Gotthard-Abstimmung: Kommen mit der zweiten Röhre auch die Gigaliner?

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Gotthard-AbstimmungKommen mit der zweiten Röhre auch die Gigaliner?

Die Gegner eines zweiten Gotthardtunnels warnen vor Riesenlastern: Mit der geplanten Sanierung werde den 60-Tönnern der rote Teppich ausgelegt. Der Bund widerspricht.

von
D. Waldmeier

Gigaliner – über 25 Meter lange und bis zu 60 Tonnen schwere Fahrzeugkombinationen – sind europaweit auf dem Vormarsch. Während sie in Skandinavien oder den Niederlanden bereits seit Jahren fahren, könnten sie nach erfolgreichen Feldversuchen bald in Deutschland zugelassen werden. Und die Benelux-Staaten haben im November eine Vereinbarung unterzeichnet, dass Gigaliner die Grenze passieren dürfen.

Sollten die Gigaliner im EU-Raum für den internationalen Verkehr zugelassen werden, stiege der Druck auf die Schweiz, die Nord-Süd-Achse zu öffnen. Dies ist laut einem Bericht im Auftrag des Bundes von 2011 grundsätzlich denkbar. Die Kosten für die baulichen Massnahmen wurden damals auf bis 75 Millionen Franken beziffert.

«Den Gigalinern wird der rote Teppich ausgerollt»

Jetzt warnt Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz, dass die Schweiz mit einem zweiten Gotthard-Strassentunnel im Poker mit der EU schlechte Karten hätte. «Der Bundesrat will mit der Sanierung des Gotthardtunnels und dem Bau einer zweiten Röhre den roten Teppich ausrollen. Dabei sollte er alles unternehmen, um den Gigalinern die Durchfahrt zu verwehren.» Rytz kritisiert, dass die Infrastruktur mit der aufwendigen Sanierung vorauseilend für die Monster-Trucks angepasst werde.

So würden der richtungsgetrennte Verkehr ermöglicht, die Decke angehoben und die Nothaltebuchten vergrössert. Bestehe die Infrastruktur erst einmal, werde man dem europäischen Druck kaum standhalten können. «Die Transport-Lobby hat Interesse an einem Korridor zwischen den Häfen von Genua und Rotterdam.» Dass die Sorge nicht an den Haaren herbeigezogen sei, zeige der Blick in die Vergangenheit, als die Schweiz die Gewichtslimite auf Druck der EU von 28 auf 40 Tonnen habe anheben müssen.

«Gigaliner kämen die Schweiz enorm teuer zu stehen, da sie die Strasseninfrastruktur stärker beanspruchten und weitere Investitionen in Brücken oder Ein- und Ausfahrten nötig machen», sagt Rytz. Zudem habe sie bei den ausschwenkenden Lastwagen Sicherheitsbedenken – gerade falls ein Gigaliner im Tunnel Feuer fangen sollte.

Giezendanner gegen Gigaliner

Die Befürworter einer zweiten Röhre reagieren mit Kopfschütteln. SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner sagt: «In der Schweiz sind Gigaliner verboten und daran wird sich in den nächsten 35 Jahren auch nichts ändern. Dafür lege ich die Hand ins Feuer.» Laut dem Fuhrhalter könnten jetzt schon überlange Sattelzüge durch den Gotthard fahren, da sie weder breiter noch höher seien als die bisher zugelassenen Lastwagen. Dies sei aber nicht im Sinne der Transporteure, da die Frachtpreise noch weiter unter Druck kämen.

Auch beim Bundesamt für Strassen (Astra) heisst es, Gigaliner seien hierzulande «kein Thema». Laut Sprecher Thomas Rohrbach habe das Astra dazu schon Untersuchungen durchgeführt, und auch im Parlament sei die Thematik diskutiert worden. «Es herrscht grosse Einigkeit: Gigaliner sind für die Schweiz völlig ungeeignet.» Dass die neue Zwischendecke höher eingebaut werde, mache die Sanierung weder teurer noch wirke sie sich auf die Leistung der Brandlüftung aus. «Die 30 Zentimeter mehr Höhe schaffen Platz für eine Überkopfsignalisation.» Damit könne der Pannenstreifen als gesperrt gekennzeichnet werden.

Rytz beruhigen die Beteuerungen nicht. Sie verlangt vom Bundesrat einen Bericht, in dem er Strategien darlegt, wie er eine Zulassung von Gigalinern verhindern will. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung am 28. Februar wird sie in der Frühlingssession einen entsprechenden Vorstoss einreichen.

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