Hemisches Schaffen: Kommen nun Schweizer Blockbuster-Spiele?
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Hemisches SchaffenKommen nun Schweizer Blockbuster-Spiele?

Der Bundesrat hat in einem Bericht erstmals Games als Kulturgut anerkannt. Was bedeutet das für das einheimische Game-Design?

von
Jan Graber

Diese elf Schweizer Games sorgten weltweit für Aufsehen.

Die Schweiz ist klein und ebenso klein war lange das Vertrauen, dass Game-Design ein ernst zu nehmender Beruf ist. Wie ein zartes Pflänzchen wurde das einheimische Schaffen zwar von Bundesseite und einigen verwegenen Start-up-Investoren gehegt und gepflegt – doch nur zaghaft begann es, über sich selbst hinauszuwachsen. Mittlerweile aber sorgen die Schweizer Game-Designer für internationale Aufmerksamkeit. Hierzulande ernten sie dagegen noch immer viele hämische Leserkommentare. Die Schweizer Designer sollten endlich mal einen Blockbuster schaffen, so die landläufige Meinung.

Das ist aber nur möglich, wenn die Strukturen und Mittel dazu da sind. Dass Schweizer Game-Design eine treibende Wirtschaftskraft werden könnte, wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, ahnte 2015 Alt-Nationalrätin Jaqueline Fehr. Sie gab dem Bundesrat zusammen mit anderen Parlamentarierinnen und Parlamentariern den Auftrag, einen Bericht zum Stand der Game-Industrie in der Schweiz zu erstellen. Dieser ist nun erschienen.

Ein Meilenstein

«Das Ergebnis des Berichts ist für uns eine tolle Überraschung», sagt Matthias Sala, Präsident des Schweizer Game-Entwicklerverbands SGDA. Denn erstmals würden einheimische Games von offizieller Seite als Kulturgut anerkannt. Der Bericht ist für Sala ein Meilenstein. «Vorher war unklar, ob es sich bei Games um ein technologisches, wirtschaftliches oder kulturelles Gut handelt», sagt er. Auch Tobias Kopka, Direktor des Ludicious Game Festival, ist erfreut: «Games werden nun auch von politischer Seite als Kultur- und Wirtschaftsgut mit Förderungswert wahrgenommen. So können Weichen gestellt werden, um Entwickler noch besser zu unterstützen und weltweit sichtbar zu machen.»

Richtigerweise kommt der Bericht zum Schluss, dass die Förderung interdisziplinär erfolgen soll – also dass nicht zwischen künstlerischem und wirtschaftlichem Schaffen unterschieden wird. Die Hoheit wird dennoch dem Bundesamt für Kultur BKA zugeordnet. «Der Bundesrat bestätigt damit, dass Pro Helvetia bisher auf dem richtigen Weg war», sagt Sala, denn die Kulturstiftung hat von Beginn weg den Spagat zwischen Wirtschafts- und Kulturförderung gewagt. Im Bericht wird denn auch festgehalten, dass das Fördersystem der Pro Helvetia langfristig etabliert und weitergeführt werden soll. «Ich wünschte mir aber auch eine Antwort von wirtschaftlicher Seite», sagt Sala.

Massnahmen noch wenig konkret

Ebenfalls stellt der Bericht die Schwierigkeiten klar, mit denen Schweizer Entwickler zu kämpfen haben: dem harten internationalen Markt, dem Marktzugang und fehlenden Strukturen innerhalb der Branche. Die vorgeschlagenen Ziele und Massnahmen sind vorerst aber noch vage: Die Schweizer Produktion quantitativ und qualitativ zu verbessern, die bestehenden Förderprogramme der Pro Helvetia langfristig zu etablieren sowie den Austausch mit den Förderinstitutionen der Kantone, Städte und Stiftungen zu verstärken. Die internationale Promotion soll gestärkt werden und die Berufsverbände gelte es zu unterstützen sowie andere Kulturbereiche wie Film oder Musik zu sensibilisieren, um Synergiepotenzial zu erkennen.

Schweizer Games an der GDC

Die neuesten Entwicklungen der Schweizer Game-Szene (Video: Tarek El Sayed)

Rücken mit dem Bericht die von Game-Fans verlangten Blockbuster aus einheimischer Produktion in Griffnähe? Natürlich nicht. Doch der Weg dahin ist zumindest schon ein bisschen weniger steinig.

Schweizer Games an der GDC

Die neuesten Entwicklungen der Schweizer Game-Szene (Video: Tarek El Sayed)

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