15.09.2020 18:59

Waldbrände in Oregon«Komm nicht zurück, bis du unseren Sohn gefunden hast»

Chris Tofte sucht wie im Wahn nach seinem Sohn Wyatt (13), nachdem ihr Haus von Flammen eingekesselt wurde. Eine Geschichte ohne Happy End.

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Auf der Suche nach Wyatt (13): Chris Tofte weist am 9. September Suchtrupps an, wie sie am besten in das Gebiet vorstossen können, 
wo das Haus der Familie stand. 

Auf der Suche nach Wyatt (13): Chris Tofte weist am 9. September Suchtrupps an, wie sie am besten in das Gebiet vorstossen können,
wo das Haus der Familie stand.

Foto: keystone-sda.ch
Am gleichen Tag erhält Tofte die niederschmetternde Nachricht vom Tod seines Sohnes. 

Am gleichen Tag erhält Tofte die niederschmetternde Nachricht vom Tod seines Sohnes.

Foto: keystone-sda.ch
Wyatt war zusammen mit seiner Grossmutter leblos in einem Wagen gefunden worden, sein Hund Luke lag tot in seinem Schoss. 

Wyatt war zusammen mit seiner Grossmutter leblos in einem Wagen gefunden worden, sein Hund Luke lag tot in seinem Schoss.

Darum gehts

  • Der Westen der USA erlebt derzeit eine Feuersaison historischen Ausmasses.
  • Wie schnell und tödlich die Feuersbrunst ist, muss die Familie Tofte in Stayton, Oregon, erfahren.
  • Chris Tofte verliert seinen 13-jährigen Sohn und seine Schwiegermutter in den Flammen.

Als die Flammen sich immer näher heranfrassen und die Aufforderung zur Evakuierung kam, fuhr Chris Tofte zu einem Nachbarn. Von ihm konnte sich Tofte einen Wohnwagen leihen, sodass die Familie aus Stayton, Oregon, nicht in einem Notzentrum unterkommen musste.

Als er zurückfuhr, wo Toftes Frau Angela, Sohn Wyatt und die 71-jährige Grossmutter auf ihn warteten, stellte er fest, dass die Flammen das Gebiet bereits eingenommen hatten und es kaum ein Durchkommen mehr gab. Panisch durchbrach er eine Strassensperre, fuhr entschlossen auf die Feuerwand vor ihm zu. Dann entdeckte er mitten auf der Strasse eine schwer verletzte Frau.

«Ich bin deine Frau», flüsterte die Verletzte

Sie trug keine Schuhe mehr, ihre Füsse wiesen schlimme Verbrennungen auf, ihr Gesicht war geschwärzt, ihre Kleidung bis auf die Unterwäsche verbrannt. Tofte lud sie in seinen Wagen und erklärte ihr, dass er weitermüsse, um nach Frau und Sohn zu suchen. «Ich bin deine Frau», flüsterte die Verletzte zu Toftes Entsetzen. Er hatte sie US-Medien zufolge nicht erkannt.

Er brachte Angela in kritischem Zustand in eine Notaufnahme. «Komm nicht zurück, bis du unseren Sohn gefunden hast», soll sie ihm gesagt haben, bevor er losfuhr, um Wyatt zu suchen.

Die Flammen waren schneller

Tofte hatte noch Hoffnung, den 13-jährigen Wyatt zu finden, denn Mutter Angela hatte ihrem Sohn eingebleut, dass er mit dem Familienhund Duke losrennen solle, wenn das Feuer sich nähere. In dem Fall solle Wyatt auch die 71-jährige Grossmutter zurücklassen – sie hatte sich in der Woche zuvor das Bein gebrochen. Offenbar wollte Angela Hilfe holen, bevor das Feuer ihr Haus erreichen konnte. Der Plan ging nicht auf,
die Flammen waren schneller.

Zwei Tage suchten der Vater, der Sheriff und viele Freiwillige erfolglos nach Wyatt. Dann, am vergangenen Mittwoch, fand man ihn: Der 13-Jährige sass leblos am Steuer eines Wagens, Hund Luke lag tot in seinem Schoss. Auf dem Beifahrersitz sass die ebenfalls verstorbene Grossmutter. Alle drei waren sie erstickt.

Die Familie ist überzeugt, dass Wyatt erst losgerannt und dann mit einem Wagen zurückgekehrt sei, um seine Grossmutter zu retten. Bis heute aber weiss niemand, was sich genau zugetragen hatte. Nur Mutter Angela könnte mehr wissen. Sie liegt weiterhin in kritischem Zustand im Spital und ist nicht bei Bewusstsein.

Bittere Zwischenbilanz

Der Westen der USA erlebt derzeit eine Feuersaison historischen Ausmasses. Die bittere Zwischenbilanz: mindestens 35 Tote und Dutzende Vermisste laut US-Medien, Zehntausende Menschen auf der Flucht, mehr als 30’000 Feuerwehrleute und Helfer im Einsatz. Bereits jetzt sind über 19’000 Quadratkilometer Land verkohlt.

Rund 100 Grossbrände wüten Behördenangaben zufolge derzeit vor allem in den drei Westküsten-Bundesstaaten. Ländliche und bewaldete Gebiete sind besonders betroffen. Doch auch Millionen Menschen in den Grossstädten an der Westküste – darunter Los Angeles, San Francisco, Seattle und Portland – bekommen die Auswirkungen zu spüren. Denn auch dort verschlechtert der Rauch die Luftqualität dramatisch. Die vier US-Metropolen befinden sich nach Informationen der Webseite IQAir unter den Top Ten der Städte mit der weltweit gravierendsten Luftverschmutzung. Portland steht an erster Stelle. (SDA)

(gux)

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