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Entführte SchweizerKommandant droht mit Geisel-Enthauptung

Anscheinend stocken die Verhandlungen zwischen der Schweiz und den Entführern des Polizistenpärchens aus Langnau BE. Ein Taliban-Kommandant lässt indes keinen Zweifel an den Folgen eines Scheiterns.

von
mlu

Am ersten Juli diese Jahres wurden David O. und Daniela W. im Nordwesten Belutschistans verschleppt. Vier Wochen nach der Entführung bekannte sich Waliur Rehman, Nummer zwei der Taliban in Pakistan, zu der Entführung. Ein Lebenszeichen von dem aktiven Polizisten und der ehemaligen Beamtin der Kantonspolizei Bern fehlt bisher allerdings.

Das sollte sich nun ändern. Gemäss übereinstimmenden Medienberichten haben die Entführer ein Video der Geiseln aufgenommen. Es zeigt laut der «Neuen Zürcher Zeitung» das Pärchen in einem dunklen Raum – David O. mit langem Bart, Daniela W. verschleiert. Doch ein Lebenszeichen gibt es nicht gratis. Angeblich haben sich die Parteien im Vorfeld auf eine Zahlung von sechs Millionen Rupien (rund 70 000 Dollar) geeinigt.

Ein Kommandant der pakistanischen Taliban widerspricht. Gegenüber der NZZ sagt er, es gebe noch keine Einigung. Und ohne Einigung keine Veröffentlichung des Videos. Der Kommandant will auf Schweizer Seite «mangelnden Enthusiasmus» ausgemacht haben – und greift zu düsteren Worten: Das Leben der Schweizer sei in Gefahr, es könnte ihnen wie der polnischen Geisel ergehen. Ein Hinweis auf einen 42-jährigen Polen, der im September 2008 entführt worden war. Fünf Monate später wurde er enthauptet, weil die Verhandlungen zwischen den Taliban und Warschau scheiterten.

«Am Ende geht es einzig ums Geld»

Gemäss einem Bericht der «SonntagsZeitung» fordern die Taliban für die Schweizer Geiseln drei Millionen US-Dollar und die Freilassung von hundert in Pakistan inhaftierten Kämpfern. Dies bestätigt im Grundsatz ein ranghoher Geheimdienstoffizier gegenüber der NZZ, die Höhe der Lösegeldforderung wollte er allerdings nicht kommentieren.

«Am Ende geht es den Taliban einzig und allein ums Geld», ist sich der Offizier sicher. Eine Liste mit auszutauschenden Gefangenen habe Pakistan noch nicht erhalten. Das sei aber auch nicht nötig: Die Taliban könnten mit Bern schon über eine Freilassung von Häftlingen verhandeln. «Islamabad wird auf keinen Fall Gefangene freilassen.» Pakistan habe sich bisher in der Tat nur auf solche Deals eingelassen, schreibt die NZZ, wenn das Leben von hohen Offizieren oder Geheimdienstlern auf dem Spiel stand. Ein solches Opfer ist für die entführten Schweizer kaum vorstellbar.

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