Berner Abstimmungssonntag: Komitee weibelt für ein Ja zum Viererfeld
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Berner AbstimmungssonntagKomitee weibelt für ein Ja zum Viererfeld

Nach einen Nein-Komitee meldeten sich am Dienstag auch die Befürworter der Viererfeld-Überbauung zu Wort. Sie wittern eine einmalige Chance für Bern.

Ob auf dem Viererfeld gebaut werden soll, entscheiden die Stadtberner Stimmberechtigten am 5. Juni.

Ob auf dem Viererfeld gebaut werden soll, entscheiden die Stadtberner Stimmberechtigten am 5. Juni.

Keystone/Alessandro Della Valle

In Bern beginnt die heisse Phase vor der Viererfeld-Abstimmung am 5. Juni. Zwei Ja-Komitees warben am Dienstag gemeinsam für die Vorlage, die in ihren Augen eine «einmalige Chance für Bern und für die Länggasse» ist. Viererfeld und Mittelfeld seien bestens geeignet, um ein gut durchmischtes Quartier mit bezahlbaren Wohnungen zu schaffen. Zugleich erhalte das Länggass-Quartier einen wichtigen Naherholungsraum.

Im einen Komitee haben sich ein Dutzend Parteien, Verbände und Organisationen zusammengeschlossen. Im anderen Gremium sitzen über 40 Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.

Der Spekualtion entziehen

50 Prozent der Wohnfläche seien für den gemeinnützigen Wohnungsbau reserviert, rief Natalie Imboden als Regionalpräsidentin des Mieterverbands in Erinnerung. Die Hälfte der Wohnungen auf dem Vierfeld würde also nachhaltig der Spekulation entzogen. Das Prinzip der Kostenmiete sorge für zahlbare Preise. Im Viererfeld solle Wohn- und Lebensraum für Menschen allen Alters geschaffen werden, sagte Heinz Hänni von der Domicil Bern AG. Gerade für Senioren sei es nicht einfach, im Länggass-Quartier eine geeignete Alterswohnung zu finden.

Durchmischung und Naherholung

In der Länggasse sei der Druck auf die Mietzinsen besonders hoch, sagte Rechtsanwalt Marcel Brülhart, der im Quartier wohnt. Das stelle die charakteristische Durchmischung der Länggasse in Frage. Mit der Überbauung Viererfeld könne man Gegensteuer geben und das Quartier massvoll erweitern.

Zugleich erhalte die Länggasse ein attraktives Naherholungsgebiet, so Stéphanie Penher vom Grünen Bündnis und vom VCS. Die heutigen Äcker seien ja nicht zugänglich – anders als der geplante Park, der viermal grösser sein werde als der Rosengarten. Für die Familiengärten und den Sportplatz sei die Überbauung keine Bedrohung – diese Nutzungen seien auch im künftigen Park vorgesehen.

Das neue Quartier schaffe städtebaulich die fehlende Verbindung zur Hinteren Länggasse und zum Rossfeld, betonte Architekt Beat Wacker von der Gesellschaft für Stadt- und Landschaftsentwicklung Bern. Die Vorlage ziele auf eine hohe Verdichtung und gewährleiste so den haushälterischen Umgang mit dem kostbaren Boden.

Heikle Punkte

Manche Bürgerlichen sind auf Distanz zum Geschäft gegangen: Ihnen ist der Anteil an Genossenschaftswohnungen zu hoch und die Zahl der Parkplätze zu tief. Die entsprechenden Stadtratsentscheide seien in der Tat enttäuschend, räumte Bernhard Emch ein, der Präsident der Sektion Bern des Handels- und Industrievereins (HIV).

Für ihn sei aber klar, dass es am 5. Juni trotzdem ein Ja brauche. Sonst passiere auf dem Viererfeld wieder zehn Jahre lang nichts. Emch ist dem einen Ja-Komitee als Einzelperson beigetreten. Ob der HIV noch aufspringt, ist offen. Die Grünen-Grossrätin Natalie Imboden erinnerte daran, dass es in einem Monat erst einmal um die grundsätzliche Weichenstellung gehe. Ein Ja mache den Weg frei für die weitere Planung. Über das konkrete Projekt könne das Volk ja später noch befinden.

Umkämpfte Vorlage

Auch auf der Gegnerseite engagieren sich mehrere Gruppierungen. Das Komitee Viererfeld/Mittelfeld – so nicht besteht aus Exponenten der bürgerlichen Parteien, die die Vorlage für «zu ideologisch links-grün geprägt» halten. Für ein Nein wirbt auch der Verein Viererfeld Nature 2.0. Dieser will verhindern, dass «die letzte Grünfläche der Länggasse zerstört wird», obwohl das Volk vor zehn Jahren eine ähnliche Überbauung bereits wuchtig abgelehnt habe. (sda)

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