals 1995 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt. Der vorerst für den Rennsport konzipierte, dann der Strasse angepasste Spider ist eine reine Fahrmaschine. Der Komfort aufs Minimum, der Fahrspass aufs Maximum getrieben, bietet er nicht nur optisch, sondern auch dynamisch Fahrspass pur. Der Sport Spider vereint den Witz des Buggys und die Kompromisslosigkeit von Rennwagen mit alltäglicher Mechanik. Viele kennen das Auto nicht und wundern sich, dass dieser «Ferrari» oder «Lamborghini», gar kein Italiener, sondern eben ein Franzose ist.

Seine Karosserie wirkt noch heute futuristisch. Front- und Motorhaube sowie der Mittelteil mit den Türen sind aus leichten Verbundwerkstoffen gefertigt und lassen sich mit wenigen Handgriffen entfernen. Der im März 1995 sogar ohne Frontscheibe, nur mit einem Windabweiser präsentierte Zweisitzer trägt unter seiner zweifarbigen Kunststoffkarosserie einen soliden Gitterrohrahmen aus Aluminiumprofilen. Am ganzen Auto inklusive dem Fahrwerk kam das Leichtbaumaterial zum Einsatz. Das vordere Fahrwerk mit den querliegenden Federbeinen, sowie die Pedalerie sind manuell einstellbar.

Motor vom Clio-Williams

Aus dem Spider-Cup-Fahrzeug abgeleitet, sorgt im damals 43’700 Franken teuren Spider der Clio-Williams 2,0/16V für Vortrieb. Der Vierzylinder, ausgestattet mit leichteren Pleueln und grösseren Einlassventilen, ist quer vor der Hinterachse eingebaut. Auf Dreh des Zündschlüssels folgt kein Donnerrollen, kein giftiges Fauchen, leider nur der dezente Sound des Vierzylinders. Dafür klackt der Schalthebel metallisch und die Kupplung packt bissig zu. Der knapp 3,8m lange Kurvenkünstler, bereitet mit knapp 150PS pures Fahrvergnügen. Der Sauger hat mit dem leer 965kg (930 mit Windabweiser) wiegenden Zweisitzer ein leichtes Spiel, zusammen mit einem Drehmoment von 185 Newtonmetern bei 4500/min gelten die Fahrleistungen heute noch als respektabel.

Klar wäre er mit dem 6-Zylinder-Motor, wie er 1996 in Le Mans zum Einsatz kam, noch um ein Vielfaches toller, aber auch wesentlich teurer in der Anschaffung wie auch im Unterhalt geworden.

Mit Flügeltüren.

Mit Flügeltüren.

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Grosse Frontscheinwerfer.

Grosse Frontscheinwerfer.

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Die Karosserie wirkt heute noch futuristisch.

Die Karosserie wirkt heute noch futuristisch.

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Ein wendiger Flitzer

Etwas weniger auffallend ist man im blauen oder roten Spider unterwegs, aber eigentlich passt nur Renaults Hausfarbe knallgelb so richtig. Wer mal Erfahrungen im Kart gesammelt hat, erkennt schnell starke Ähnlichkeiten zu diesem wendigen Flitzer. Doppelte Dreiecklenker sind vorne und hinten über Uniball-Gelenke spielfrei mit dem Chassis verbunden. Hohe Haltekräfte und minimale Seitenneigung lassen Kurven zum Erlebnis werden.

Heizung? Brauchts nicht!

Auf Luxus wurde von Anfang an komplett verzichtet, etwa auf eine Servolenkung, ABS, oder auch nur ein Dach über dem Kopf. So lieferte Renault serienmässig auch nur eine mit Reissverschluss zwischen Fahrer und Beifahrer teilbare Persenning, zum Schutz vor Wasser im Innenraum, mit. Die beiden Plastik-Sitzkissen sind nur mit Klettverschluss gesichert und können jederzeit mit ins trockene Restaurant genommen werden und das wenige sich im Cockpit ansammelnde Wasser während der Fahrt läuft schnell ab. Ein Verdeck für den Spider gab es erst später, aber auch nur als Extra und auf 60km/h begrenzt. Einzig die bereits erwähnte Frontscheibenheizung war von Anfang an dabei und dient der Sicherheit, da das Glas bei wechselnden Witterungsbedingungen sehr schnell beschlägt. Eine Heizung sucht man ebenfalls vergebens, aber bitte wer spricht beim Ski- oder Motorradfahren, beim Golfen oder Klettern von einer Heizung.

Durch die sich nach oben öffnenden Scherentüren nimmt man auf gut ausgeformten Sportschalen von Recaro Platz. Für Grossgewachsene kann die Pedalerie verschoben werden, da die Sitzverstellung nach hinten begrenzt ist.

Schalter im Cockpit sind eine wahre Seltenheit, nur zwei (Warnblinker und Scheibenheizung) sind vorhanden. Im Blickfeld des Fahrers stehen der Drehzahlmesser, sowie Oeldruck- und Wassertemperatur-Anzeige. Dazu gesellt sich noch in der Mitte des Armaturenbretts, oberhalb der Mittelkonsole, die digitale Anzeige aus dem Twingo mit Geschwindigkeitsangabe, Kilometerstand und Benzinanzeige.

Vier Exemplare pro Tag verliessen gut drei Jahre lang das Alpine-Werk in Dieppe, wohin die zuvor bei Hydro-Aluminium in Norwegen fabrizierten Chassis angeliefert wurden. Die Produktionszahlen des Spider beliefen sich je nach Quelle auf rund 1730 Exemplare, inklusive den 90 Cup-Autos. Die doch geringe Stückzahl lässt die Preise für den flotten Franzosen mittlerweile merklich ansteigen.
Mehr Informationen und viele Fotos von heute und damals gibt es auf www.zwischengas.com.

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