Konkurs: Kommen alle Kaupthing-Kunden zu ihrem Geld?

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KonkursKommen alle Kaupthing-Kunden zu ihrem Geld?

Der isländische Regierungschef Geir Haarde lässt hoffen: In einem Interview deutete er an, dass auch höhere Einlagen komplett zurückgezahlt werden. Können Schweizer Kaupthing-Kunden davon profitieren?

Deutsche Kunden der isländischen Krisenbank Kaupthing erhalten ihre Einlagen bis zu 20 900 Euro zurückbezahlt, das bestätigte das deutsche Bundesfinanzministerium. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass auch höhere Einlagen durch die isländische Einlagensicherung entschädigt werden. «Ich glaube, dass die neue Führung von Kaupthing alles unternimmt, damit die Spareinlagen der deutschen Kunden ausgezahlt werden können», erklärt Geir Haarde im Interview mit dem «Handelsblatt». Zusätzlich stimmen am Mittwoch die IWF-Mitgliedsstaaten über einen Hilfskredit für Island ab, berichtet Handelsblatt.com.

Schweiz reagierte schnell

In der Schweiz sieht die Situation anders aus. Hierzulande wurden die Kaupthing-Kunden schon früh durch den Schweizer Einlegerschutz entschädigt. Bereits am 9. Oktober wurde wegen mangelnder Alternativen ein Konkursverfahren gegen die Genfer Niederlassung eröffnet. Rund eine Woche später wurden bereits alle Einlagen bis 5000 Franken zurückbezahlt. Ab dem 28. Oktober folgten Kunden mit Einlagen bis zu 30 000 Franken oder mehr. Die den privilegierten Höchstbetrag von 30 000 Franken ausbezahlt erhielten. Gesamthaft wurden so 25,8 Millionen Franken an 94,4 Prozent der Kunden der Genfer Niederlassung zurückgeführt. Die Konkurspublikation und der Schuldenruf sind auf der Internet-Seite der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) publiziert. Am 12. Januar 2009 läuft die Anmeldefrist für Forderungen ab.

Komplizierte Angelegenheit

«In welchem Ausmass und wann die Forderungen der Kunden erfüllt werden, die Einlagen von mehr als 30 000 Franken halten, ist unklar. Das hängt vor allem von der Entwicklung der Situation in Island und vom Ausgang des Verfahrens in Luxemburg ab», erklärt Tobias Lux, Mediensprecher der EBK. Die Schweizer Kaupthing ist eine Niederlassung der Kaupthing-Tochter in Luxemburg. Anders zum Beispiel die deutsche Kaupthing, diese untersteht der isländischen Mutter-Bank. «Zurzeit wird nach Lösungen in Luxemburg gesucht. Falls sich da etwas ändert, behalten Schweizer Gläubiger das Recht, ihr Geld einzufordern», so Lux weiter. Die Situation der Luxemburger-Tochter ist unklar. Ebenfalls ist nicht bekannt, in welchem Verhältnis die Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen der Mutter und Tochtergesellschaft stehen. «Die Situation ist kompliziert, es gibt viele Abhängigkeiten, die man beachten muss. Eines ist klar: Wenn es so weit ist, werden sich unsere Konkursliquidatoren mit Nachdruck für die Schweizer Kunden einsetzen», erläutert Lux.

Die Kaupthing Bank bot seit Juni Schweizer Anlegern ein Online-Sparkonto mit hohen Zinsen an. Bis zum Konkurs hatte die Bank rund 1700 Kunden in der Schweiz.

(scc/zac)

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