Aktualisiert 31.03.2010 13:55

Routenplanung

Kommen iPhone-Besitzer gut an?

Die günstigsten Navigationsgeräte von TomTom und Navigon kosten jeweils etwa 200 Franken. Für knapp die Hälfte bieten die Hersteller Apps fürs Apple-Handy an. Welche für wen besser ist, zeigt der Vergleichstest von 20 Minuten Online.

von
Henning Steier und Manuel Bühlmann

Wer im Sommerurlaub mal schnell mit dem iPhone schauen wollte, wo es langgeht, der hat wahrscheinlich Google Maps benutzt. Wenn das böse Erwachen noch nicht kam, wird es wahrscheinlich mit der nächsten Rechnung kommen. Denn Daten-Roaming ist teuer, sehr teuer. Wer sich die Navi-Apps von TomTom und Navigon kauft, der zahlt aber nur einmal - und zwar 99 Franken (Kartenmaterial für Schweiz, Deutschland, Österreich), denn die Tools verursachen keinen Datenverkehr, weil das gesamte Kartenmaterial mitgeliefert wird.

Geduldsprobe Installation

Die Installation der TomTom-App lief reibungslos, aber nicht schnell, wobei zu beachten ist, dass die von 20 Minuten Online getestete Version mit Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz immerhin rund 380 Megabyte hat. Startete man die Applikation, dauerte es auf dem iPhone 3G S etwa fünf Sekunden, bis zu sie zur Verfügung stand. Das geht angesichts der Datenmenge in Ordnung. Beim Konkurrenten Navigon dauerte die Installation auf dem iPhone eine gefühlte Ewigkeit. Der Fairness halber muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass im Navigon-Test das gesamte Kartenmaterial von ganz Europa (rund 1,7 GB) mit dem iPhone synchronisiert werden musste. Das Starten der Applikation läuft mit dem iPhone der zweiten Generation mit 16 Sekunden Aufwärmphase etwas verzögert.

Praktisch: Beide Apps zeigen zu Beginn an, wie gut der GPS-Empfang ist. Bei TomTom geschieht dies durch einen grau eingefärbten Bildschirm, Navigon blendet am oberen Bildschirmrand eine rote Warnung ein. Ausserhalb von Gebäuden und Tunnels war im Test die Satelliten-Verbindung stets gewährleistet. Wer in der Dunkelheit unterwegs ist, kann in beiden Programmen einen Nacht-Modus wählen, welcher im Test überzeugte, weil die Informationen auf dem Bildschirm gut erkennbar bleiben.

Grosse Ähnlichkeit zwischen den zwei Produkten

Die beiden Apps bieten ähnliche Menüs (siehe obige Bildstrecke), welche an jene klassischer Navigationsgeräte erinnern. So kann man sich direkt zu einer Adresse aus seinen iPhone-Kontakten lotsen lassen, verschiedene Karten-Modi wählen und einen Heimatort definieren, wohin die Heimreise in der Regel ja führt. Wer mag, kann sich überdies die komplette Route bei beiden Anbietern in Form einer virtuellen Fahrt anschauen. Hier wäre es aber wünschenswert gewesen, wenn das Tempo der Simulation selber bestimmt werden könnte, da die Display-Reise viel zu lange dauerte. Während der Fahrt zeigen Navigon und TomTom dem Nutzer die aktuelle Geschwindigkeit an, was gerade für Velofahrer ohne Tachometer interessant sein kann. TomTom bietet zusätzlich Infos zur ausbleibenden Fahrzeit direkt im Display an. Bei Navigon sind dazu Extra-Klicks nötig, welche im Test als störend empfunden wurden.

«Points of Interest» und «Sonderziele»

Ansonsten vermochten beide Anwendungen mit präziser Ortung und exakter Zielführung zu überzeugen. Das jeweilige Kartenmaterial scheint auf dem neuesten Stand zu sein. So war beispielsweise schon die neue Zürcher Westumfahrung integriert. Wer sonstige Sehenswürdigkeiten, aber auch Tankstellen, Hotels und Restaurants angezeigt bekommen möchte, kann bei TomTom die so genannten «Points of Interest» (POI) und bei Navigon die «Sonderziele» auswählen. Während TomToms App direkt die Telefonnummer einblendet, muss man bei Navigons Tool erst ein Ziel setzen und zweimal klicken, bis sie zu sehen ist. Wünschenswert wäre überdies, dass die Internetadresse angezeigt wird und man sich so zum Beispiel direkt über ein Hotel in der Nähe informieren könnte.

Mehr Speed und bessere Akkus sind wünschenswert

Die Navi-Programme sind aber nicht nur für Autofahrer gedacht. Auch Velobesitzer und Fussgänger sollen mit ihnen ohne Umweg ans Ziel gelangen. Im Test funktionierte das problemlos. Sogar abgelegene Feldwege wurden vorgeschlagen. Wer bei laufender Navigationsanwendung einen Anruf bekommt, landet nach dem Auflegen wieder genau dort, wo er zuvor gewesen ist. Anders verhält es sich, wenn man zum Beispiel Musik hören oder schnell was im Browser suchen will, dafür muss das Navi-Tool ganz geschlossen werden. Die etwas schwerfällige Verarbeitungszeit der Routenberechnung ist nur teilweise das Problem von TomTom und Navigon. Hier kommt vor allem Apples Hardware zum Tragen. Im Schnitt dauerte eine TomTom-Berechnung mit dem iPhone 3G S zwölf Sekunden, bei Navigon waren es mit dem iPhone 3G 20 Sekunden - hier wird wahrscheinlich erst das vierte iPhone mehr Speed bringen. Es bleibt auch zu hoffen, dass Apple bei der vierten Generation die Akkuleistung optimieren wird. Immerhin schluckten die beiden Testgeräte im Navi-Modus in etwa so viel Strom, wie beim Telefonieren im UMTS-Netz. Bei längeren Fahrten empfiehlt sich daher der Einsatz eines Auto-Ladegerätes für iPhones, dass direkt mit dem Zigarettenanzünder verbunden wird.

Radarfallen-Melder ist blockiert

Sowohl auch bei der Navigations-Lösung von Navigon, wie auch bei der von TomTom, werden die Kunden vor Radarfallen gewarnt. Da aber in der Schweiz Geräte, mit denen Polizeikontrollen verhindert werden können, generell verboten sind, ist diese Funktion hierzulande nicht verfügbar. Im App Store lassen sich aber trotz Verbot Programme wie «Trapster» finden, das vor über 150 000 Blitzern in Europa warnt (20 Minuten Online berichtete).

Noch keine Car Kits

Gedulden müssen sich TomTom- und Navigon-Nutzer, die auf eine Möglichkeit warten, das iPhone-Navi leichter ins Auto zu integrieren. Im TomTom-Menü erscheint bereits eine Schaltfläche mit dem Namen «TomTom car kit». Wer sie anklickt, erfährt zwar, dass selbiges einen verbesserten GPS-Empfang sowie direkte Aufladung bieten soll. Wann es erhältlich sein soll, wird aber nicht bekannt gegeben. Es ist ärgerlich, dass TomTom den Marktstart nicht parallel zur Software vollzogen hat. Die Vermutung liegt nahe, dass es den zeitlichen Vorsprung Navigons nicht noch weiter wachsen lassen wollte. Navigons «Mobile Navigator» ist schon seit Juni erhältlich, TomToms Tool seit wenigen Tagen. Navigon hat für den kommenden Oktober einen Car Kit angekündigt.

Fazit

Bei Navigon bekommt man für 109 Franken, also zehn Franken mehr, Kartenmaterial von ganz Europa statt nur von der DACH-Region (Schweiz, Deutschland, Österreich). Wer also viel in diesen Ländern unterwegs ist, sollte diese App kaufen, denn TomsToms Westeuropa-Version kostet 149 Franken. Navigons DACH-Variante ist ebenfalls für 99 Franken zu haben. Dafür konnte TomToms Navisoftware im Test mit «IQ Routes» punkten. Diese Funktionen kennt man bereits von klassischen Navigationssystemen des niederländischen Herstellers: Dabei werden Erfahrungen von Ortskundigen ausgewertet und in die Routenvorschläge eingearbeitet. Denn Einheimische kennen oft Wege, die kein Computer errechnen kann. TomTom sammelt dazu seit Jahren Strecken und Durchschnittsgeschwindigkeiten seiner Kunden und verknüpft diese mit mit Datum und Uhrzeit. Allerdings geschieht dies vor allem in Ballungsräumen. Und so ist dieses Tool wohl bislang kaum für Kunden interessant, welche meistens in ländlichen Regionen unterwegs sind. Der Test hat gezeigt, dass sich beide Navigationslösungen sehr ähnlich sind, als GPS-Lotsen gute Arbeit leisten und eine echte Alternative zu herkömmlichen GPS-Geräten sind.

GPS

Alleine Ende 2008 standen weltweit 41 Millionen mobile Navigationseräte im Einsatz (Quelle: canalys.com). Künftig dürften Smartphones mit GPS zunehmend die klassischen Navigationsgeräte verdrängen. Da verwundert es nicht, dass die Platzhirsche unter den GPS-Herstellern seit kurzem ihr Know-how auch auf Geräten wie dem iPhone vermarkten wollen.

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